'Holocaust Studies' in den USA

Thomas Pegelow

'Holocaust Studies' in den USA.

Rückblick auf die 7. 'Lessons and Legacies'-Konferenz in Minnesota vom 01. bis 04. November 2002

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind US-amerikanische Universitäten Orte einer zunehmenden Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Inzwischen hat die Zahl der Lehrveranstaltungen und Veröffentlichungen zu diesem Thema einen kaum mehr übersehbaren Umfang angenommen. Im Verlauf der 1990er Jahre haben sich diese akademischen Studien mittels eigens errichteter Studienzentren, Lehrstühle, Curricula und Fachzeitschriften mit fachübergreifender Ausrichtung unter der Bezeichnung 'Holocaust Studies' institutionell fest etabliert. 

Zu den aktivsten privaten Organisationen, die sich um den Ausbau von Lehre und Erforschung des Holocaust auf universitärer Ebene verdient gemacht haben, zählt die 'Holocaust Educational Foundation'. Zu den Tätigkeiten der Stiftung gehört die Veranstaltung einer eigenen Konferenzreihe, die seit 1989 renommierte Holocaustforscher mit jüngeren Kollegen aus den USA und verstärkt auch Europa und Israel zusammenbringt. 'Lessons and Legacies VII', an der etwa 250 Vertreter aus Forschung und Lehre teilnahmen, fand in Zusammenarbeit mit dem 'Center for Holocaust and Genocide Studies' der 'University of Minnesota' vom 01. bis 04. November 2002 statt. 

Die Konferenz widmete sich dem Schwerpunkt "Der Holocaust in internationaler Perspektive," was sich insbesondere in zahlreichen Vorträgen zu Osteuropa und der Teilnahme einer größeren Zahl nichtamerikanischer Gelehrter niederschlug. In der Anfangssektion zum Thema polnisch-jüdische Beziehungen betonte Alexander Rossino (United States Holocaust Memorial Museum) die zentrale Bedeutung der Kollaboration von Teilen der polnischen Bevölkerung mit den Einsatzgruppen des Reichssicherheitshauptamts zu Beginn des Massenmordes an den Juden im Sommer 1941. Kollaboration war, so Rossino, nicht nur aufgrund deutscher Personalknappheit erforderlich. Sie gab ebenfalls den Einsatzgruppen die nötige Zuversicht für ihre Mordpläne und wirkte einem befürchteten Eingreifen der Wehrmacht wie etwa beim Überfall auf Polen 1939 entgegen. Rossino betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, den Holocaust nicht isoliert als Ereignis der deutschen und jüdischen, sondern der gesamteuropäischen Geschichte zu untersuchen. Piotr Wrobel (University of Toronto) wandte sich gegen Einseitigkeiten in der Betrachtung wie er sie etwa in Jan Gross Studie zur Ermordung der jüdischen Einwohner des Ortes Jedwabne durch ihre polnischen Nachbarn im Juli 1941 sah. Wrobel unterstrich die Komplexität der Reaktionen katholischer Polen, die auch selbstlose Hilfe für verfolgte Juden einschloß. 
In einem gesonderten Abendvortrag ging Jan Gross (New York University) weniger auf die Jedwabne-Kontroverse ein, sondern untersuchte vielmehr Formen und Auswirkungen des Antisemitismus auf die polnischen Nachkriegsgesellschaft. Eine Vielzahl von Vorträgen reflektierte das steigende Interesse der Forschung am Umgang mit dem Vermächtnis des Holocausts in einzelnen europäischen Staaten. In einer Sektion zu den deutschen Eliten untersuchte Michael Allen (Georgia University of Technology) Martin Heideggers Vorträge der frühen 1950er Jahre, in denen er den industrialisierten Massenmord an den Juden auf technokratische Rationalität zurückführte. Diese Interpretation, so Allen, exkulpierte die bundesdeutschen Wirtschaftseliten, die diese Veranstaltungen stark förderten. Ingo Haar (Humboldt-Universität zu Berlin) schloß seinen Vortrag über die Verstrickung deutscher Historiker in die Ostforschung und die Erstellung von Vernichtungsplänen der SS mit Hinweisen auf Verdrängungsstrategien dieser Akademiker in der Nachkriegszeit. 

In der amerikanischen Forschung hat die Goldhagen-Kontroverse der späten 1990er Jahre nicht nur der Täterforschung Auftrieb gegeben, sondern auch das Interesse für NS-Ideologie und die Ideologisierung von Tätergruppen vergrößert. In einer Sektion zur Beteiligung der Polizei am Holocaust wandte sich Edward Westermann (School of Advanced Airpower Studies) gegen eine Unterschätzung ideologischer Faktoren bei der Analyse von Motivationsstrukturen der Täter. Bei Kriegsbeginn waren, so Westermann, Antisemitismus, Antibolschewismus und das Idealbild des "politischen Soldaten" bereits zu festen Komponenten im Normengeflecht der Organisationskultur der Polizei geworden. Jürgen Matthäus (United States Holocaust Memorial Museum) zeigte in seinem Beitrag, daß die Ideologisierung der Ordnungspolizei in den besetzten Ostgebieten nicht als Manipulation "von oben," sondern als eine Mischung von Erfahrung aus konkreten Einsätzen, einer Betonung von Haltung und – weniger ausgeprägt – formaler Schulung zu verstehen ist. 

Auch wenn geschlechtergeschichtliche Perspektiven in der amerikanischen Holocaust-Forschung nach wie vor umstritten sind, haben gerade neuere Arbeiten Erkenntnisgewinne erzielt, die eine Nichtbeachtung dieser Ansätze kaum mehr zulassen. Doris Bergen (Notre Dame University) argumentierte in ihrem Beitrag, daß die Ausübung sexueller Gewalt während des Holocaust sowohl typische als auch singuläre Formen annahm. Zum einen seien etwa Massenvergewaltigungen von Frauen auch aus anderen Genoziden bekannt. Zum anderen aber wären die speziell ideologisch überformten Handlungsmotivationen bezogen auf Vorstellungen von Rasse und Raum einzigartig gewesen. In ihrer Konzeptionalisierung von sexueller Gewalt schloß Bergen Männer, also auch potentielle Opfer, z. B. von Verstümmlungen der Genitalien, gezielt mit ein und brachte diese Formen der Gewalt in Beziehung zu einer Verstärkung von nazistischen Rassen- und Geschlechterhierarchien. 

Andere Sektionen setzten sich mit der Rolle der christlichen Kirchen im Verlauf des Holocausts auseinander, deren Erforschung sich in den letzten Jahren insbesondere über die Beschäftigung mit kirchlichen Würdenträgern fortgesetzt hat. Michael Marrus (University of Toronto) entwickelte seine Überlegungen zum Thema vor allem in Referenz zu Daniel Goldhagens neuem Buch "Die katholische Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung über Schuld und Sühne." Übereinstimmend mit dem Autor forderte Marrus eine deutlichere Betrachtung der Funktionen nationaler katholischer Eliten bei der Umsetzung der anti-jüdischen Gesetzgebung und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung in den 1930er Jahren. Anstoß nahm Marrus jedoch an Goldhagens Einseitigkeit in der Interpretation, v. a. an seiner Charakterisierung der Kirche als Hort eines "eliminatorischen Antisemitismus." Statt dessen rief Marrus dazu auf, den historischen Kontext dezidiert mit in die Analyse einzubeziehen und der Ambivalenz historischer Quellen größeren Raum zu geben. 

Weitere Veranstaltungen würdigten das Werk des Historikers Saul Friedländers und diskutierten, den pädagogischen Zielen der Stiftung entsprechend, Herausforderungen und Methoden der Lehre und Vermittlung des Holocausts. Der demnächst in der 'Lessons and Legacies'-Reihe der 'Northwestern University Press' erscheinende Konferenzband wird die zentralen Beiträge auch einem größeren Publikum zugänglich machen.

Vergessene Aktionen


1968 – einmal anders

Über "1968" wird inzwischen viel geschrieben. Das Spektrum reicht von der schlichten Chronik über zumeist fragwürdige Erinnerungen und kulturalistische Imaginationen bis zur (selbst-)gehässigen Abrechnung. Im Zentrum der Betrachtungen stehen dabei die damaligen Studierenden der westdeutschen und westberliner Universitäten.

"1968" war aber viel mehr. Die gesamte Gesellschaft befand sich im Umbruch, und dies geschah in einem internationalen Kontext, der noch nicht einmal vor den Eisernen Vorhängen des Kalten Kriegs haltmachte.

Selbst die technische Intelligenz durchlebte "ihr" 1968. In einer massiven Streikbewegung erkämpften die Studierenden der westdeutschen und westberliner Ingenieurschulen 1968/69 ihre Integration in den wissenschaftlichen Hochschulbereich. Wie kann dieser überraschende Erfolg erklärt werden? Setzten die Ingenieurschüler mit ihrem Streik nur eine längst überfällige Reform durch, oder kamen die Bildungsbehörden und die Wirtschaft ihnen so weit – und schnell! - entgegen, weil sie eine Ausweitung der sozialen Revolte auf die technische Intelligenz befürchteten, was für den gesamten Kontext von "1968" folgenreich gewesen wäre?

Im folgenden berichtet Helmut Kahlert über die Streikbewegung der Ingenieurstudenten 1968 aus seiner Sicht. Stellungnahmen und Kommentare sind erwünscht.

Die Herausgeber



Prof. Dr. Helmut Kahlert

Vergessene Aktionen

Wie die Fachhochschule entstanden ist.

I.

Im Jahre 1971 traten die letzten Fachhochschulgesetze der Bundesländer in Kraft, den Anfang hatte am 1.8.1969 Schleswig-Holstein gemacht, den Schluss bildete am 1.10.1971 Baden-Württemberg. Obwohl inzwischen diese Hochschulgattung seit Jahrzehnten etabliert ist, Forschungsinteresse wendet sich ihr nur selten zu. (1) 

Wenn sich innerhalb eines föderalistischen Systems ein neuer Hochschultyp in kurzer Zeit durchsetzen kann, liegt es nahe, nach den Ursachen zu fragen. Über Vorgeschichte und Entstehung der Fachhochschule gibt es inzwischen einige Veröffentlichungen, die jedoch einzelne Faktoren unterschiedlich gewichten. (2) 

Als Beispiel sei hier das Gutachten des Bildungsrates von 1974 herangezogen: "Die Reform der Ingenieurschule ist nicht so sehr durch Anstöße aus diesen Anstalten selbst in Gang gekommen; sie ist vielmehr Teil allgemeiner Veränderungen des Bildungssystems und speziell der Expansion und Reform der wissenschaftlichen Hochschule". Doch wie passt dazu der Beginn des nächsten Absatzes: "Noch 1968 hätte man schwerlich geglaubt, dass die institutionelle Reorganisation der Ingenieurschulen und ihre Umwandlung in Fachhochschulen so schnell vollzogen werden würde, wie dies tatsächlich geschah". (3) 

Ausgewogener urteilt der Wissenschaftsrat in seinem Gutachten von 1991: "Die Fachhochschulen waren Ende der 60er Jahre aus den Höheren Fachschulen gebildet worden, nachdem Studenten und Dozenten in Protestaktionen auf die ungeklärte internationale Anerkennung ihrer Ausbildung und auf die unbefriedigende nationale Stellung der Höheren Fachschulen aufmerksam gemacht hatten. Hinter dieser Forderung nach einem neuen Status, der durch den Übergang in den Hochschulsektor erreicht werden wollte, standen auch höhere Anforderungen im Beruf und qualitative Veränderungen in der Ausbildung, die durch den technologischen Wandel und den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt verursacht worden waren". (4) 

Knapp ein Jahrzehnt später (2000) fordert der Wissenschaftsrat, dass "Anwendungsorientierung und Praxisbezug des deutschen Wissenschaftssystems in Forschung und Lehre gestärkt werden (müssen)". Das Fächerspektrum der Fachhochschule soll erweitert werden. "Für die sachgerechte Wahrnehmung ihres Bildungsauftrages benötigen die Fachhochschulen einen eigenständigen, institutionell gesicherten und mit angemessenen Ressourcen ausgestatteten Zugang zur Forschung". (5) 

Die in den Jahren 1968/69 entstandene Fachhochschule existiert und floriert also noch im 21. Jahrhundert, während die mit ungleich stärkeren politischen Kräften angestrebte Gesamthochschule inzwischen Geschichte ist. 

Nach 1960 haben sich die Bemühungen verstärkt, für die Ingenieurschulen einen angemessenen Platz im Bildungssystem zu finden. Dozenten und Direktoren waren an diesem Abklärungsprozess beteiligt, der Verband der Ingenieurstudenten (SVI), aber ebenso die Ingenieurverbände, besonders der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Den Betroffenen war die Notwendigkeit von Reformen bewusst. Dennoch lässt sich nur schwer erklären, warum plötzlich die "Musterknaben", wie eine Zeitung damals schrieb, diese nüchternen, tüchtigen, aber eher bescheidenen "Fachschüler" zu anhaltenden Massenstreiks, zum Boykott ihrer Lehrveranstaltungen, aktiviert werden konnten. 

Sicher, es geschah in den kritischen Jahren 1968 und 1969, und wenn Protestbewegungen von Kalifornien aus Paris und Berlin erreichen konnten, warum nicht die Provinzstädte mit Ingenieurschulen? Vielleicht wirkte die Rezession von 1967 nach, als erstmals die Absolventen spüren mussten, dass sie nicht mehr so selbstverständlich wie früher auf dem Arbeitsmarkt wählen konnten. Allerdings, eine Agitation "linker" Studenten der Universität ist auszuschließen. Sofern man im universitären Lager überhaupt Stellung bezogen hat, wurden die Aktionen der Ingenieurstudenten als "ständisch", "konkretistisch" und damit letztlich als "unpolitisch" abqualifiziert. (6) 

Erst in der zweiten Streikphase im Sommer 1969 gab es Kontakte zu universitären Studentenvertretern. Auch einzelne Gewerkschaften haben jetzt die streikenden Studenten unterstützt. 

Zwei Themenkomplexe standen im Mittelpunkt dieser studentischen Protestbewegung von 1968/69, die drohende Abstufung auf Technikerniveau durch EWG-Vereinbarungen, und der Wunsch nach Zuordnung zu einem (erweiterten) Hochschulbereich, wofür eine deutliche Anhebung der Eingangsqualifikation unerlässlich war. Positiv formuliert: die damaligen Studenten fühlten sich als künftige Ingenieure und mittlere Führungskräfte. Die Absolventen waren, wie der Stellenmarkt bewies, auch fähig, zumindest in manchen Berufsfeldern mit den Diplom-Ingenieuren der Technischen Hochschule zu konkurrieren. 

Obwohl von den EWG-Verträgen hinsichtlich der Niederlassungsfreiheit nur eine marginale Gruppe der Absolventen der Ingenieurschulen persönlich betroffen war, allein die Möglichkeit einer Einstufung auf Technikerniveau traf den Kern des beruflichen Selbstverständnisses, zudem kamen Zweifel auf, ob ihre Interessen auch entschieden genug von deutschen Politikern verfochten wurden. Diesen Aspekt haben Außenstehende oft nicht genügend gewürdigt und gewichtet. 

In einer ersten bundesweiten Streikwelle im Sommersemester 1968 ist es gelungen, die Öffentlichkeit und auch manche Politiker für die Belange der Ingenieurstudenten zu sensibilisieren. Doch die Akteure mussten bald befürchten, nur verbale Zugeständnisse erreicht zu haben, einen bloßen "Schilderwechsel", statt Ingenieurschule jetzt Fachhochschule, aber keine entsprechende Strukturreform. Was dann in der zweiten Aktionswelle im Sommersemester 1969 angestrebt wurde, war die irreversible, juristisch nachprüfbare Sicherung der Zugehörigkeit der Fachhochschule zum Hochschulbereich. 

Auch wenn in der damaligen Diskussion historische Argumente kaum eine Rolle gespielt haben, einen Blick in die Geschichte zeigt, dass Namensänderungen wenig zu inhaltlichen Verbesserungen beigetragen haben. (7) 

Aus den Technischen Mittelschulen des Vereins Deutscher Ingenieure (1889) wurden in Preußen Höhere Maschinenbauschulen (1898/1910), später Höhere Technische Lehranstalten (1931) und schließlich Ingenieurschulen (1938). Auch die Akademie nach den Vorstellungen der Kulturministerkonferenz vom Januar 1968 folgt dieser Entwicklungslinie. Eingangsniveau blieb die Mittlere Reife, wobei man annehmen darf, dass das "Einjährige" (Obersekundareife des Gymnasiums) von 1900 einen höheren Stellenwert hatte als Realschulabschluss oder Fachschulreife im Jahre 1968. Die Ausbildungsdauer verlängerte sich von 4 Semestern (1889/1898) auf 5 Semester (1910) und 6 Semester (1954). Die Bauschulen haben davon abweichende Entwicklungsprozesse durchlaufen. 

