Körper und Arbeit

(Wolfgang Hien)

Nach Fertigstellung des langjährigen Forschungsprojektes "Körper und Arbeit – eine kritische Arbeitsgeschichte von der Hochindustrialisierung in Deutschland und Österreich bis zur neoliberalen Gegenwart" und der Veröffentlichung der Ergebnisse unter dem Titel "Die Arbeit des Körpers" im Mandelbaum-Verlag (Wien 2018) ließ sich eine beachtliche Resonanz feststellen. Es gab insgesamt zehn Rezensionen, wobei die Debatte darüber noch anhält (siehe express-Artikel von Slave Cubela im express 11/2019; Online: http://www.wolfgang-hien.de/download/Cubela.pdf). Cubela schreibt: „Indem Hien das anhaltende und immense Arbeitsleid vieler LohnarbeiterInnen aus jenem Halbdunkel zwischen arbeitswissenschaftlicher Erhellung und gesellschaftlicher Problem-Relativierung bzw. -Verdunkelung herausreißt, bietet uns sein Buch weit mehr als eine empirisch gesättigte Sozialgeschichte des Arbeitsleids. Wenn wir die reflexive und praktische Bedeutung des Arbeitsleids für die Praxis der radikalen Linken etwas genauer durchdenken, wird deutlich, was Hiens Buch tatsächlich ist: die großartige Möglichkeit einer Re-Fundierung radikaler Emanzipationspraxen.“ Es gab ferner bis 2019 acht Lesungen bzw. Vorträge und öffentliche Interviews zum Buch. Die Resonanz ist in der betriebsorientierten Linken – auch wenn es kontroverse Meinungen dazu gibt – deutlich größer als in der nicht-betriebsorientierten Linken. Im arbeitsmedizinischen Fachpublikum differenzierte sich die Resonanz deutlich zwischen Deutschland und Österreich. Die österreichische Arbeitsmedizin lud mich zu einem Plenarvortrag zum Thema des Buches auf ihrer Jahrestagung in Villach ein, während die deutsche Arbeitsmedizin das Buch bisher nicht wahrnimmt.

Bei den Historiker/innen gibt es sehr unterschiedliche Stimmen. Auf der einen Seite ist die Resonanz im Umfeld von Sozial.Geschichte Online sehr positiv, während die am Bergbaumuseum Bochum und einige wichtige an den Universitäten Bochum, Hamburg und Darmstadt angesiedelten sozialhistorischen Forschungsgruppen unsere Studie ignoriert. Dies mag auch mit zum Teil völlig unterschiedlichen Einschätzungen etwa der großen Bergbau-Unglücke zusammenhängen: Wir sehen in der seitens des Bergbaukapitals absichtlich vernachlässigten Sicherheitspraxis eine durchgängige Ursache, während die genannten Institute das Kapital von Schuld weitgehend freisprechen. Eine erfreuliche Ausnahme bildet der sozialgeschichtliche Arbeitskreis des Landesmuseums für Arbeit und Technik Mannheim. Dort konnte ich eine gut besuchte Lesung halten, der sich eine sehr lebendige Diskussion anschloss. Die Frage bleibt offen, inwieweit sich Möglichkeiten einer kontroversen Debatte ergeben oder eröffnen lassen. Der Absatz des Buches verläuft langsam, aber stetig, sodass möglicherweise 2022 eine überarbeitete Neuauflage möglich sein wird. Voraussichtlich in Nr. 26 der Sozial.Geschichte Online wird eine Rezension des Mannheimer Historikers Torsten Bewernitz erscheinen, die genutzt werden kann, um weitere Kontakte anzugehen. Es bleibt zu erwähnen, dass der zeitgleich erschienene zusammen mit Peter Birke verfasste biographische Gesprächsband "Gegen die Zerstörung von Herz und Hirn" (VSA-Verlag, Hamburg 2018) ebenfalls, zumindest in der Betriebslinken, auf eine beachtliche Resonanz gestoßen ist. Über diese Schiene war und ist es möglich, auch "Die Arbeit des Körpers" weiter bekannt zu machen. So gab es im Dezember 2019 die Möglichkeit, im Rahmen einer gut besuchten Veranstaltung der Industriekultur Rhein-Neckar in Ludwigshafen beide Bücher vorzustellen. Es konnten Kontakte zu regionalen Akteuren der Industriegewerkschaft BCE (Bergbau, Chemie, Energie) und zu gewerkschaftsnahen Bildungsträgern geknüpft werden. Eingeladen wurde ich auch von lokalen Gruppen der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (Berlin und Nürnberg). Insgesamt ergaben und ergeben sich weiterhin Möglichkeiten, zu ausgewählten Teil-Themen unserer kritischen Arbeitsgeschichte Artikel in verschiedenen Zeitschriften unterzubringen. Interessant ist auch die Resonanz in Internet-Medien. So konnte ich einer Startup-Unternehmensberatung ein (unzensiertes) Interview zur Frage der neoliberalen Arbeitsverhältnisse geben, das nach Angaben des Unternehmens breite Beachtung fand. Zugleich wird auf dieser Website das Mandelbaum-Buch vorgestellt: https://neustarter.com/magazine/eine-arbeitswelt-mit-mehr-menschlichkeit. Möglicherweise ist es sinnvoll, sich auf diesem Pfad weiter und intensiver zu bewegen.

Link zum Buch auf der Seite des Mandelbaum-Verlags