Es ist unverkennbar, bei Planung und Durchführung der Massenproteste haben die Gewerkschaften als Vorbild gedient, von der Urabstimmung mit 2/3 Mehrheit bis zu eigenen Ordnern bei Demonstrationen und Streikposten. Aufsehen erregte eine Verletzung der Bannmeile des nordrhein-westfälischen Landtags im Juni 1968, doch der Konflikt konnte im Gespräch, ohne Eingreifen der Polizei, beigelegt werden. Der Spielraum für zivilen Ungehorsam wurde von den Studenten ausgenutzt, doch Exzesse blieben seltene Ausnahme. (8) So gab es gewissermaßen ein Kontrastprogramm zu den damaligen Aktionen radikaler Universitätsstudenten in Berlin, was die Presse durch die Berichterstattung honoriert hat. Die Ingenieurstudenten und ihre Mitstreiter von den höheren Fachschulen wollten auch im Sommer 1969 nicht ins linke Spektrum abgedrängt werden. Ein Ziel blieb, man wollte Verständnis wecken für die eigenen Probleme bei breiten Volksschichten. In dieses Konzept passten auch Angebote zu gemeinnütziger Arbeit während der Streikzeit. 

Bei der ersten Protestwelle im Sommersemester 1968 wurde Rücksicht genommen auf die Belange von Examenssemestern, bei den Aktionen im Sommersemester 1969 hingegen war häufig bereits eine mögliche Verlängerung des Studiums eingeplant worden. Die schärfste Sanktion der Kultusbehörden, die Aberkennung eines Semesters, wurde damit unterlaufen. Solch ein kollektiver Vorlesungs- und Prüfungsboykott war recht ungewöhnlich, zumal die opportunity costs sich relativ genau beziffern ließen: Es war der Unterschied zwischen Studenteneinkommen und Anfangsgehältern bei Ingenieuren. 

Dieser Einkommensverlust traf nicht nur die Abschlusssemester, sondern alle am Dauerstreik teilnehmenden Studenten. Ihr Studium dauerte ein halbes Jahr länger. 

Die Auswirkungen werden hier an der Absolventenstatistik der beiden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern belegt. (9)

Nordrhein-Westfalen
Zeitraum   Bestandene 
Examen
  
WS 67/68 2.300  
SS 68 2.540  
WS 68/69 2.330  
SS 1969 640  
WS 69/70 1.960  
SS 70 2.260  
 
Bayern
Zeitraum   Bestandene
Examen
  
Jahr 1968 2.490  
Jahr 1969 1.380  
Jahr 1970 2.380  

"Streiks und Demonstrationen der Ingenieurschul-Studenten haben im Laufe des Jahres 1969 Landesregierungen und Landtage so unter Druck gesetzt, dass diese sich veranlasst sahen, von der Konzeption der Ministerpräsidenten abzuweichen", urteilt ein sachkundiger Beobachter. Die bereits eingebrachten Gesetze gingen über das hinaus, was die Ministerpräsidenten im Sommer 1968 abgesprochen hatten.(10) Der zeitliche Ablauf wird an anderer Stelle noch detailliert geschildert.

II.

Doch welche Erklärung man auch sucht für den in zwei Schüben aufgetretenen Massenprotest der Ingenieurstudenten, denen sich bald auch Angehörige anderer Höherer Fachhochschulen angeschlossen haben, es blieb ein Rest Ungewissheit und Unbehagen bei Politikern und Unternehmern. 

Eigentlich müssten doch gesellschaftliche Aufsteiger, die als graduierte Ingenieure angemessene Arbeitsplätze und gute Bezahlung erwarten konnten, kaum ansprechbar sein für politische Protestaktionen, zumal vom Fach her - Technik, aber auch Betriebswirtschaft - keine ideologische Beeinflussung zu erwarten war. Trotzdem gab es diese Aktionen, deren Vorläufer man vielleicht eher in den Anfangszeiten der Gewerkschaftsbewegung als in der Hochschulgeschichte suchen sollte. 

In den frühen 1970er Jahren konsolidierte sich jedoch nicht nur die Fachhochschule, sondern auch eine zweite Institution, die zwar formal (noch) nicht zum Hochschulbereich zählt, die aber dennoch eindeutig zum Sektor "Higher Education" gehört, die Berufsakademie. (11)Vielleicht war auch das Misstrauen gegen die in jüngster Zeit so schwer berechenbaren Ingenieurstudenten ein Motiv, als drei Stuttgarter Großfirmen, Robert Bosch, Daimler-Benz und Standard Electric Lorenz, 1971/72 als "Stuttgarter Modell" einen dreijährigen Ausbildungsgang im "Sandwich-System", also abwechselnd Theorie- und Praxisphasen, für Abiturienten geplant haben. Der nächste Schritt war 1974 die Übernahme dieses Konzepts mit leichten Modifikationen durch das CDU Kultusministerium von Baden-Württemberg. 

Man wollte offenbar ein Signal setzen, denn damals "war der bildungspolitische Trend, allmählich zur Emanzipation zu kommen und die Bedingungen der Arbeitswelt zu vernachlässigen". (Dr. Breitmeier). Der zuständige Referent im baden-württembergischen Kultusministerium sagte 1976 auf der gleichen Tagung: "Waren die Fachhochschulen und die Gesamthochschulen Ergebnisse einer bundesweiten Zielplanung, so sind die Berufsakademien eher Ereignisse, die dem Gesetz der ungewollten Nebenwirkungen folgen. Im Bildungsgesamtplan sind die Berufsakademien nicht ausgewiesen. Ihre Existenz verdanken sie letztlich den tief greifenden Änderungen und dem Unbehagen, welche durch die nicht programmierten Folgewirkungen der Reform ausgelöst wurden". (12) 

Hinzu kam, bei fiskalischer Betrachtung waren Berufsakademien "billiger" als Hochschulen, besonders im Personalbereich. Doch starkes Gewicht hatte auch die Überlegung, dass die Besucher dem Arbeitsrecht unterworfen waren und sich bei damals befürchteten Konflikten nicht auf die Autonomie einer Hochschule berufen konnten. 

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass diejenigen Einstellungen und Verhaltensweisen, die so erfolgreich waren bei der Auseinandersetzung um die Fachhochschule, als Nebeneffekt das Aufkommen einer konkurrierenden Institution, eben der Berufsakademie, begünstigt haben. Auffällig ist auch, dass beide, Fachhochschule wie Berufsakademie, nicht genuine Schöpfungen der dafür zuständigen Politiker und Verwaltungen waren, sondern sich am Rande oder gar außerhalb der offiziellen Kultuspolitik strukturiert haben, ehe sie dann in einem zweiten Schritt integriert wurden.

III.

In mehreren Untersuchungen war 1956/57 ein alarmierender Fehlbestand an Ingenieuren diagnostiziert worden. Es begann ein rascher Ausbau des Ingenieurschulwesens. Im Wintersemester 1957/58 waren 36.000 Studierende und 9.200 Absolventen bundesweit ermittelt worden, im Wintersemester 1967/68 zählte man 61.500 Studierende und 17.500 Absolventen. (13) 

Die Konferenz der Kultusminister der Länder hat sich zwischen 1951 und 1968 in 62 Beschlüssen mit Ingenieurschulen und Höheren Fachschulen befasst, doch statt diesen Regelungsbedarf als Hinweis auf notwendige Reformen einzustufen, gab es die deutlich erkennbare Tendenz, einen erreichten Entwicklungsstand festzuschreiben. Als Beispiel dafür kann die Vereinbarung zur Vereinheitlichung des Ingenieurschulwesens vom Januar 1964 gelten. Es wurde angenommen, die Materie wäre abschließend geregelt. Doch bereits zwei Jahre später brachte die Deutsche Kommission für Ingenieurausbildung einen neuen Begriff in die Diskussion, der rasch Verbreitung fand, die Akademie. Während die einen darunter lediglich einen Oberbegriff sahen für alle Gattungen Höherer Fachschulen, dachten andere an einen Übergang zur Hochschule. Die Kompromissformel, "zwischen Schule und Hochschule", wurde aufgegeben. 

Im gleichen Zeitraum, als in den Landtagen verschiedener Bundesländer Akademiegesetze eingebracht und beraten wurden, erschien im Oktober 1967 der sog. Dahrendorfplan. Der Untertitel lautet: Empfehlungen zur Reform von Struktur und Organisation der Wissenschaftlichen Hochschulen, Pädagogischen Hochschulen, Studienseminare, Kunsthochschulen, Ingenieurschulen und Höheren Fachschulen. (14) 

Diese Kommission, eingesetzt vom baden-württembergischen Kultusminister Hahn (CDU), führte das Wort Gesamthochschule in die Diskussion ein und reaktivierte als Oberbegriff für Ingenieur- und Höhere Fachschulen das Wort Fachhochschule. (15) 

Zum ersten Mal hatte ein angesehenes, unabhängiges Expertengremium, dem im Übrigen kein Vertreter der Ingenieurschulen angehört hat, zumindest ein Teil dieser Institutionen eindeutig dem Hochschulbereich zugeordnet. Rückblickend meinte Kultusminister Hahn 1969: "Die meisten überregionalen Verbesserungsvorschläge zielten zu diesem Zeitpunkt noch darauf ab, die Ingenieurschulreform als bloße Veränderungen in der Bezeichnung zu beschränken ... und weitergehende Forderungen als unnötig, ja als gefährliche Schwäche gegen Interessentenforderungen abzutun". (16) 

Anders formuliert, das Schicksal der Ingenieurschule war künftig kein Problem des beruflichen Schulwesens mehr, sondern der Hochschulpolitik. Allerdings, und daran setzte die Kritik an, nicht alle bestehenden Ingenieurschulen und Höheren Fachschulen sollten nach dem Dahrendorfplan dem erweiterten Hochschulraum angehören. (17) 

Ende 1967, als ihre Studentenvertreter bereits über politische Aktionen nachgedacht haben, galt in der breiten Öffentlichkeit die Ingenieurschule - um ein dem hessischen Kultusminister Schütte zugeschriebenes Wort aufzugreifen - als "besonders geglücktes Modell im deutschen Bildungswesen". Die Wirtschaft hielt eine Reform für unnötig, wenn nicht für schädlich, die Gewerkschaften befürchteten bei einem angehobenen Eingangsniveau negative Auswirkungen auf den zweiten Bildungsweg. Wie Politiker und Vertreter der Kultusverwaltung eingestellt waren, dokumentieren die Protokolle und Beschlüsse der Konferenz der Kultusminister, und die Universitäten berührten Probleme von "Fachschulen" und "Fachschülern" ohnehin nicht. Als besonders zählebig erwies sich das von verschiedenen Seiten immer wieder vorgebrachte Argument, hier wolle eine neue Großgruppe zu akademischen Ehren kommen, und sie würde der Gesellschaft bald ihre erhöhten Ansprüche präsentieren. Weitaus leichter war es hingegen, Verständnis zu finden für die Forderung, im europäischen Raum als Ingenieure nicht benachteiligt zu werden. 

Auslöser für die studentischen Aktionen im Sommersemester 1968 war der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18./19. Januar 1968, in dem Akademien definiert wurden als "berufliche Ausbildungsstätten", die zu einem "gehobenen Berufsabschluss" führen. An den Eingangsvoraussetzungen - Realschulabschluss oder Vergleichbares - hielt die Konferenz unbeirrt fest. Am 29. Januar 1968 gab es eine Lagebesprechung beim erweiterten Vorstand des Studentenverbandes Deutscher Ingenieurschulen (SVI), an der auch Vertreter befreundeter Verbände teilnahmen. Beschlossen wurde, "die Studentenschaften im Sommersemester 1968 zu Kampfmaßnahmen aufzurufen". Vom April 1968 an kam es zu Streiks mit unterschiedlicher Dauer, "doch als am 7. Juni 1968 die Kultusminister immer noch an der bisherigen Einstufung der Akademie festgehalten haben, wurde vom 11. Juni 1968 an der Lehrbetrieb flächendeckend boykottiert". (18) 

Eines war inzwischen der interessierten Öffentlichkeit bewusst geworden, Mitte des Jahres 1968 herrschte "völlige Verwirrung über das Schicksal der Ingenieurschulen... Das bundesweite Chaos, das sich damit ankündigte, drohte den Föderalismus in der Bundesrepublik völlig zu diskreditieren. (19) Es war Ministerpräsident Kühn (SPD) von Nordrhein-Westfalen, der die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder zur Klärung der Situation aufgefordert hat. Ihm stand der mitgliederstärkste Landesverband der Ingenieurstudenten gegenüber, doch wichtiger noch, die CDU Opposition hatte - übrigens ohne Abklärung mit der Bundespartei - im Landtag den Entwurf für ein Fachhochschulgesetz eingebracht, obwohl gleichzeitig ein Akademiegesetz parlamentarisch bearbeitet wurde. (20) 

Auch in der Erklärung der neu gewählten Regierung des Landes Baden-Württemberg vom Juni 1968 taucht das Wort Fachhochschule auf, die Wünsche und Forderungen der Studenten werden darin positiv angesprochen. Das hat jedoch offenbar nicht genügt, denn Ende Juni erweiterte sich nochmals die Zahl der Schulen, an denen gestreikt wurde. Da hat Ministerpräsident Filbinger (CDU) den Alleingang gewagt und ohne Abstimmung mit seinem Kabinett auf der Pressekonferenz vom 3. Juli 1968 die meisten Forderungen der Studenten klar anerkannt. 

Was auch immer Filbingers Motive waren, durch diese deutliche Aussage hat er sich um die Entstehung der Fachhochschulen verdient gemacht, zumal er darin ankündigte, auch dann handeln zu wollen, wenn die Ministerpräsidenten kein Einvernehmen erzielen könnten. (21) 

Auf der Tagesordnung der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder vom 5. Juli 1968 stand der Punkt "Akademiegesetzgebung", doch beschlossen wurde schließlich über die Fachhochschule. (22) Bayerns Ministerpräsident Goppel, nur unterstützt von seinem Kollegen aus dem Saarland, erhob Einwendungen gegen eine Einbeziehung der Fachhochschulen in den Hochschulbereich, da "eine sachliche Berechtigung eines solchen Beschlusses nicht gegeben ist". (23) Dennoch wurden - Bayern hat sich enthalten - folgende Beschlüsse gefasst (hier gekürzt zitiert): 

Ingenieurschulen und gleichrangige Bildungseinrichtungen werden als Fachhochschulen in die dritte Stufe des Bildungswesens (Hochschulstufe) angehoben.

  • Der Zugang zu den Fachhochschulen soll durch eine Fachhochschulreife eröffnet werden.
  • Die Studienzeit sollte wie bisher drei Studienjahre betragen.
  • Übergänge zwischen Fachhochschulen und wissenschaftlichen Hochschulen und umgekehrt sollen ermöglicht werden.
  • Die Beteiligung von Dozenten und Studenten an Entscheidungen der Fachhochschule wird gewährleistet.

Wenn nach einer Gründungscharta der Fachhochschulen gesucht wird, dann waren es inhaltlich betrachtet diese kurzen Leitsätze der Ministerpräsidenten vom 5. Juli 1968. Der Studentenverband Deutscher Ingenieurschulen (SVI) empfahl nach bekannt werden den Abbruch der Streiks. Eine vorwiegend aus Kultusministern bestehende Kommission sollte bald "Grundsätze für eine einheitliche Gesetzgebung der Länder ausarbeiten". Wie bei den berufenen Personen zu erwarten war, die Vorgaben hat man eher restriktiv ausgelegt. Beschlossen wurde das "Abkommen zwischen den Ländern der Bundesrepublik zur Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Fachhochschulwesens" von den Ministerpräsidenten am 31.10.1968. (24) 

Doch ehe auf die weitere Entwicklung im Bundesgebiet eingegangen wird, erscheint es sinnvoll, den baden-württembergischen Sonderweg kurz darzustellen.

IV.

Auch die Studenten der Ingenieurschulen Baden-Württembergs hatten sich an verschiedenen Aktionen beteiligt. Höhepunkt der Protestbewegung war am 11. Juni 1968 ein Demonstrationszug von 6.000 Personen durch die Stuttgarter Innenstadt, der lautstark, aber friedlich verlief. Dozenten haben daran teilgenommen. Vertreter des baden-württembergischen Baumeister- und Ingenieurbundes, von DGB und DAG, erklärten sich solidarisch mit den Forderungen der Studenten. 

Doch zuvor schon, im Mai 1968, war vom baden-württembergischen Kultusminister Hahn eine Expertenkommission berufen worden, um Vorschläge zur Neuordnung des technischen Bildungswesens zu erarbeiten. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Sinn von der BASF in Ludwigshafen, hatte bereits der inzwischen hoch angesehenen Dahrendorf-Kommission angehört. Die Ingenieurschulen waren mit acht Personen vertreten, darunter befanden sich drei Vertreter des Landesverbandes der Ingenieurstudenten. 

Die baden-württembergischen Studenten waren bereit, den Mitgliedern dieses Ausschusses einen Vertrauensvorschuss einzuräumen, und sie wurden nicht enttäuscht. Hier einige Kernpunkte aus dem am 10. September 1968 übergebenen Bericht: (25) 

Fachhochschulen sind Hochschulen ohne Promotionsrecht (mit Selbstverwaltung)

  • Die Studiengänge vermitteln eine Ausbildung, die zu selbständiger, eigenverantwortlicher Tätigkeit befähigt
  • Die Dauer des Studiums beträgt vier Jahre (sechs Studiensemester und zwei integrierte Praxissemester) (26)
  • Die Anerkennung der Fachhochschulingenieure muss im Sinne der EWG-Richtlinien gewährleistet sein
  • Der Zugang zur Fachhochschule sollte 12 Jahre umfassen und damit an internationale Verhältnisse angeglichen sein

Es hat lange gedauert, ehe sich dieses Konzept mit den zwei integrierten Praxissemestern im Bundesgebiet allgemein durchsetzen konnte, doch es wurde strukturprägend und erleichterte die Anerkennung der Fachhochschulingenieure im EG Raum. Unter der Überschrift "Hitziger Sommer weicht kühlen Herbst" berichteten die Stuttgarter Nachrichten am 3. Oktober 1968 von einer Stuttgarter Ingenieurschule. (27) Die Formulierung des Direktors. "Wir können mit den Ergebnissen der Kommission zufrieden sein", fand allgemein Zustimmung. Der AStA-Vorsitzende "sah keinen Grund mehr, den Streik fortzusetzen". Einstimmig beschlossen die Studenten, die Vorlesungen wieder zu besuchen. 

Abgesehen von vereinzelten "Informationsstreiks" blieb es ruhig an den baden-württembergischen Ingenieurschulen in dem andernorts so turbulenten Sommersemester 1969. Doch weder Ministerpräsident Filbinger noch Kultusminister Hahn waren offenbar stolz darauf, dass es ihnen gelang, nicht nur einen drohenden Konflikt gütlich beizulegen, sondern auch ein Konzept auf den Weg zu bringen, das strukturprägend wurde für die Bundesrepublik - und das sich in der Praxis bewährt hat. Wilhelm Hahn bedauert in seinen Erinnerungen 1981 den "Untergang der bewährten Höheren Fachschulen" und spricht an anderer Stelle von Ingenieurstudenten, die "von einigen Demagogen hoch gepeitscht" worden waren. (28) Doch nach diesem Exkurs wieder zurück zu den Vorgängen in anderen Bundesländern.

V.

Der Inhalt des Abkommens zur Vereinheitlichung des Fachhochschulwesens vom 31. Oktober 1968 (29) hat die Ingenieurstudenten enttäuscht und ließ sie skeptisch werden gegenüber Aussagen höchster Staatsvertreter. Viele Kommilitonen resignierten, andere aber wurden in ihrem Widerstandswillen gestärkt. Nach dem Abkommen sollten die künftigen Fachhochschulen Institutionen "ohne eigene Rechtspersönlichkeit" sein, uneingeschränkt der Fach- und Rechtsaufsicht des zuständigen Ministeriums unterworfen (Artikel 4). Die Selbstverwaltung war in wesentlichen Punkten auf eine "Mitwirkung" reduziert (Artikel 5). Es werden lediglich Lehraufgaben wahrgenommen (Artikel 1). Begriffe wie technische Entwicklungsaufgaben oder gar angewandte Forschung tauchen nirgends auf, obwohl die Ingenieurschulen sich seit langem zu technischen Zentren ihrer Region entwickelt hatten. 

Hinsichtlich der Qualifikation der Dozenten wird auf eine Vereinbarung aus dem Jahre 1961 verwiesen (Artikel 11). Erst der Studienabschluss (Graduierung) schließt die Allgemeine Hochschulreife ein (Artikel 9). Lediglich bei den Rechten und Aufgaben der Studentenschaften (Artikel 12) und bei den Förderungsmaßnahmen für Studenten (Artikel 13) sollte es keine Unterschiede geben zwischen Fachhochschulen und wissenschaftlichen Hochschulen. Misstrauische Studenten sahen jedoch einen Vorgriff, um Maßnahmen zur Disziplinierung einheitlich planen und beschließen zu können. 

Ein neuer Vorstand des Studentenverbandes (SVI) stellte 1969 nicht mehr, wie sein Vorgänger 1968, vorwiegend Standespolitik und Sachfragen in den Vordergrund, sondern versuchte, auch Begriffe wie Demokratieverständnis, Chancengleichheit und Herrschaftsinteressen in die Auseinandersetzung einzubringen. (30) Die Asten der Schulen hat man verstärkt in die Arbeit eingebunden, in kleinen Gruppen sollten demokratische Strukturen erlebt werden. Offen bleibt in diesem Zusammenhang, in welchem Umfang sich die große Zahl der Ingenieurstudenten über eine verbale Akzeptanz hinaus von gesellschaftskritischen Vorstellungen beeinflussen ließ. Vermutlich stimmt die Aussage in einer Schrift des Bildungsrates, (31) dass "den hohen wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Ansprüchen zeitweilig tonangebender studentischer Gruppen ... die bescheidene pragmatische Vorbildung und Anpassungswilligkeit der Menge der Studenten" gegenüberstand - was aus heutiger Sicht auch als Nüchternheit und Realitätsbewusstsein interpretiert werden kann. 

Denn für eigene, konkrete Ziele ließen sich die Mitglieder des SVI nochmals bundesweit mobilisieren. Den Anfang machte Nordrhein-Westfalen. Am 10. April 1969 haben die Studenten von 41 der 43 Ingenieurschulen mit Zweidrittel-Mehrheit für einen Semesterabbruch votiert. Andere Bundesländer folgten. Der Spiegel sprach am 5. Mai 1969 von 40.000 streikenden Ingenieurstudenten von insgesamt 65.000, wobei die Baden-Württemberger aus den genannten Gründen wegfielen. Auch eine Auswertung der Unterlagen des SVI führt zu ähnlichen Größenordnungen. (32) 

Hinzu kamen Studenten der Höheren Wirtschaftsfachschulen, der Werkkunstschulen und der Sozialschulen, die sich solidarisiert haben. In vielen Fällen hatte man bereits bei Streikbeginn den "Verlust" eines Semesters eingeplant. Auch finanzielle Sanktionen verpufften, denn die boomende Wirtschaft von 1969 vergab auch Kurzzeit-Jobs, zumal wenn die Bewerber, wie damals die weitaus meisten Ingenieurstudenten, Gesellen- oder Facharbeiterbriefe nachweisen konnten. Ein Versuch in Niedersachsen, noch nicht ratifiziertes Ordnungsrecht anzuwenden, wurde juristisch vereitelt. 

Ende Juni 1969 liefen die studentischen Aktionen aus. Vieles war erreicht worden. Die Fachhochschule hatte Gestalt gewonnen. Die integrierte Gesamthochschule, also die enge Verflechtung von Technischer Hochschule und Fachhochschule, lag außerhalb der Reichweite eines noch so aktiven Studentenverbandes. 

Bestehen blieb das Problem, welche didaktischen Strukturen die neue Hochschule kennzeichnen sollten. In der Vergangenheit konnte die wachsende Diskrepanz zwischen gleich bleibendem Eingangsniveau und steigenden Anforderungen im Beruf nur durch ein hartes "Paukstudium" notdürftig überbrückt werden. Dieser Aufgabe einer inneren Reform haben sich besonders konfessionelle Gruppierungen zugewandt, im Vorfeld 1966 die Evangelische Studentengemeinde, dann seit 1969 recht intensiv die Einigung katholischer Studenten an Fachhochschulen und die Gilde katholischer Ingenieure. (33) 

In Nordrhein-Westfalen wurde im Wintersemester 1969/70 der übliche Lehrbetrieb zurückgestellt zugunsten einer breit angelegten Reformdiskussion über Formen und Inhalte einer künftigen Ausbildung. (34) Wenn von studentischer Seite Kritik an ihren Dozenten aufgekommen war, dann richtete sie sich meist gegen die mangelnde didaktische Qualifikation der direkt aus der Wirtschaft berufenen "Bauräte" und nicht gegen deren fachliche Kompetenz. 

Der Wissenschaftsrat bezeichnete 1991 die Fachhochschulen als lebensfähige Hochschulreinrichtungen, sie sind "zu einem ebenso unverwechselbaren wie unverzichtbaren Element des differenzierten Hochschulsystems der Bundesrepublik Deutschland geworden". (35) 

Die Technischen Hochschulen verdanken ihr Promotionsrecht einem Kaiserwort, die akademische Lehrerausbildung hatte Verfassungsrang. Die Fachhochschule hingegen entstand durch politische Aktionen, entscheidend getragen von solidarisch handelnden Studenten, die auch bereit waren, Sanktionen zu widerstehen und Einkommensverluste hinzunehmen. Wer will, kann vom Druck der Straße sprechen. Die Beteiligten von damals aber haben auch aus heutiger Sicht keine Veranlassung, mit ihrer Biographie unzufrieden zu sein.

Anmerkungen

(1) Eine Ausnahme macht der Wissenschaftsrat, der sich bereits in vier Veröffentlichungen mit Stellung und Zielen der Fachhochschulen beschäftigt hat. Vg. Benz, Wilfried: Erfolgreiche und weniger erfolgreiche Beiträge des Wissenschaftsrates zur Entwicklung der Fachhochschulen in Deutschland in : vhw Mitteilungen (2001) April/Juni, S. 14–17. In 20 Jahren (1981–2000) erscheint der Begriff Fachhochschule im deutschen Dissertationsverzeichnis fünfmal!

(2) Deutscher Bildungsrat – Gutachten und Materialien zur Fachhochschule, Stuttgart 1974; Birkhölzer, Karl: Die Entwicklung der Didaktik der Ingenieurschulen der Bundesrepublik Deutschland, 2 Bände, Diss. Phil. TU Berlin 1976; Ehmann, Günter: Bildungspolitik und Hochschulpolitik in der Bundesrepublik Deutschland aus der Sicht praxisorientierter und anwendungsbezogener technischer Studiengänge, mehrere Bände, Königswinter 1993; Mayer, Werner: Bildungspotential für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Die Entstehung des Hochschultyps Fachhochschule in Nordrhein-Westfalen 1965–1971, Essen 1997. Viele Informationen liefert die Zeitschrift "der junge ingenieur" (dji), 1969 mit einer Auflage von 40.000, herausgegeben vom Studentenverband Deutscher Ingenieurschulen, Berlin. Recht zurückhaltend hingegen das Organ des Dozentenverbandes, "Die deutsche Ingenieurschule".

(3) Bildungsrat 1974, wie Anm. 2, S. 95

(4) Wissenschaftsrat – Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen in den 90er Jahren, Köln, S. 10

(5) Wissenschaftsrat – Thesen zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland, Köln 2000, S. 5, S. 18; Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen, Köln 2002

(6) Roth, Karl-Heinz/Kanzow, Eckard: Unwissen als Ohnmacht, o.O. o. J. (1971), S. 241

(7) Grüner, Gustav: Die Entwicklung der höheren technischen Fachschulen im deutschen Sprachgebiet, Braunschweig 1967; vgl. auch Birkhölzer, wie Anm. 2

(8) Auch Mayer, wie Anm. 2, kommt bezogen auf Nordrhein-Westfalen zu der Aussage: Ausschreitungen, zu denen die Polizei hinzu gerufen wurde, blieben die große Ausnahme. S. 192

(9) Nachrichtlich: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen vom 24.10.2001; Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung vom 7.11.2001

(10) Lachmann, Günter: Die Konzeption der Fachhochschulen in: Deutsche Universitätszeitung (1969) 22, S. 1-5, hier S. 4

(11) Osswald, Richard: Die Berufsakademie in Baden-Württemberg, Stuttgart 1988; Petzold, Hans-Joachim: Berufsakademie. Im Interesse des Kapitals in: betrifft erziehung 7 (1974) Heft 4, S. 43–45; Zabeck, Jürgen/Müller, Wolfgang: Das Stuttgarter Modell im Rahmen der Berufsakademie Baden-Württemberg. Vervielfältigter Zwischenbericht über die wissenschaftliche Begleitung des Modellversuchs. (Mannheim) 1975

(12) Einigung katholischer Studenten an Fachhochschulen/Evangelische Akademie Bad Boll (Hrsg.) – Fachhochschule – Berufsakademie. Der Streit um den Praxisbezug. Tagungsbericht 1976. Erstes Zitat S. 92, zweites Zitat S. 16

(13) Ingenieurschulen 1957–1968 in: Wirtschaft und Statistik (1969) S. 678–684

(14) Hochschulgesamtplan Baden-Württemberg. Empfehlungen zu Struktur und Organisation der wissenschaftlichen Hochschulen ... Bildung in neuer Sicht, Reihe A, Nr. 5, Villingen 1967; Dahrendorf, Ralf: Zur Entstehungsgeschichte des Hochschulgesamtplans für Baden-Württemberg 1966/67 in: Bildungspolitik mit Maß und Ziel. Wilhelm Hahn zu seinem zehnjährigen Wirken gewidmet, Stuttgart 1974, S. 138–163

(15) Der Begriff Fachhochschule wurde bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert verwendet. Der Große Brockhaus (15. Aufl. 1930) zählt auf: Fachhochschulen sind technische, landwirtschaftliche und Handelshochschulen, Kunst-, Berg- und Forstakademien. In der Bibliographie Pädagogik (Beltz) wird 1968 das Wort Ingenieurschule 33mal nachgewiesen, das Wort Fachhochschule – in der neuen Bedeutung als Oberbegriff für alle Ingenieur- und Höheren Fachschulen – immerhin schon 6mal, zuerst in einem Beitrag vom Mai/Juni 1968.

(16) Kultusminister Wilhelm Hahn in: Vorschlag zur Neuordnung des technischen Bildungswesens. Schriftenreihe des Kultusministeriums Baden-Württemberg, Reihe A Nr. 17, Villingen 1969, Vorwort S. VII

(17) Hochschulgesamtplan wie Anm. 14, S. 114 f.

(18) Heitmann, Günter: Ingenieurstudenten vor der Radikalisierung? in: Studentische Politik (1969) Nr. 3, S. 12–17, hier S. 14

(19) Lachmann, Günter: Zur Konzeption der Fachhochschule in: Deutsche Universitätszeitung (1969) 22, S. 1–5, hier S. 3

(20) Mayer wie Anm. 2, S 127 ff.

(21) Regierungserklärung der Großen Koalition in: Stuttgarter Zeitung vom 28. Juni 1968; Ein Alleingang Filbingers in: Stuttgarter Zeitung vom 4. Juli 1968. Zum Demonstrationszug: 6.000 Ingenieurschüler auf der Straße in: Stuttgarter Zeitung vom 12. Juni 1968

(22) Diese Besprechung der Ministerpräsidenten ist dokumentiert in: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, StK 12 003

(23) Protokoll zur Sitzung am 5. Juli 1968, ausgefertigt am 15. September 1968. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, StK 12 003

(24) Bildungsrat wie Anm. 2. Anhang mit Dokumenten, S 260 ff.

(25) Vorschlag zur Neuordnung, wie Anm. 16

(26) Dieses Konzept brachte der Direktor der Mannheimer Ingenieurschule Meixner ein. Vgl. Nachruf auf Meixner in: vhw Mitteilungen April/Juni 2001

(27) Vorschlag zur Neuordnung wie Anm. 16. Anhang S. 47f.

(28) Hahn, Wilhelm: Ich stehe dazu. Erinnerungen eines Kultusministers, Stuttgart 1981, hier S. 195 und 135

(29) Bildungsrat wie Anm. 2, Dokumente

(30) Ausführlich Mayer, wie Anm. 2, S 181ff.; Plog, Karsten: Die Ingenieurstudenten kämpfen gegen ein Studium "zweiter Klasse" in: Die Welt vom 28. Mai 1969. Aus studentischer Sicht: Heitmann, wie Anm. 18; Roth/Kanzow, wie Anm. 6, S. 234ff.

(31) Bildungsrat, wie Anm. 2, S. 96

(32) Birkhölzer, wie Anm. 2, S. 190f. Heerwagen Fritz: Fiasko eines Reformversuchs in: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt Nr. 21 vom 25. Mai 1969

(33) Das Zeitproblem an der Ingenieurschule in. Evangelische Studentengemeinde in Deutschland (Hrsg.): Der Bildungsauftrag der Ingenieurschule, Stuttgart 1966, S. 66ff.; Gilde katholischer Ingenieure Deutschlands (Hrsg.): Zur Didaktik und inneren Struktur der Ingenieurschule, Bonn 1969. Ausführlich auch Birkhölzer, wie Anm. 2

(34) der junge ingenieur (dji). Zeitschrift für Ingenieurstudenten. Herausgegeben vom Studentenverband Deutscher Ingenieurschulen, Berlin. (1969)Nr. 7/8, Vorwort; Wagemann, Carl: Nur ein Schilderwechsel? Die Neuordnung des Ingenieurschulwesens als Teil einer Gesamtreform in: Wirtschaft und Wissenschaft (1969) Heft 5, S. 15–18

(35) Wissenschaftsrat 1991, wie Anm. 4, S. 7

Ein engagierter Humanist und Anreger

Karl Heinz Roth

Ein engagierter Humanist und Anreger:

Hans Deichmann (1907 – 2004)

Am 7. Dezember 2004 ist Hans Deichmann auf seinem Altersruhesitz in Bocca di Magra gestorben. Er war deutscher Herkunft, seit seiner Emigration im Jahr 1948 aber in Italien fest verwurzelt und Kosmopolit im besten Sinn. Der Weg dorthin war schwer und aufgrund der Zeitumstände voller gefährlicher Hindernisse. 

Hans Deichmann entstammte dem deutschen Großbürgertum. Er wurde 1907 in eine Kölner Bankiersfamilie hineingeboren. Die Weltwirtschaftskrise trieb die Deichmann-Bank, ein traditionsreiches Kreditinstitut der rheinischen Schwerindustrie, in den Ruin. Deichmann musste seine kaufmännische Ausbildung deshalb an anderer Stelle beginnen. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften trat er in die Kaufmännische Abteilung des I.G. Farben-Konzerns ein und spezialisierte sich auf das Farbengeschäft in Italien. Zwei Jahre nach Kriegsbeginn wurde er wegen seiner Landes- und Sprachkenntnisse für die "Dienststelle Italien" des für die chemische Kriegsproduktion zuständigen Technokraten Carl Krauch dienstverpflichtet. Seine Hauptaufgabe bestand darin, italienische Bauunternehmen mit ihren Arbeitern als Vertragsunternehmen für den Bau der oberschlesischen Hydrierwerke der I.G. Farben zu gewinnen, zu denen auch das I.G.-Werk Auschwitz-Monowitz gehörte. 

Deichmann hatte zur NS-Diktatur immer in Opposition gestanden, aber was er bei seinen Dienstreisen nach Oberschlesien und Auschwitz sah und hörte, motivierte ihn zum antifaschistischen Widerstand. Im Herbst 1943 schloss er sich der Widerstandsgruppe "Giustizia e Libertà" an und setzte bis zur Befreiung Norditaliens immer wieder sein Leben aufs Spiel. Da er bis zuletzt Zugang zu den höchsten deutschen Stabsstellen hatte, avancierte er zum wichtigsten deutschen Informanten der Resistenza in Norditalien. 

Im Herbst 1945 kehrte Deichmann nach Deutschland zurück, um am demokratischen Wiederaufbau mitzuwirken. Er setzte sich für die Entflechtung des I.G. Farben-Konzerns ein und übernahm die Leitung einer Spruchkammer in Oberursel bei Frankfurt, um parallel dazu die Entnazifizierung der Großindustriellen voranzutreiben. Aufgrund des um sich greifenden Kalten Kriegs wurde sein Engagement jedoch 1948 nicht mehr benötigt. Er kehrte nach Italien zurück und gründete in Milano zusammen mit anderen das Importunternehmen für Düngemittel und Farben SASEA S.A., das unter seiner Leitung prosperierte und neue partnerschaftliche Beziehungen zwischen Management und Mitarbeitern entwickelte. Ende der sechziger Jahre trat er in den Ruhestand. 

Seit der Unternehmensgründung zweigte Deichmann erhebliche Teile der Revenuen zur Unterstützung demokratischer gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Projekte ab. Sein erstes Engagement galt dem Centro Educativo Italo-Svizzero (C.E.I.S.), das traumatisierte und behinderte Kriegskinder betreute. Später unterstützte er den Auf- und Ausbau der Scuola di Musica di Fiesole, aber auch die Mensa bambini proletari in Napoli, in der die Kinder von Anfang an gegen die Gewaltstrukturen der Camorra sensibilisiert wurden. Seit den siebziger Jahren unterstützte er darüber hinaus die Publikation wichtiger Bücher und ermöglichte Übersetzungsprojekte; in den neunziger Jahren finanzierte er die Rettung eines wichtigen Teils der Briefe Arturo Toscanini's. In den USA und mehreren Ländern Zentral- und Lateinamerikas ermöglichte er den Start exemplarischer ökologischer Pionierprojekte. Seiner Initiative ist es aber auch zu verdanken, dass die zu Beginn der neunziger Jahre in finanzielle Schwierigkeiten geratene Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts ihre Forschungsprojekte fortsetzen und ihre Zeitschrift "1999" – jetzt "Sozial.Geschichte – Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts", weiter herausgeben konnte. 

Für die Träger aller diese Initiativen war Hans Deichmann ein stiller Förderer und ein engagierter Freund. Er wollte Ideen voranbringen, die dazu beitragen, eine demokratische und friedliche Weltgesellschaft zu etablieren. Er nahm an allem Anteil, aber er lehnte es entschieden ab, sich dabei selbst in den Vordergrund zu rücken.

Ratlines and Unholy Trinities

Matteo Sanfilippo

Ratlines and Unholy Trinities

(The Vatican Files.net)

Manifesto - Saggi - Documenti - Vatican Forum - Eventi - Links - Cronologia - FAQs - Redazione - Recensioni - Segnalazioni. Scegli la tua lingua: English - Français - Deutsch - Español. Ratlines and Unholy Trinities: A Review-essay on (Recent) Literature Concerning Nazi and Collaborators Smuggling Operations out of Italy. The Vatican Files.net 

This essay began as a review of a few books on the Priebke affair while I was acting as a researcher for CEANA [1]. In particular, I was interested in understanding why they described so vaguely and fabulously the flight through Italy of former SS and other war criminals in the second half of the 1940s. After a while, I realized it was useless to review these books without taking into account their historiographical background. In fact, many of them do not deal with new pieces of evidence (we will see that the Priebke trials did not bring any element of novelty about the Nazi flight) and they are also heavily based on prior accounts. These accounts are very interesting because historical reconstructions of Nazi escape routes from Italy are very often based on reportages (later instant books) written by journalists and reports written by diplomats, rather than scholarly research. Moreover, these reconstructions are too often like the ones proposed by novels and movies. As a rule, popularized history is conceived in the same vein as mass literature or popular entertainment, but here we find something more because the authors did not want to be considered to be mere popularizers. They thought they were doing what academic historians did not do, because of the latters' fear of being involved in political issues. At this point, I had to deal with a double and, at least according to me, dangerous issue: popularized history versus academic history, political passion versus scholarly research. I decided the only sensible thing to do was to draw a sketch of debates since 1945 on the Nazi flight through Italy, combining works by trained historians, journalists, novelists and movie-makers. Therefore, I tried to map chronologically the entire literature on the topic and to stress all links to analogous questions, like the one concerning relationships between Catholic Church and Nazism or the Cold War and the recycling of former Nazi spies and soldiers. I hope that I have not given an oversimplified outline, but I think that it was necessary in order to discover how "historical (un)truths" were built up over the decades. Often this was done out of genuine sincerity, because researchers were not trained or did not think carefully about what they were writing. I do not wish to suggest here that historians can reach the TRUTH, but that writers can and should check what they are doing and also state the rules of the game. If they are writing a novel or a screenplay they can state that Hitler is still alive. But they cannot do the same, if they are writing academic or popularized history because they must take documentary evidence into account. The literature on the the underground routes going from Central and Eastern Europe to Latin America through Italy owes a lot to late 1940s press or diplomatic reports. The first SS and other war criminals arrived in Argentina from Italy in 1947 [2], but since 1946 German-speaking and Italian diplomats were complaining about the rebirth of Fascism and Nazism on the American side of the Atlantic [3]. In 1947, Vincent La Vista reported to the U.S. State Department that the Red Cross was granting passports without screening - thus helping the illegal emigration from and through Italy of former Nazis - and that a group of priests were instrumental into it [4]. The State Department decided to not release the report, but in 1949 the U.S. and West German governments thought that too many Nazis had gone over to the USSR and that was time to stop that flow, at least the part of it that was benefiting the Soviet Union. Representatives of both governments leaked this news and the New York Herald Tribune printed an article on the danger of a new Nazi-Soviet alliance that was reprinted by Die Standpunkt (16 December 1949). In that occasion the same newspaper added that the idea of the new Nazi-Soviet alliance was nurtured by a group of German "nationalists" who had immigrated in Buenos Aires, where they were publishing Der Weg [5]. Meanwhile, on 6 December 1949, the German Agency Nord Press announced that Bishop Alois Hudal, rector of the German College of S. Maria dell'Anima, was a well known pro-Nazis prelate in Rome and that he received from 60 to 100 Germans daily who were looking for tickets and visas to Latin America. Exactly one week later, the Sunday edition of the Passauer Neue Press reported on two networks of spies smuggling Nazi criminals to Argentina and to the Middle East: the first had been centered in Rome, at the College of S. Maria dell'Anima, but its headquarters were shut down because of Vatican pressure. At the beginning of 1950, the German press charged Hudal with having hidden Otto Skorzeny and others in Rome [6]. Hudal denied the allegations against him, but on 30 April 1950, the weekly Die Strasse printed a report on "Görings Männer in Argentinien" with pictures of German pilots in Argentina. This text mentioned that Hudal wrote articles for Der Weg and that an unnamed German pilot had declared having been helped by the prelate. In 1951-1952, Simon Wiesenthal followed Adolf Eichmann's tracks to Rome. Here, he discovered that Hudal was the "head of the organization that prepared the illegal emigration of the nazists", as he told an Italian magazine a few years later [7]. Actually his (and others') suspicions regarding the help that Eichmann received to escape focused on Anton Weber, a Pallottini Father, and Benedikt de Bourg d'Iré, a Capuchin. However, Wiesenthal was never able to tell the difference between Catholic secular priests and members of various religious orders: for him cardinals, bishops, priests, monks and friars were all the same. He was not very informed about the features of the Catholic Church, nor did he care to be, because he was targeting the Holy See as a whole [8]. He was trying to demonstrate that there have been and perhaps still was a strong alliance between the Catholic Church and a powerful Nazi organization called Odessa (= Organisation der Ehemaligen SS Angehorigen), founded just before the end of the war to help former SS. Eichmann's trial did not confirm Wiesenthal's view, or at least it did not assess the existence of a well organized underground network supported by former Nazis and by the Catholic Church [9]. In any event, the proceedings were covered by every newspaper in the Western world and aroused the curiosity about Nazis in Latin America. If Hannah Arendt wrote a seminal essay on Eichmann [10], Michael Frank authoredd a book about Nazis in Buenos Aires [11]. Moreover, this trial and subsequent proceedings in West Germany convinced many Germans, in particular the younger ones, that they had to deal with their country's awful past [12]. At the same time, the trials started a historical reappraisal (or, in many cases, the appraisal) of the Holocaust, even in the Jewish communities around the World [13]. A few years later, Wiesenthal reinforced his own view in The Murderers Among Us [14] and his thesis was backed up by Werner Brockdorff, formerly Alfred Jarschel [15]. Jarschel, a leader in the Hitler Youth, described how Catholic priests had helped former SS members, taking them to Rome, often disguising them as members of the Catholic clergy, and finally giving them passports and money to reach Latin America. Altough his book is more a novel than a well documented essay, many readers took Jarschel's tale at face value. In the following decade, Gitta Sereny tried to verify the issue writing her astounding book about Franz Stangl, former commandant of the Treblinka lager [16]. Sereny did not share Wiesenthal's obsession about a nazi-catholic conspiracy. Overall, she thought that if there were networks helping the Nazis' flight, they were simply informal. Finally, she believed that Stangl just walked away from prison and, using a forged ID, went to Florence, where he caught the train to Rome. Stangl told Sereny he went looking for Hudal, because he had heard that the bishop was helping the Germans. Eventually, Hudal gave him a Red Cross passport and Stangl left for Syria, where, according to him, the bishop had found him a job in a textile factory. After a while Stangl's family was reunited in Damascus and in 1951 they left for Brazil, but they were never helped by underground German associations and they had to live the hard life of emigrants. Reading Sereny, we detect that Stangl's recollection of Rome is fuzzy. Stangl is unable to spell Hudal's family name, calling him "Hulda"; he never remembers too well places and personalities in Rome. Only the fear of being caught by the Italian police is what the former Treblinka commandant recalls of Rome. Interestingly enough, he often talks about his dread of being sent to Camp "Frascati": i.e. Camp Fraschette (close to Alatri in the province of Frosinone, in the southern part of Latium, not close to Rome, as Sereny erroneously assumed in calling it "Frascati"), where illegal immigrants were sent. Maybe, he was trying to cover up his helpers' tracks. Nevertheless, his tale is very reminescent of the stories told by other refugees, who were not Nazis, looking for job opportunities or for visas and tickets to the Americas. Thousands of documents at the "Archivio Centrale di Stato" (Italian Central National Archives) in Rome confirm Stangl's (and Sereny's) description of the life and fears of illegal German immigrants in Italy. I will deal with this documentary evidence in another paper, but let me just say that at the end of 1947, there was quite a tight screening of German immigrants (not because of their past, but because the Italian government was fed up with any kind of immigrant). In november 1947, there were 698 German illegal immigrants at Camp Fraschette and during the month of December those and others were sent back to Germany [17]. In any event, Sereny guessed that Wiesenthal simplified the issue. In her view, he had fictionalized the flight from Germany of many Nazis. this was understandable, she thought, because Wiesenthal was a Nazi hunter and not an historian. But it was a mistake. History, according to Sereny, does not need thrilling explications and historical data simply did not back up any conspiracy theory. She also felt that Brockdorff had given a much too romanticized account of his own experience, if for different reasons: in fact, Sereny was one of the first to point out that historians should not accept Flucht vor Nürnberg as a testimony. Finally, she stressed that the position of the Catholic Church needed to be fairly and soundly assessed. It seemed to her that Pius XII's position after the war should be related to his position during the war, which showed how the pope was paralized by a double set of fears: the dread of communism and his certainty that Hitler would have crushed the Catholic Church, if itr had vehemently protested against him. Moreover, she added, two other elements should be factored in: the antisemitism shared by Pius XII and his clergy even when they tried to help some Jews, and the pope's deep love for Germany. Therefore, according to Sereny, the Church of Rome was unable to stand against nazism during the war, and was ready to forgive and forget the sins of many nazis after the war. But this did not mean that the clergy and the pope had some kind of alliance to neonazis organizations. While working on her book, Sereny interviewed a lot of priests active in the post-war period, and among them the already mentioned Anton Weber, who confirmed his meeting with Eichmann, but declared that he did not know who the latter was. Sereny did not believe Weber and many of her interviewees, but she did not think that they had conspirated with former SS membrs. Moreover, she was not sure that the Vatican was behind those flights. She seemed more convinced that a number of German members of the Catholic clergy and hierarchy, who were in Italy during those years, helped Germans to migrate: they knew that some of the latter were former SS members, but they were not specifically helping the latter because they were Nazis. She also reported that many members of the Roman clergy told her that Hudal was a small fish, who tried to look bigger, smarter and more powerful than he really was. That was also the opinion of Jesuit historian Robert A. Graham, who later co-authored with David Alvarez Nothing Sacred. Nazi Espionage Against the Vatican 1939-1945 [18]. That book revealed that during the war Hudal was an informant for German intelligence, but nobody listened to him in the Vatican and, least of all, in Berlin [19]. Today Sereny's reflections and interviews are underestimated, but she did a great job: in fact, she tried to understand what actually happened after the war without looking for sensational pieces of information. Perhaps, this is just why she was not taken seriously, while other, more sensationalistic books got a lot of attention. We should remember that when her book was published and then was translated into other languages [20], readers were captured by a novel telling a more appealing story: The Odessa File by Frederick Forsyth [21]. Forsyth's thriller is still well received by specialists, because it is very entertaining, a nice blend of fiction and reality [22]. The protagonist, reporter Peter Miller, is a fictional character, but he is hunting down SS captain Eduard Roschmann, who really did sneak past tribunals and other judicial bodies that sprung up after the war. Moreover, Miller interviews Simon Wiesenthal, who told him (and Forsyth's audience) that the SS went under cover at the end of the war and were helped by Odessa. The SS runaways embarked at Italian ports and their destination was the Middle East or Argentina. According to Forsyth (and Wiesenthal), the gold looted during the war by the SS was deposited in the secret vaults of Swiss banks and was later used to buy 7,000 passports from Perón. Moreover, the Catholic Church helped the fugitives while they were in Italy. Many cardinals, according to Wiesenthal, were pro-Nazi and among them Alois Hudal, the "German apostolic nuncio". Thus, the SS found shelter in the big Franciscan convent of Rome and received Red Cross IDs, just what they needed to embark in Genoa. Forsyth is often inaccurate, or better his sources (i.e. Wiesenthal) were not accurate in retelling their experience. For example, Hudal was not a cardinal, nor a German apostolic nuncio. Moreover, it is impossible to locate the "big" Franciscan convent in Rome mentioned in the novel. Finally, Odessa seems a good inspiration for a thriller, but many historians doubt that it ever existed. In fact, a couple of not very important German underground networks called themselves "Odessa" in 1946, but later the only proof of their existence is … Wiesenthal. Reading Forsyth, another question arises: why the former SS going to Argentina need Red Cross IDs, if they had bought passports from Perón? We cannot blame Forsyth for being inaccurate. He was writing a thriller, not an historical essay. The role of Wiesenthal in the genesis of the novel is more interesting. later, the Nazi hunter confessed that he wanted to influence the writer [23]. In fact, Wiesenthal was using the thriller to force Roschmann out into the open, which is what actually happened. En passant, Wiesenthal's confession is very useful, because it shows that historians should not accept at face value Wiesenthal's writings and interviews, but should interpret them as baits and devices to deceive Nazis still on the run. Forsyth had a huge success, his thriller was adapted to the screen [24], and Roschmann died of a heart attack. In 1974, William Goldman published another successful novel, Marathon Man, on the same issue [25], and that too became a universally acclaimed movie [26]. Goldman's novel and screenplay, still popular today [27], are about a former Nazi war criminal who is smuggling diamonds in the United States and who is ready to kill to protect himself. Together with the Forsyth thriller and Neame's movie, Goldman's writing convinced other authors that undercover Nazis were good entertainment. Thus, Ira Levin wrote The Boys from Brazil about doctor Mengele coming to the U.S. [28]. Levin's novel too was adapted to the screen [29] and the three novels plus the three movies told their audiences that Nazis were still ready to rob and to kill [30]. These works had a wide impact and started a sub-genre in the mass culture that did not stop. Moreover, a few books by reporters or by former intelligence men added chapters to the ongoing saga of Nazi hunting [31]. At that point, attention focused on Martin Bormann, who was the leader of Odessa according to Wiesenthal [32]. The books on Bormann's flight to Argentina through Italy were even more unrealistic than the ones by Forsyth or Goldman. Moreover, it is now known that Argentinian spies and policemen cheated one author, Hungarian journalist Farago, and sold him forged documents and fake information [33]. Still, those books were taken seriously in the second half of the 1970s. People and governments started to pay attention to the presence of former SS members in the Americas and other countries (Australia, South Africa, etc.), and to the fate of East-European collaborators and war criminals. Sereny remembered in her book that not only former SS members went through Italy, but also members of the Russian Army of general Vlasov, who fought along the Germans and disbanded thousands of Ukrainian collaborators in Italy, and the soldiers of Polish general Anders, who fought against the Nazis and enroled war prisoners in his army. Moreover, according to Sereny, thousands of Nazis and collaborators fled from Yugoslavia, Romania, Hungary and Austria after the war and went to Italy, moving later to the Americas and Australia. At the end of the 1970s, this issue acquired new relevance because many former nazists and collaborators, who were living in the U.S. and other English-speaking countries, were reported. In 1979, the U.S. created a special bureau of investigation for this kind of criminals and in the following years the U.S., Canada, Australia and the U.K. tried a number of post-war immigrants. Anthony Lerman states that those initiatives were unsuccessful [34]. Even when the committees of inquiry discovered former Nazis, they were unable to prosecute them or the latter were acquitted, when tried. Nevertheless, the committees published reports [35] and other materials [36]. Thus, a large quantity of documents came to light, but it was not enough for the reading public and for publishers, who wanted something like the novels that had captured them in the 1970s. In any case, the decision to set up committees of inquiry taken by the U.S., Australian, British and Canadian governments drove reporters and free-lance writers to start their own parallel investigations. These free-lance inquiries were supplemented by two scandals. In 1983, Bolivia expulled war criminal Klaus Barbie, who was tried in France. The proceedings showed the protection that U.S. intelligence had given him [37]. This produced an enormous uproar and a number of books on Barbie's career went published [38]. The second scandal was in Austria, where in 1987 a campaign began against its president, Kurt Waldheim, because of his past in the German army. In this case too, books were written and their authors debunked the myth of "good" German or Austrian soldiers, who were only obeying orders [39]. During that decade, essays replaced the novels of the 1970s, but they were mostly made of the same stuff: few documents, a lot of interviews and a lot of imagination sold as detective skill. A few authors tried to understand why the Nazis were not prosecuted after the war [40] and they pointed to the recruitment of former SS members by U.S. intelligence[41]. But many others just looked for sensational stories [42]. Some preferred to describe the activities of Wiesenthal and other Nazi hunters [43]or to write about Nazi hunting by governments. For the latter argument, a case in point is Allan A. Ryan, Jr., who authored Klaus Barbie and the United States government : exhibits to the report to the Attorney General of the United States [44] and Quiet Neighbours. Prosecuting Nazi war criminals in America [45]. These writings show clearly how many attorneys transformed themselves into reporters and writers, partly because they thought that people had to know, partly because of the high sales of those kinds of books. At this point, many reporters started paying attention to the role of Swiss banks and also to the smuggling of Nazi gold to Latin America. In fact, they were looking for gold and goods stolen by Nazis and asking where they were hidden [46]. Unfortunately for them, they had not read the debunking article by Ronald C. Newton "The United States, the German-Argentines, and the myth of the Fourth Reich, 1943-1947" [47]. Newton demonstrates that tales about Nazi gold were the result of an operation of disinformation by the British intelligence at the end of World War II. The British were trying to convince the Germans to disert and thus they let leak mesmerizing news about Nazi leaders running away with enormous amount of gold. Later Newton also demonstrates that the (dis)information about Hitler leaving Germany and reaching Argentina, or sending his gold there had the same origin [48]. Finally, Mario Rapoport and Andreés Musacchio did not find any trace of that gold in Buenos Aires [49], but in the meantime a lot of authors took its existence for granted. Thus, for example, Jean Ziegler proposes a mix of facts and hypothesis about the nazi loot, Swiss banks an gold sent from Germany to Argentina via Switzerland and the Vatican [50], that often does not work at all [51]. Mark Aarons and John F. Loftus are two of the most important investigators who deal with the responsability of Swiss banks and the Vatican. Actually, Aarons started studying Nazi havens in Australia [52], while Loftus tracked down Byelorussian collaborators [53]. Later, they worked together, co-authoring Ratlines (London, William Heineman, 1991) [54] and The Secret War against the Jews [55]. The former was printed in the U.S. as Unholy Trinity [56] and had a new and revised edition [57]. Loftus resumed part of their research in "La immigración de criminales de guerra nazis a Norteamérica" [58]. At the beginning of this short, but clever essay, Loftus states that he does not believe in the existence of a Nazi underground network, in particular Odessa, and Nazi U-boots transporting Hitler's gold to Argentina. On the contrary, he is sure that France, Great Britain and the United States helped the flight of former Nazis because of the Cold War [59]. Aarons and Loftus do not at all like conspiracy theories, but in their way they contribute to enflate the sensationalistic side of Nazi hunting stories. For example, they state that at the end of the war there were 150,000 war criminals, and that only 50,000 were apprehended. Thus, according to them, 100,000 criminals just ran off away in the post-war period: still according to them, the Vatican sent 30,000 Germans and 30,000 ustashi criminals to Argentina (even if they concede that those criminals did not stay there, but used this nation only as a stopover); others went to Australia, Canada, the Middle East, South Africa, U.K. and the U.S.. Moreover, Loftus and Aarons involve British and U.S. intelligence as well as the Vatican and the Swiss banks in the smuggling of Nazis. Some of them (the banks) were just trying to gain as much as possible, others (the Vatican and the intelligence) were preparing, if not already fighting the cold war. They were trying to use former German spies against the USSR, but they were unable to understand that a lot of them were already controlled by Soviet intelligence. In any case, the Vatican, the intelligence services and the banks formed the "unholy trinity" that spirited away collaborators and former SS members. Since the beginning of the 1990s, Aarons and Loftus thesis has caused a sensation. It is well conceived, and the authors were apt to link together a large set of documentation from European and U.S. archives. Nevertheless, their data are exaggerated. Concerning numbers, we know that no more than 40,000 German-speaking emigrants went to Argentina from 1945 to 1955 [60]. Therefore, the estimate of 30,000 German war criminals coming to Argentina in that period seems to be quite ludicrous. Argentinian historian Ignacio Klich gives more reasonable numbers: "hasta 800 de ellos [the German-speaking immigrants] … estaban seriament comprometidos por su actuación en favor del nazismo, y 50 de éstos eran candidatos seguros a la clasificación como criminales de guerra" [61]. German historian Holger M. Meding adds that his team found documents in German archives about only 5 war criminals, 7 whose arrest had been ordered for alleged crimes but without legal proceedings being initiated, 6 whose proceedings for alleged crimes resulted in dismissal or acquittal, 10 high level persons with a nazi past not subject to accusation, arrest warrants or sentences, 8 Nazi propagandists, 5 who helped illegal migrants, and 4 scientists/businessmen. On the other hand, if, at the end of the war as many as 300,000 German soldiers went under arrest, after the war only 5,000 former Nazis were tried in what would become West Germany [62]. Checking Aarons's and Loftus's numbers, I can add that we have a fair idea of how many refugees legally went through Italy between 1947 and 1951: there were no more than 210,000. 66,640 were resettled refugees from all over Europe and only 9,648 of them went to Argentina [63]. Those figures are too far from the ones given by Aarons and Loftus and it therefore seems very difficult to believe their statistics about war criminals. I have the same problem with regard to other ideas of these two authors. They heavily stress the responsability of the Vatican as an institution and opposed to Vatican officials as individuals; moreover, they back their thesis by recalling Vatican politics before and during the war. Actually, the literature about the Vatican and Nazism is quite huge, and we have a lot of good books on this topic. When Sereny wrote her plea for a fair assessment, it was already at her disposal The Silence of Pius XII by Carlo Falconi [64]. Later, Ennio Di Nolfo and Owen Chadwick dealt with the contacts between the Allies and the Holy See [65], while many books focused on the relationship between Pius XII and Hitler. From the Vatican side, the edition of the Actes et documents du Saint-Siège relatifs à la Seconde Guerre mondiale, recently summarized by Pierre Blet, was meant to show that the pope acted beyond suspicion [66]. Recently John Cornwell gave exactly the opposite interpretation, but his work is flawed [67]. Giovanni Miccoli capped 35 years of research by explaining that the Holy See still believed that it would a kind of go-between au-dessus de la mêlée: this was a fault partly due to Vatican self-representation as a superior, spiritual force, answering more to God's demands than to human beings, partly to an out-of-date evaluation of European politics [68]. Incidentally, Miccoli, who wrote the best book on the issue to date, also shows that historians do not need to check Vatican files anymore, because we have enough testimonies from other archives and from the memoirs of the principal political and religious actors of World War II. Unfortunately, the discussion about the need for opening the Vatican archives is still raging as demonstrates the preliminary report submitted to the Holy See’s Commission for Religious Relations with the Jews and to the International Jewish Committee for Interreligious Consultations by the International Catholic-Jewish Historical Commission [69]. In the last years, new essays have condemned what the pope did [70]. Moreover, Wistrich has enphasized Pius XII's fear of communism in an interview with an Italian left-wing newspaper [71]. This idea is not unknown to Catholic historians, even if they exploited it by pulling the stress elsewhere. The already mentioned Robert A. Graham says that it is correct to see "the Holy See's attitude as conditioned by the presence of forces of evil in the vesture of belligerent states. In World War II there were two such forces, the Soviet Union and the National Socialist Reich" [72]. To coming back to Aarons and Loftus, they transform Pius XII's dread of communism into the central pillar of their interpretation, but what Miccoli writes about the pope confirms what Sereny stated in 1974. The same doubt about Aarons' and Loftus' analysis could be raised when analyzing the issue of Swiss and Vatican banks. In the last 5 years, the CEANA and the U.S. government tried to follow the movement of those amounts of gold and goods [73]. The effort made by the Argentinian and U.S. commissions was huge, but they were unable to say the last word on the issue. In 2000, George Zivcovich et alii's legal suit again raised the question [74] ; nevertheless, it is too early to obtain an answer and it is possibile that in this case too, we are dealing with the consequences of the disinformation started by British intelligence at the end of the war. Moreover, the Ustashis's passage through Rome and the Vatican involvement with them is well known according to Aarons and Loftus and to Marco Aurelio Rivelli [75], but in their and other reconstructions of the subject there are lots of gaps to be filled [76]. For example, we know that Croatians built the socalled Ratline (see my comments on Meding's writings below) and that they helped U.S. intelligence smuggle a few Germans. But we also know that U.S. and British military police did not always protect Croatians: in April 1947, the Italian police and the British military police tried to get hold of many Croatians in Rome, looking for smugglers and war criminals [77]. We know that Hudal and Krunoslav Draganovic, the Croatian priest who seems to have been in charge of the ratline, cooperated for a while, but we also know that they were in competition with each other and that they did not trust the Vatican, because they thought that the pope and the cardinals were listening too closely to the syrens of U.S. protestant capitalism and of Soviet communism [78] ! The documents relating to Hudal and Draganovic show that many of their "friends" went to Argentina. Therefore, the study of smuggling operations in Italy is linked to the analysis of Nazi and Croatian immigration into Argentina. The essays and novels we have already quoted dedicate quite a few pages to the latter country, but we should take into account the research done by Argentinians. Already in the 1950s, Perón's opponents denounced the presence of former Nazis [79]. Thus the issue was linked to Perón's faults and their evaluation was influenced by judgements on the general and his regime. Consequently, it was very difficult to raise this issue. Only after 1983, did international debate involve Argentinian witnesses, historians, and novelists [80]. At the same time, a few Nazis felt free to publish their memoirs, in which they thanked the Catholic Church for its help [81]. The strengthening of democracy in Argentina, tighter links with the U.S., and international pressure gave way to the necessity for a deeper analysis. Argentinian historians rethought the relationship between Argentina and Perón, on the one hand, and Hitler's Germany, on the other, as well as the relationship between Argentina and the United States [82]. Argentinian historians studied the arrival of immigrants from Germany and Eastern Europe in the 1940s [83]. In the 1990s, the question of the immigration of Nazis and war criminals was covered in Argentina not only the people who already studied it [84], but also by a number of reporters. Jorge Camarasa wrote a first, scandalmongering book in 1992 [85], then rewrote and softened it as Odessa al Sur [86]. Camarasa accepts as true every myth (or almost) about Odessa, the nazi gold and Bormann's fligth to Argentina: the chapters on these arguments are so sensationalistic, even in the softened version, that the Italian translator added a disclaimer stressing that Bormann died in 1945 [87]. Regarding to Italy, Camarasa writes that the Catholic Church helped 5,000 war criminals from 1945 to 1949 and that Walter Rauff, former chief of the German Nazi intelligence in Northern Italy and Bormann's right-hand man, had an illegal bureau in Genoa helping German illegal emigration. Camarasa depicts a nightmarish Italian landscape, were Nazi priests deal with easily corrupted civil servants. Nevertheless, his description of Latin America is even more dreadful. In fact, his book deals mostly with what happened after the flight from Germany and the Italian stopover. The real problem for him are Nazis' activities in Argentina and other Latin American countries, and his book deals a lot more with this issue than with the escape from Europe. In Argentina and Italy, Camarasa's seemed a good, even if sensational, introduction to understanding the Priebke affair. The literature about the latter is quite considerable. Wladimiro Settimelli, a reporter for Unità, then owned by the former communist party, wrote Herbert Kappler and edited Priebke e il massacro delle Ardeatine, in which he gathered testimonies on the massacre as well as a few papers by historians [88]. Cinzia Del Mazo and Simona Micheli authored a book on the trial and published other documents [89]. Walter Leszl, professor of Ancient history at the University of Florence, tried to show that not only was Priebke guilty, but that he should have been tried by a civil court, because his act of murder was a political and not a war action [90]. In hindsight, Leszl seems to be absolutely right about the trial, but it was a very polemical stance to take at that time. In Italy a fierce debate raged about the massacre of the "Fosse Ardeatine" and the previous attack to the German army. Many wrote that without that attack, the Germans would have not killed their prisoners. A group of old-time right-wingers falsely stated that if the partisans had surrendered, the Germans would have freed their hostages[91]. In Italy and in Europe there was a violent neofascist and neonazis protest in favor of Priebke: many openly showed their solidarity with Priebke [92], while others declared that the trials were a Jewish trick to blackmail Swiss banks and European governments [93]. At the same time, neonazis were active in the streets and on the web, where they posted comments on Priebke's "heroism" [94]. Neofascists and neonazis did not study Priebke's flight from Italy, but even books by left-wing authors did not expand on this issue. It is possible to find something on this only browsing the net [95] or reading the books by Robert Katz, and Elena Llorente and Martino Rigacci. Many years ago, Robert Katz wrote a famous book about the "Fosse Ardeatine", which was even adapted to the screen [96]. In 1994, Harry Phillips, free-lance writer-producer for the ABC's Prime Time Live, discovered that Priebke was living at San Carlos de Bariloche and asked Katz for advice. Altough Katz did not do anything relevant, the broadcast (which was aired on 5 May 1994) brought about Priebke's extradition. Therefore, it was natural that Katz covered the Italian proceedings and then wrote Dossier Priebke. Anatomia di un processo directly for Italian readers [97]. In his new book, Katz reconstructed the history of the massacre, Priebke's flight, his discovery in Argentina and the first trial. Katz stressed that many knew Priebke's whereabouts. Already in 1989 Serge and Arno Klarsfeld told the Italian Foreign Affairs about Priebke. The Italian honorary vice-consul in Bariloche knew Priebke's past, but decided that the latter had repented and thus that it was useless to denounce him. According to Katz, something similar happened at the end of the war. At that time, Priebke went from Brescia to Vipiteno (Bolzano). Later, the British captured him and he was interned at the miltary camp of Rimini (13 March 1945) and then at the Camp Afragola, were he was questioned. On August 1946, he was back to Rimini, where he escaped. He went to Vipiteno, where the Americans looked for him at least twice (17.5.1947 and 21.10.1947), without finding him. Meanwhile, always according to Katz, he was caught by the British and even brought to Rome, but later he was able to flee again or someone let him free. Finally, Priebke escaped to Argentina. Katz reportes that in 1994 Priebke told an Argentinian reporter that he was helped by the Catholic Church and thanked Hudal, who had told him how to reach Buenos Aires. But in a 1996 memoir, Priebke stated that an Italian friend, a fascist from Brescia, helped him to get a visa for Argentina. After a while, according to Katz, the friend from Brescia also fled too to Buenos Aires (this is interesting because nobody is studying the links among Italian fascists and German Nazis during their escape). In any case, Priebke had a Red Cross passport and tickets. So maybe he was also helped by Hudal or by some other priest. Katz declares however that there is no proof of Odessa's involvement in the escape, nor in Priebke's later life or in the trial. According to Katz, someone paid something for the lawyers, but Priebke was clearly broke during the trial and no one was giving him financial aid [98]. At the beginning of the book, Katz mentioned other German fugitives, for example Juan Maler (alias Reinhard Kopps), in relation to the Ratline and the help by the Vatican and the British and U.S. intelligence. But this part is not original, and it is very short. Elena Llorente and Martino Rigacci went over the same story [99]. According to them, the Priebke proceedings (1996 and 1997) gave us the opportunity to reconsider past history, i.e. U.S. and Vatican responsabilities in the flight of so many Nazis. The authors are convinced that the Red Cross documents that Priebke and his family used to enter Argentina on 14 November 1948 were given to him by Hudal and that the latter was in some way protected by the Church. Moreover, they think that U.S. intelligence was involved in the ratline, but they do not pay a lot of attention to this question being primarily interested in the details of the arrest and in the reasons why Priebke was extradited. The book is written like a movie: long chapters about today's situation and flashbacks to the past. Thus the authors deal quite a lot with the proceedings and the political situation in Italy and in Argentina in the 1990s and they write a lot less about Camps Afragola and Rimini or the escape on 31 December 1946. Moreover, they do not say nothing about 1947. While they take into account Priebke's travels to Buenos Aires, they only say that they do not believe that Priebke was helped by an Italian friend to get his Argentinian visa, and that they are sure that he had a Red Cross passport thanks to a franciscan friar who requested it from the Vatican. They also add, as an afterthought, that, because Priebke fled from Genoa, his departure could be linked to the already mentioned Rauff, who was in Genoa and was a friend of Hudal. Finally, altough they mention Maler/Koops, they do not realize that Maler was linked to Hudal [100], and hold forth about Odessa, Nazi gold and the Vatican Archives. In conclusion, while the Priebke trials were an opportunity to discuss the past, this opportunity was missed. Nobody dug out the truth, nobody looked for new documents. All reporters wrote about ratlines, but they did not explain what they were and how they were operated. All reporters wrote about unholy trinities, but at a certain point it seems that they did not accept that many just escaped without heavy protection and that in other case it was only because of the beginning of Cold War that they were not apprehended. Conspiracy has still a powerful appeal for reporters and would-be Nazi hunters. Odessa has to exist, because we need it for the sake of mystery. Franco Fracassi wrote a very good, even if journalistic book, on that question [101]. He was able to link the flight of former SS members and ustashis to the creation of anticommunist networks by the U.S. intelligence and to show how neonazi movements were able to exploit U.S. undue influence in their favor. Unhappily for us, Fracassi does not deal in depth with ratlines and Argentina; in any case, he gives us a good bibliography, even if mainly composed of press reports. Even more unfortunately, many reporters did and do not like this kind of explication and continue to look for unholy trinities, stressing moreover the importance of Nazi gold and of Swiss and Vatican banks. Sometimes, their literary production is very bad. For example, I read Giorgio Cavalleri' Evita Perón e l'oro dei nazisti many times, but I was quite unable to review it, because the author is too inaccurate about his data and too willing to stress sensational elements [102]. After reading this book, we could well ask if the job of reporters is simply to look for sensationalism. Luckily, it is not so, and we can point out to others who have written more sober accounts. Uki Goñi authored calmer pages on the Italian ratline [103], while Giovanni Maria Pace summed things up on Nazis and Croatians, Hudal and Draganovic, new research in Italy and Argentina [104]. It is a good reporting and provides information, without abounding in lurid details. Till now, I have discussed U.S., Argentinian, British and Italian works on the Nazis's flight through Italy, but I should stress that we can find the same contrast in other historiographies. In Germany, we can read accurate, even if journalistic, research by Hans-Jacob Stehle [105] and scandalmongering and undocumented writings by Rena and Thomas Giefer [106]. In France, Jean-Pierre Blancpain is somewhere in the middle: altough hard worker, he accepts as truth some very bad books [107]. At this point, it is evident that we need to proceed to a thoughtful reflection on the issue, as Ignacio Klich recently invited all historians to do [108]. On one hand, it is necessary to ascertain how and how many war criminals fled to Argentina. On the other, we should fit this flight into the larger German-speaking and Eastern European post-war migration to Argentina. About the latter, I have already quoted many contributions by Leonardo Senkman in my footnotes, but I should also mention the work done by other historians. Ronald C. Newton devoted the last chapter of his The Nazi Menace in Argentina, 1931-1947 to German post-war migration [109], while Argentinian scholars tried to evaluate Argentinian immigration policy in those same years [110]. According to Fernando Devoto, the policy and modalities of post-war immigration could partly explain the arrival of former SS members [111]. In fact, many of them arrived together with technicians and experts for the Army and for industry [112]. This is a well known question [113]. Nevertheless, we should pay attention to the fact that this migration was not only made up of German-speakers, but also of a large proportion of German Jews [114]. In relation to Nazi migration alone, Holger M. Meding has made and is still making outstanding contributions. His Master's thesis, published in 1997, studied the already quoted Der Weg [115]. Later, he edited a book on the relationship between Nazism and Argentina [116]. In the meantime, he wrote and published his Doctoral thesis, that elucidated the question that interest us here [117]. Flucht vor Nürnberg? can be divided into three parts. The first one describes the prerequisites: birth and development of Nazism, previous presence of Germans in Argentina, Perón. The second, the one that actually interests us most, is about how Nazis arrived in Argentina. The third one is about Nazi settlement in the New World. Meding analyzes the latter as a normal type of immigration. Thus, he studies how Nazis tried to adapt themselves to Argentina and how they tried to adapt Argentina to themselves. Finally, he pays attention to the German press and its activity vis-à-vis Argentinian society and the German community. Meding's book is a really good example of migration studies and it offers an excellent approach to the Nazi migration to Latin America. Moreover, Meding pays a lot of attention to Nazis' escape routes. Not only the Italian, but also the Scandinavian, Spanish, and Swiss routes. Moreover, he tries to ascertain if organization like Odessa really existed and he answers in the negative. About the Italian escape route he states that there was two. The real "Ratline", which was run by U.S. Intelligence with the help of Draganovic in Genoa, and a second one, the Monastery line, organized by Hudal and other German priests, together with members of the Pontificia Commissione Assistenza. This second line was not the product of the Church pro-Nazi position, but the action of single members of the Catholic clergy. Usually the latter helped people from their own motherland to flee from countries ruined by the war or falling into the hands of the Communists. The Americans and the British both closed their eyes to that route because they were running simultaneously the real Ratline to move former Nazis or collaborators who were now becoming or pretending to become Western secret agents. These two lines ultimately crossed as former spies lived among normal immigrants, while many immigrants had a dubious past. But from the historical point of view Nazi flight from Germany should be studied as another kind of migration. Meding's proposal was followed by the CEANA's team in two monographic issues of academic journals edited by Klich [118]. In particular Meding and others studied German and Italian migration to Argentina in the years 1945-1955, while Diana Quattrocchi Woisson reconstructed the experience of French and Belgian collaborators who migrated to Argentina [119]. These papers should be contrasted to the papers by Mónica Quijada and Víctor Peralta on "Spains as a Place of Transit for Goods and People from Nazi Germany to Argentina During World War II and in the Post-War Years" (CEANA, Final Report), Beatriz Gurevich on "Government Agencies and Other Parties Involved in the Immigration of War Criminals and Collaborators in the Aftermath of World War II. The Argentine Case" (CEANA, Second Progress Report), and Christián Buchrucker on "The Nostalgists of the European 'New Order' and Their Connections with Argentine Political Culture" (CEANA, Final Report). The research by CEANA raised a lot of protest. French reporter Michel Faure wrote that "[e]n prétendant faire toute la lumière sur la présence des nazis dans le pays et sur les biens qu'ils auraient pu voler à leurs victimes, elle [i.e. CEANA] répond à une volonté officielle de solder un passé entaché d'embarrassantes connivences et de coupables complicités" [120]. But he also admitted that CEANA's findings were interesting. Alejandra Rey and Jorge Camarasa complained instead that CEANA's members located only 19 war criminals [121]. Actually, CEANA's reports do not try to conceal facts about Nazis from the public, but they are working to accumulate data, in the same way as the projects by the Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas and the Buenos Aires Centro de Estudios Sociales [122]. Something similar is being organized by public and private U.S. institutions, see the National Archives Collection of World War II War Crimes Records (RG 238) or the web-pages on war criminals by the Holocaust Survivors and Friends Education Center [123] and the Wiesenthal Center [124]. In the U.S. the dossier on the "Implementation of the Nazi War Crimes Disclosure Act An Interim Report to Congress" which contains the story of all U.S. initiatives since 1978 is very important [125]. CEANA and the U.S. committees want to find out if there are still war criminals, but also if it is possible to reconstruct what happened in the past. This goal is also shared by Canadian scholars, who raised the question of post-war screening of former Nazis [126]. But in this case, the most recent studies try to demonstrate that even when war criminals were accepted Canadian authorities were just doing what they had to [127]. This issue is openly discussed by Howard Margolian's Unauthorized Entry. The Truth About Nazi War Criminals in Canada, 1946-1956 [128]. Margolian, who was already interested in war crimes [129], does not accept Alti Rodal's conclusion [130] about the inefficiency of Canadian screening. He tries to demostrate that it was not Canada's fault if a number of criminals entered the country [131]. He reconstructs the details of the screening process and stresses not surprisingly that war criminals had lied to gain entrance. Moreover, he adds that little by little hard lobbying by specific ethnic groups helped some categories, like the Ukrainian SS veterans, who were considered for admission after 1950. Margolian did his research in a peculiar way. He worked quite a lot in archives, but did not bother to check the bibliography on his subject. He used Aarons and Loftus while criticizing Rodal and Matas, but he did not seem to be aware of the enormous literature reviewed here. Moreover, he seemed more concerned with spies (i.e. British and American intelligence protecting their new agents from Germany and Yugoslavia) than with migrants. Thus, he is still on the same side as thriller fiction on killers and spies secretely sailing from Italy. Nevertheless, he found a lot of interesting documents in European and North American archives, for example about Byelorussians in Anders' Army and how they were able to leave Italy for Argentina and Canada. In conclusion, Margolian shows us that working only in the archives is inadequate, if the author does not know the historiography. But the other books mentioned here show us that it is also useless always to read the same books and always to recount the same old story. We should try to ask new questions and to find new answers, reading all the literature on the ratline and working in old and new archives. If we do not try to do this, we will still remain in the domain of fiction. In fact, during the 1990s, we had new (and brilliant) chapters of the ongoing saga of the hunt for Nazis on the screen and in thriller novels. In the movie Music Box (1989, directed by Constantin Costa-Gavras) a young lawyer counsels her father, a former Hungarian emigrant, who is accused of being a war criminal. At the end, the woman discovers that her father is a criminal. In Jack Higgins's Thunder Point, the action starts with the retrieval of Bormann's U-boot in the Caribbeans [132]. In The Shadow Man by John Katzenbach a retired Miami cop tracks down a Nazi killer [133]. To complicate the psychological dimension of the plot, the latter is a Jew who worked for the Gestapo in Berlin. Now, he is hunting down Holocaust survivors, who knew him as "Der Schattenmann". In Atlantis Found Clive Cussler describes how a German U-Boot brought Hitler's gold to the shores of theRio de la Plata and how this gold was used to found a neo-nazi commercial empire in Chile [134]. Following his usual technique, Cussler soon starts losing touch with reality and those neo-nazis try to kill all human beings flooding into the five continents. The plot is very complicated and involves nuclear explosions under the polar caps and the discovery of Atlantis. In Italy, Carlo Lucarelli wrote a more realistic short tale on a Nazi officer returning from Brazil [135]. Finally, on the web we can find quite a number of pages following an Aarons and Loftus approach [136]. But the only moving work of the decade is the French movie Un spécialiste. Portrait d'un criminel moderne [137], two hours of docufiction from the Eichmann trial. In some cases, reality is better than fiction. In some cases, we need serious research better than sensational reportage. Moreover, historians and writers should pay attention to the stereotypes and the idées reçues that could bias their works. New research and a new attention to the roots of old errors and old tales could better historical and even fictional writings.

Notes

[1] CEANA (Comisión para el Esclarecimiento de las Actividades del Nazismo en la Argentina) is born in 1997. In the following three years, the Committe developed many researches. The results are presented in two Progress Reports and one Final Report, now at http://www.ceana.org.ar. I was enroled to look for Italian documents on former Nazi reaching Argentina after sailing from Italy. A debt of gratitude is owed to Roberto Perin and Ignacio Klich, who kindly read an earlier version of this paper and made helpful suggestions.

[2] Carlota Jackish and Daniel Mastromauro, "Identificación de criminales de guerra llegados a la Argentina según fuentes locales", Ciclos, 19, 2000, p. 217-235.

[3] Holger M. Meding, "El camino transalpino. Austria como país de tránsito para la emigració germanohablante de la posguerra a la Argentina", paper presented at the 9° Congreso de la Federación de Estudios de América Latina y el Caribe, Tel Aviv, 14.4.1999; Matteo Sanfilippo, "Archival Evidence on Postwar Italy as a Transit Point for Central and Eastern European Migrants", unprinted paper.

[4] "Illegal Emigration Movements in and through Italy", 15 May 1947, United States National Archive and Records Administration, RG 59, FW 800.0128/5-1547.

[5] Holger M. Meding, "Der Weg". Eine Deutsche Emigrantenzeitschrift in Buenos Aires 1947-1957, Berlin, Wissenschaftlicher Verlag.

[6] "Skorzeny und Lauterbacher in Rom?", Hannoversche Allgemeine, 20.1.1950, p. 1.

[7] Simon Wiesenthal, "Qui è rinchiuso Eichmann", L'Europeo, 12.3.1961, p. 52-57.

[8] Simon Wiesenthal, Ich jagte Eichmann, Gütersloh, Bartelsmann Lesering, 1961.

[9] For the proceedings see http://www.nizkor.org/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/; see also http://www.nizkor.org/ftp.cgi/people/e/eichmann.adolf/memoire/ for Eichmann's diaries.

[10] Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. A report on the banality of evil, London, Faber & Faber, 1963. See also Barry Sharpe, Modesty and Arrogance in Judgement. Hannah Arendt's Eichmann in Jerusalem, Westport, Conn., Praeger, 1999.

[11] Michael Frank, Die letzte Bastion: Nazis in Argentinien, Hamburg, Rutten und Loening Verlag, 1962.

[12] Édouard Husson, Comprendre Hitler et la Shoah, Paris, PUF, 2000.

[13] See, for example, Franklin Byalystock, Delayed Impact. The Holocaust and the Canadian Jewish Community, Montreal-Kingston, McGill-Queen's University Press, 2000.

[14] Simon Wiesenthal, The Murderers Among Us, London, Heinemann, 1967.

[15] Werner Brockdorff (aka Alfred Jarschel), Flucht vor Nürnberg. Plane und Organisation der Fluchtwege der NS-Priminenz in "Römischen Weg", Wels-München, Welsermüuhl Verlag, 1969.

[16] Gitta Sereny, Into that Darkness, London, Deutsch, 1974.

[17] Archivio Centrale di Stato, Ministero dell’Interno, Direzione Generale di P.S., Divisione AGR, Massime, busta 88, Campo di Concentramento di Fraschette - Schedario internati.

[18] Robert A. Graham, s.j., and David Alvarez, Nothing Sacred. Nazi Espionage Against the Vatican 1939-1945, London-Portland, Frank Cass, 1997.

[19] On Hudal as a German spy, see also Klaus Voigt, Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933-1945, I, Stuttgart, Klett-Cotta, 1989.

[20] The italian version dates only one year later: In quelle tenebre, Milano, Adelphi, 1975.

[21] Frederick Forsyth, The Odessa File, London, Hutchinson, 1972.

[22] See http://www.misteryguide.com/bk.ForsythFile.html.

[23] Simon Wiesenthal, Recht, nicht Rache: Erinnerungen, Frankfurt a.M., Ullstein, 1988. [24] The Odessa File, directed by Ronald Neame, 1974.

[25] William Goldman, Marathon Man, New York, Delacorte, 1974.

[26] Marathon Man, directed by John Schlesinger, 1976.

[27] See William Goldman, Four Screenplays With Essays: Marathon Man, Butch Cassidy and the Sundance Kid, The Princess Bride, Misery, New York, Applause Theatre Books, 1997, and Marathon Man, New York, Ballantine Books, 2001: the latter is the reprint of the 1974 novel.

[28] Ira Levin, The Boys from Brazil, New York, Random House, 1976.

[29] The Boys from Brazil, directed by Franklin J. Schaeffer, 1978.

[30] Actually, this subject was not new: Orson Welles's The Stranger (1946) was based on the same idea, but even Welles thought that it was a very bad movie and nobody tried to imitate it.

[31] Erich Erdstein, Les Criminels de glace: la chasse aux Nazis en Amérique du Sud, Paris, Solar, 1970; Howard Blum, Wanted! The Search for Nazis in America, New York, Quadrangle, 1977.

[32] William Stevenson, The Bormann Brotherhood. A New Investigation of the Escape and Survival of Nazi War Criminals, New York, Harcourt Brace Jovanovich, 1973; Charles Whiting, The Hunt for Martin Bormann, New York, Ballantine Books, 1973; Ladislas Farago, Aftermath. Martin Bormann and the Fourth Reich, New York, Simon & Schuster, 1974. Harry Patterson wrote a thriller on Bormann's flight to Bolivia: The Walhalla Exchange, New York, Stein and Day, 1976.

[33] See Jorge Camarasa, Odessa al Sur, Buenos Aires, Planeta, 1995, chapter VII.

[34] Anthony Lerman, "Los procesos a los criminales de guerra nazis en Australia, Canadá y el Reine Unido (1987-1994)", in Ignacio Klich and Mario Rapoport, eds., Discriminación y racismo en América Latina, Buenos Aires, Grupo Editor Latinoamericano, 1997, p. 463-475.

[35] Report of the Commission of Enquiry on War Criminals, Ottawa 1986; Review of Material Relating to the Entry of Suspected War Criminals, Canberra 1987; Report on the Entry of Nazi War Criminals and Collaborators into the United Kingdom, 1945-1950, London 1988.

[36] Alti Rodal, Nazi War Criminals in Canada: The Historical and Policy Setting from the 1940s to the Present, prepared for Deschenes' Commission, Ottawa, 1986.

[37] FBI documents tell us that the Americans did not have any more relationship with Barbie after he departed from Europe in 1951: http://www.fbi.gov./foipa/hisfigs.htm.

[38] Brendan Murphy, The Butcher of Lyon, New York, Empire Books, 1983; Tom Bower, Klaus Barbie, New York, Pantheon Books, 1984; Erhard Dabringhaus, Klaus Barbie: The Shocking Story of How the US Used this Nazi War Criminal as an Intelligence Agent, Washington, Acropolis, 1984; John Beattie, Kaus Barbie. His Life and Career, London, Methuen 1984; Magnus Linklater, Isabel Linton, and Neal Ascherson, The Fourth Reich. Klaus Barbie and the neo-Fascist Connection, London, Hodder & Stoughton, 1984.

[39] Robert Herzstein, Waldheim. The Missing Years, London, Grafton, 1988, and Michael Palumbo, The Waldheim Files, London, Faber & Faber, 1988.

[40] Tom Bower, Blind Eye to Murder. Britain, America and the Purging of Nazi Germany - A Pledge Betrayed, London, Granada, 1983.

[41] Christopher Simpson, Blowback: America's Recruitment of Nazis and Its Effects on the Cold War, New York, Weidenfield & Nicolson, 1988. See also Mary Ellen Reese, General Reinhard Gehlen: The CIA Connection, Lanham MD, George Mason University Press, 1990.

[42] Glenn Infield, Skorzeny, New York, St. Martin's Press, 1981; Paul Manning, Martin Bormann: Nazi in Exile, Seacaucus, Lyle Stuart, 1981; Gerald Astor, The Last Nazi: The Life and Times of Joseph Mengele, New York, Donald Fine, 1985; Gerald Posner and John Ware, Mengele. The Complete Story, London, Queen Anne Press, 1986.

[43] Charles Ashman and Robert Wagman, Nazi Hunters, New York, Pharos Book, 1988.

[44] Allan A. Ryan, Jr., Klaus Barbie and the United States government: exhibits to the report to the Attorney General of the United States, Washington, D.C.: U.S. Dept. of Justice, [1983?].

[45] Allan A. Ryan, Jr., Quiet Neighbours. Prosecuting Nazi war criminals in America, San Diego-New York, Harcourt Brace Jovanovich, 1984.

[46] Douglas Botting and Ian Sayer, Nazi Gold, New York, Grove Press, 1984; Werner Rings, L'or de Nazis: la Suisse, un relais discret, Lausanne, Payot, 1985; Arthur L. Smith, Hitler's Gold. The Story of the Nazi War Loot, Oxford-New York, Berg, 1989.

[47] Ronald C. Newton, "The United States, the German-Argentines, and the myth of the Fourth Reich, 1943-1947", Hispanic American Historical Review, 66, 3, 1986, p. 541-579.

[48] CEANA, First Progress Report, and CEANA, Final Report, at http://www.ceana.org.ar/.

[49] Mario Rapoport and Andreés Musacchio, "El Banco Central de la República Argentina y el 'oro nazi': certezas e interrogantes sobre un mito histórico", Ciclos, 19, 2000, p. 76-101.

[50] Jean Ziegler, El oro nazi, with Juan Gasparini, Buenos Aires, Planeta, 1998; original (shorter) edition Die Schweitz, das Gold und die Toten, München, Bertelsmann, 1997.

[51] See my review of Ziegler, in Ciclos, 19, 2000, p. 291-293.

[52] Mark Aarons, Sanctuary! Nazi fugitives in Australia, Melbourne, Heinemann Australia, 1989.

[53] John F. Loftus, The Belarus Secret, New York, Knopf, 1982.

[54] Mark Aarons and John F. Loftus, Ratlines, London, William Heineman, 1991.

[55] Mark Aarons and John F. Loftus, The Secret War against the Jews, New York, St. Martin's Press, 1994.

[56] Mark Aarons and John F. Loftus, Unholy Trinities, New York, St. Martin's Press, 1991.

[57] Mark Aarons and John F. Loftus, Unholy Trinity. The Vatican, the Nazism and the Swiss Banks, New York, St. Martin's Griffin, 1998.

[58] John F. Loftus, "La immigración de criminales de guerra nazis a Norteamérica", in Klich and Rapoport, eds., Discriminación y racismo en América Latina, p. 445-462.

[59] Ibid., p. 445.

[60] See Ignacio Klich, "El ingreso a la Argentina de nazis y colaboracionistas", in Klich and Rapoport, eds., Discriminación y racismo en América Latina, p. 401-428.

[61] Ibid., p. 402.

[62] CEANA, Final report.

[63] "Statistiche e rapporti sulla situazione dei profughi – 1949-1951", Archivio Centrale di Stato, Ministero dell’Interno, Direzione Generale di Pubblica Sicurezza, Divisione Affari Generali e Riservati, A16 – Stranieri ed Ebrei Stranieri, AA.GG. 1930-1956, busta 33.

[64] Carlo Falconi, The Silence of Pius XII, London, Faber & Faber, 1970; original edition: Il silenzio di Pio XII, Milano, Sugar, 1965.

[65] Ennio Di Nolfo, Vaticano e Stati Uniti 1939-1952. Dalle carte di Myron C. Taylor, Milano, Angeli, 1978; Owen Chadwick, Britain and the Vatican during the Second World War, Cambridge, Cambridge University Press, 1986.

[66] Pierre Blet, Robert A. Graham, Angelo Martini and Burkhart Schneider, Actes et documents du Saint-Siège relatifs à la Seconde Guerre mondiale, 12 vols., Città del Vaticano, Libreria Editrice Vaticana, 1965-1981; Pierre Blet, Pie XII et la seconde guerre mondiale, Paris, Perrin, 1997.

[67] John Cornwell, Hitler's Pope. The Secret History of Pius XII, New York, Viking, 1999.

[68] Giovanni Miccoli, I dilemmi e i silenzi di Pio XII. Vaticano, Seconda guerra mondiale e Shoah, Milano, Rizzoli, 2000.

[69] See http://www.bnaibrith.org/cpp/randa/vatican.html.

[70] Randolph Braham, The Vatican and the Holocaust, New York, Columbia University Press, 2000; Susan Zuccotti, Under His Very Windows: The Vatican and the Holocaust in Italy, New Haver, Yale University Press, 2001; Robert Wistrich, The Holocaust, New York, Random House, 2001.

[71] Marina Impallomeni, "Papa Pio XII, la storia a rapporto", Il Manifesto, 22.12.2000. See also Michael Phayer, "Pope Pius XII, the Holocaust and the Cold War", Holocaust and Genocide Studies, 12, 2, 1998, p. 223-256.

[72] Robert A. Graham, s.j., The Vatican and Communism During World War II. What Really Happened?, San Francisco, Ignatius Press, 1996, p. 185. See also the interesting paper by the late Father Graham on Pius XII and Nazism, "How to Manufacture a Legend" at http://www.us-israel.org/jsource/anti-semitism/piusdef1.html.

[73] For CEANA, see his already quoted website. For the U.S. government, see US and Allied Efforts to Recover and Restore Gold and other Assetts Stolen or Hidden by Germany during World War II, Washington, D.C., Department of State, 1997, and US and Allied Wartime and Postwar Relations and Negotiations with Argentina, Portugal, Spain, Sweden, and Turkey on Looted Gold and German External Assets and US Concerns about the Fate of the Wartime Ustasha Treasury: Supplement to Preliminary Study on US and Allied Efforts to Recover and RestoreGold and other Assetts Stolen or Hidden by Germany during World War II, Washington, D.C., Department of State, 1998: both at http://www.state.gov/www/regions/eur/; see also related links and documents at http://www.ushmm.org/assets/nazigold.htm.

[74] Marco Aurelio Rivelli, "A San Pietro l'oro di Pavelic", Il Manifesto, 18.2.2000, and "Suit aims to uncover a hidden Holocaust. Vatican Bank may hold answers about Croatian war crimes" by Keelyn M. Friesen at http://www.zimmreed.com/rec_art_suit.htm.

[75] Marco Aurelio Rivelli, L'arcivescovo del genocidio. Monsignor Stepinac, il Vaticano e la dittatura ustascia in Croazia, 1941-1945, Milano, Kaos Edizioni, 1999.

[76] Hubert Butler, Escape from the Anthill, Mullingar, The Lilliput Press, 1985.

[77] Archivio Centrale dello Stato, Ministero dell'Interno, Direzione Generale di PS, Divisione AGR, A5G, 1944-1948, Italia liberata, 21: Rastrellamenti di stranieri.

[78] Matteo Sanfilippo, "Los papeles de Hudal como fuente para la historia de la migración de alemanes y nazis después de la Segunda Guerra Mundial", Estudios Migratorios Latinoamericanos, 43, 1999, p. 185-209.

[79] Silvano Santander, Tecnica de una traición. Juan D. Perón y Eva Duarte agentes del nazismo en la Argentina, Montevideo, Tricromia, 1953.

[80] Thomás Eloy Martinez, Perón and the Nazi War Criminals,Washington, Woodrow Wilson International Centers for Scholars - Latin America Program, Working Paper 144, 1984; Ignacio Klich, "Nazis in der dritten Welt", Die Tageszeitung, 19.3.1984; Mario Mariscotti, El secreto atomico de Huemul. Cronica del origen de la energia atomica en la Argentina, Buenos Aires, Sudamericana, 1985; Abel Posse, Los demonios occultos, Buenos Aires, Emecé, 1987. About Posse and on Nazism and Argentinian literature, see Saúl Sosnowski and Leonardo Senkman, "The Impact of the Inflow of Nazis and Collaborators on Argentine Literature and Other Cultural Expressions", in CEANA, Final Report, and Jorge Oscar Rossi, "Un exótico subgénero de la literatura fantástica argentina: el Nazismo mágico", at http://www.quintadimension.com/literatura/nazmag.shtml)

[81] Juan Maler, Frieden, Krieg und "Frieden", San Carlos de Bariloche, Maler, 1987.

[82] Mario Rapoport, ¿Aliados o Neutrales? La Argentina frente a la Segunda Guerra Mundial, Buenos Aires, Editorial Universitaria, 1988, and Estados Unitos y el Peronismo, Buenos Aires, Grupo Editor Latinoamericano, 1994. See also Rapoport, Gran Bretaña, Estados Unidos y las clases dirigentes argentinas, 1940-1945, Buenos Aires, Editorial de Belgrano, 1981, and Christián Buchrucker, Nacionalismo y peronismo, Buenos Aires, Sudamericana, 1987.

[83] Leonardo Senkman: "Política internacional e inmigración europea a la Argentina de post guerra (1945-1948)", Estudios Migratorios Latinoamericanos, 1, 1985, p. 107-125; "Las relaciones EE.UU. - Argentina y la cuestión de los refugiados de la post-guerra: 1945-1948", Judaica Latinoamericana, 1988, p. 90-114. See also Holger M. Meding, "Refugio seguro. La emigración alemana de la posguerra al Rio de la Plata", in Beatriz Gurevich and Carlos Escudé, eds., El genocidio ante la historia y la naturaleza humana, Buenos Aires, Grupo Editor Latinoamericamo, 1992, p. 249-261.

[84] Thomás Eloy Martinez, Las memorias del General, Buenos Aires, Planeta, 1996.

[85] Jorge Camarasa, Los nazis en la Argentina, Buenos Aires, Legasa.

[86] Jorge Camarasa, Odessa al Sur, already quoted.

[87] See Jorge Camarasa, Organizzazione Odessa, Milano, Mursia, 1998, p. 211.

[88] Wladimiro Settimelli, Herbert Kappler, Roma, L'Unità, 1994; Wladimiro Settimelli, ed., Priebke e il massacro delle Ardeatine, Roma, L'Unità, 1996.

[89] Cinzia Del Mazo and Simona Micheli, Processo Priebke, Milano, Il Mondo, 1997.

[90] Walter Leszl, Priebke. Anatomia di un processo, Roma, Editori Riuniti, 1997.

[91] For the passionate debate in 1995-1996, see Rosario Bentivegna and Cesare De Simone, Operazione via Rasella, Roma, Editori Riuniti, 1996; Pierangelo Maurizio, Via Rasella, cinquant'anni di menzogne, Roma, Maurizio Edizioni, 1996; Aurelio Lepre, Via Rasella. Leggenda e realtà della Resistenza a Roma, Roma-Bari, Laterza, 1996; Mario Spataro, Rappresaglia: Via Rasella e le Ardeatine, alla luce del caso Priebke, Roma, Settimo Sigillo, 1996.

[92] See testimony by Mary Pace, Dietro Priebke, Casale Monferrato, Piemme, 1997.

[93] Mario Spataro, Dal caso Priebke al Nazi Gold: storie d'ingiustizia e di quattrini, Roma, Edizioni Settimo Sigillo, 1999.

[94] See http://www.holywar.org/italian/revis/priebke.htm and http://www.thulenet.com/texte/bewaelt/text0033.htm.

[95] See http://www.ukinet.com; http://www.clarin.com; http://www.bnaibrith.org/randa/priebkereport.html: dossier by the B'nai Brith Center for Publich Policy.

[96] Robert Katz, Death in Rome, New York, Macmillan, 1967 (the Italian translation was reissued in occasion of the Priebke's trials, Morte a Roma. Il massacro delle fosse Ardeatine, Roma, Editori Riuniti, 1996); Rappresaglia, directed by George Pan Cosmatos, 1973.

[97] Robert Katz, Dossier Priebke. Anatomia di un processo, Milano, Rizzoli, 1996.

[98] This and other ideas by Katz are confirmed by Priebke interviews for the Italian newspaper La Repubblica, see now the articles on Priebke in the CD-rom Gli anni de la Repubblica, '94, Roma, Gruppo Editoriale L'Espresso, 2001.

[99] Elena Llorente and Martino Rigacci, El ultimo nazi. Priebke de la Argentina a Italia. Juicio a medio siglo de historia, Buenos Aires, Editorial Sudamericana, 1998.

[100] M. Sanfilippo, "Los papeles de Hudal", p. 201-204.

[101] Franco Fracassi, Il Quarto Reich. Organizzazioni, uomini e programmi dell'internazionale nazista, Roma, Editori Riuniti, 1996.

[102] Giorgio Cavalleri, Evita Perón e l'oro dei nazisti, Casale Monferrato, Piemme, 1998. See my forthcoming review "Nuevos estudios sobre la huida de nazis desde Italia al Nuevo Mundo y la inmigración alemana a la Argentina", Hermes, 2001.

[103] Uki Goñi, Perón y los Alemanes. La verdad sobre el espionaje nazi y los fugitivos del Reich, Buenos Aires, Sudamericana, 1998. For faults and merits of his book, who deals only briefly with Italy, see Leonardo Senkman, "La Argentina de Peron y los criminales nazis fugitivos", Reflejos, 7 (1999***), p. ****, and reviews by Fabiana S. Tolcachier in Estudios migratorios latinoamericanos, 43 (1999), p.405-410, and Christian Buchrucker in Ciclos, 19 (2000), p. 287-289.

[104] Giovanni Maria Pace, La via dei demoni. La fuga in Sudamerica dei criminali nazisti: segreti, complicità, silenzi, Milano, Sperling & Kupfer, 2000.

[105] Hans-Jacob Stehle, "Pässe vom Papst? Aus neu entdeckten Dokumenten; Warum alle Wege der Ex-Nazis nach Südamerika über Rom führten", Die Zeit, 4.5.1984.

[106] Rena and Thomas Giefer, Die Rattenlinie. Fluchtwege der Nazis. Eine Dokumentation (Frankfurt a.M., Hain, 1991: the book is based on the authors's text for Die Rattenlinie. Fluchtwege der Nazis nach 1945, broadcasted by WDR on 30.10.1990.

[107] Jean-Pierre Blancpain, "Amérique latine et nazisme", L'Information Historique, 53, 1991, p. 165-179.

[108] Ignacio Klich, "Los nazis en Argentina: revisando algunos mitos", Ciclos, 9, 2, 1995, p. 199-220.

[109] Ronald C. Newton, The Nazi Menace in Argentina, 1931-1947, Stanford, Stanford University Press, 1992, p. 372-382.

[110] Maria Ines Barbero and Cristina Cacopardo, "La inmigración europea en la segunda posguerra: viejos mitos y nuevas condiciones", Estudios Migratorios Latinoamericanos, 19, 1991, p. 291-320; Carolina Biernat, "Prensa diaria y polícas migratorias del primer peronismo: dificultades y aciertos en la construcción de una opinión publica (1944-1955)", ibid., 43, 1999, p. 277-300.

[111] Fernando Devoto, "Immigrantes, refugiados y criminales en la 'vía italiana' hacia la Argentina en la segunda posguerra", Ciclos, 19, 2000, p. 151-175.

[112] Holger M. Meding, "German Immigration to Argentina and the Illegal Brain Drain to the Plate, 1945-1955", Jarhrbuch für Geschichte von staat, wirtschaft und gesellschaft Lateinamerikas, 29, 1992, p. ***; Leonardo Senkman, "Perón y la entrada de técnicos alemanes y colaboracionistas con los nazis, 1947-1949: un caso de cadena migratoria", Estudios migratorios latinoamericanos, 31, 1995, p. 673-704; Ruth Stanley, Rüstungsmodernisierung durch Wissenschaftmigration? Deutsche Rüstungsfachleute in Argentinien und Brasilien 1947-1963, Frankfurt a.M., Vervuert Verlag, 1999; Robert A. Potash and Celso Rodriguez, "El empleo en el Ejército argentino de nazis y otros cientificos y técnicos extranjeros", Estudios Migratorios Latinoamericanos, 43, 1999, p. 261-275; Ignacio Klich, "La contratación de nazis y colaboracionistas por la Fuerza Aérea Argentina", Ciclos, 19, 2000, p. 178-187.

[113] Tom Bower, The Paperclip Conspiracy. The Hunt for Nazi Scientists, Boston, Little Brown and Co., 1987; Linda Hunt, Secret Agenda. The United States Government, Nazi Scientists and Project Paperclip, 1945 to 1990, New York, St. Martin's Press, 1991. See also Dr. Strangelove (1964), the famous movie directed by Stanley Kubrick

[114] Ignacio Klich, "La pericia científica alemana en el amanecer del proyecto nuclear argentino y el papel de los immigrantes judíos", Boletín del Instituto de Historia Argentina y America "E. Ravignani", 10, 1994, p. 61-89.

[115] Holger M. Meding, "Der Weg", already quoted.

[116] Holger M. Meding, ed., Nationalsozialismus und Argentinien: Beziehungen, Einflüsse und Nachwirkungen, Frankfurt a.M., Lang, 1995.

[117] Holger M. Meding, Flucht vor Nürnberg? Deutsche und Österreichische Einwanderung in Argentinien, 1945-1955, Köln, Bohlau, 1992 (Argentinian edition: La ruta de los nazis en tiempo de Perón, Buenos Aires, Emecé, 1999).

[118] Immigrantes, refugiados y criminales de guerra en la Argentina de la segunda posguerra (Estudios migratorios latinoamericanos, 43, 1999) and Los nazis en la Argentina: política y economía (Ciclos, 19, 2000).

[119] Diana Quattrocchi Woisson, "Relaciones con la Argentina de funcionarios de Vichy y de colaboradores franceses y belgas, 1940-1960", Estudios Migratorios Latinoamericanos, 43, 1999, p. 211-238. On this subject see also José Gotovitch, "Nazi's op de vlucht naar Argentinië", Spiegel Historiael, 2, 1986, p. 89-93, and Reinout Van der Driessche, "L'émigration politique de Flamands après la Seconde Guerre mondiale", in Anne Morelli, ed., Les émigrants belges, Bruxelles, EVO, 1998, p. 291-318.

[120] Michel Faure, "Argentine. Sur la piste des derniers nazis", L'Express, 9.4.1998; also at http://www.rionegro.com.ar/especiales/guth.html.

[121] Alejandra Rey and Jorge Camarasa, "Aseguran que 19 criminales ingresaron en el país con su verdadera identitad" (La Nación, 10.03.1998; for other articles in the same vein and in the same newspaper, see the website http://www.lanacion.com.ar/.

[122] See the two volumes of the Proyecto Testimonio, edited by Beatriz Gurevich and Paul Warszawski, Buenos Aires, Planeta, 1998, and the CD-rom Archivo Testimonio. Documentos históricos sobre Argentina ante el nazismo y el fascismo (1930-1960), Buenos Aires, Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas - Centro de Estudios Sociales, 1998.

[123] See http://www.holocausteducation.org/.

[124] See http://www.wiesenthal.org/.

[125] See http://www.nara.gov/iwg/report.html.

[126] See Anthony Lernan, "Los procesos a los criminales de guerra nazis en Australia, Canadá y el Reine Unido", already quoted, and Ronald Newton, "Refugiados y criminales de guerra en Estados Unidos y Canada, 1945-1952", in Beatriz Gurevich and Carlos Escudé, El genocidio ante la historia y la naturaleza humana, p. 379-394. David Matas and Susan Charendoff, Justice Delayed, Nazi War Criminals in Canada, Toronto, Summerhill Press, 1987, and Hash Trooper and Morton Weinfield, Old Wounds. Jews, Ukrainians and the Hunt for Nazi War Criminals in Canada, Chapel Hill, University of North Carolina Press, 1989, are also very interesting.

[127] See Pierrette Landry's conference on "Citoyenneté et criminels de guerre", quoted in Nicolas Savard, "SAVOIR FAIRE. Citoyenneté et criminels de guerre", Bulletin. Bibliothèque nationale du Canada, 32, n° 11-12 (2000), p. 9.

[128] Howard Margolian, Unauthorized Entry. The Truth About Nazi War Criminals in Canada, 1946-1956, Toronto, University of Toronto Press, 2000.

[129] Howard Margolian, Conduct Unbecoming: The Story of the Murder of Canadian Prisoners of War in Normandy, Toronto, University of Toronto Press, 1998.

[130] See Alti Rodal, Nazi War Criminals in Canada, already quoted.

[131] According to him, 2,000 war criminals arrived in Canada among the 150,000 refugees coming from Europe in 1947-1951.

[132] Jack Higgins, Thunder Point, New York, Putnam, 1993.

[133] John Katzenbach, The Shadow Man, New York, Ballantine, 1995.

[134] Clive Cussler, Atlantis Found, New York, Putnam, 1999.

[135] Carlo Lucarelli, "Il ritorno del sottotenente Klotz", Il Sole - 24 Ore, 20.8.2000.

[136] See http://www.fringeware.com/~hambone/arch.

[137] Un spécialiste. Portrait d'un criminel moderne, directed by Eyal Sivan, 1999.

Stellungnahme zur Situation in Darfur (Sudan)

Jürgen Zimmerer

Stellungnahme zur Situation in Darfur (Sudan)

In der sudanesischen Provinz Darfur ereignet sich ein Völkermord. Mindestens 180'000 unschuldige Männer, Frauen und Kinder sind von der Regierung in Khartoum und ihren Janjaweed Milizen bereits in einem Vernichtungsfeldzug ermordet worden. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, schätzt, dass die monatliche Todesrate im Sudan bei 10'000 Personen liegen dürfte. Die Bombardierung von Dörfern durch Kampfflugzeuge, Vertreibung und Erschiessung von Frauen und Kindern, Todesmärsche in die Wüste sowie andere Formen systematischer Gewalt gegen die Fur, Zhagawa und Masaalit dauern noch immer an. Die vereinbarte Waffenruhe wird nicht eingehalten. Seit kurzem halten die von der Regierung unterstützten Milizen Mitarbeiter von Hilfswerken von ihrer Arbeit ab und behindern so die Zustellung von Hilfsgütern an Überlebende. Was sich in Darfur ereignet, ist kein "Stammeskrieg", und diese Katastrophe ist kein ausschliesslich "afrikanisches Problem". Die internationale Gemeinschaft hat sie als Genozid bezeichnet. Und als solcher handelt es sich bei ihr um eine humanitäre Katastrophe, auf welche die Staatengemeinschaft reagieren muss. Europäische Staatschefs haben eine historische und moralische Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln. 

Bis zum heutigen Tag hat es die internationale Staatengemeinschaft versäumt, entschieden und angemessen auf die Ereignisse in Darfur zu reagieren. All die Untersuchungsteams der Vereinten Nationen und von Nichtregierungsorganisationen, sämtliche Verhandlungen, alle UN-Resolutionen konnten das Morden nicht aufhalten. Überlegungen, wie die Täter juristisch belangt werden sollen, muten ironisch an, zumal nicht klar ist, wie man der Völkermörder überhaupt habhaft werden kann. Als internationale Vereinigung von WissenschaftlerInnen, die sich mit dem Holocaust und weiteren Fällen von Völkermord auseinandersetzen, rufen wir die europäischen Politiker auf, unmittelbare Schritte zu unternehmen, die dem Völkermord in Darfur Einhalt gebieten. Khartoums Vernichtungsmaschinerie muss unschädlich gemacht, die verantwortlichen politischen Führer ihrer Funktionen enthoben werden. 

Wir schlagen eine neue Herangehensweise vor, um die Gewalt in Darfur einzudämmen. Zunächst muss die Regierung in Khartoum offiziell als verbrecherisches Regime bezeichnet werden, zumal ihre Vertreter als Hauptverantwortliche für das Morden ausgemacht worden sind. Beispiele aus der Geschichte zeigen, dass sich Völkermörder nicht allein durch die Androhung von Strafverfolgung von ihrem Tun abbringen lassen. Ein verbrecherisches Regime wie dasjenige im Sudan soll sich nicht hinter dem Prinzip der nationalen Souveränität verstecken und auf die Gleichgültigkeit der Staatengemeinschaft hoffen dürfen. Die Mitgliedschaft des Sudan in den Vereinten Nationen muss vorerst ausgesetzt werden. Die von Khartoum ausgestatteten Janjaweed Milizen gehören umgehend entwaffnet. Die humanitäre Hilfe für Vertriebene und Überlebende soll erhöht und Hilfswerken ungehinderten Zugang zu Flüchtlingslagern gewährt werden. 

Zur Umsetzung dieser Massnahmen soll die Führung bei der Afrikanischen Union (AU) liegen. Allerdings sind ihre 2000 Mann dieser Aufgabe allein nicht gewachsen, entspricht die Fläche des von ihnen zu befriedenden Territoriums doch etwa derjenigen Frankreichs. Die Hilfe der Europäischen Union wie auch der Vereinten Nationen ist dringend nötig. Europa kann und muss dazu beitragen, dass die Streitkräfte der Afrikanischen Union mit einem stärkeren Mandat ausgestattet werden. Zudem sollen diese logistisch unterstützt werden. 

Frankreich, Deutschland und Grossbritannien sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Französische Truppen sind bereits an der sudanesischen Grenze stationiert. Grossbritannien ist als ehemalige Kolonialmacht eng mit der Region verbunden. Und Deutschland erhielte wie die übrigen Staaten der internationalen Gemeinschaft die Chance, der Deklaration "Nie wieder" zur Geltung zu verhelfen. Sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und elf Jahre nach dem Versagen, den Völkermord in Rwanda zu verhindern oder aufzuhalten, muss die internationale Gemeinschaft beweisen, dass sie ihre Lektion gelernt hat.