Reparationsschuld - Abstract

Karl Heinz Roth / Hartmut Rübner

 

Reparationsschuld:

Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft  in Griechenland und Europa – Ein Arbeitsbuch

 

Die Reparationsfrage ist nach wie vor ein brisantes und umstrittenes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. Während die großen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren umfangreich entschädigt wurden, gingen die kleineren Länder Europas und zahlreiche Opfergruppen weitgehend leer aus. Zu ihnen gehörte auch Griechenland, das bis auf den heutigen Tag Entschädigungen für die Massakeropfer und die Ausplünderung seiner Volkswirtschaft einfordert.

 

Einer umfassenden, alle ehemals besetzten Länder und alle Opfergruppen einschließenden Kriegsentschädigung hat sich die deutsche Machtelite bis heute verweigert. Im vorliegenden Arbeitsbuch untersuchen die Autoren die Kontexte, die strategischen Optionen und die Taktiken ihres Vorgehens, die in der Ausklammerung der Reparationsfrage aus dem De Facto-Friedensvertrag von 1990 („Zwei plus Vier-Vertrag“) kulminierte. Karl Heinz Roth rekonstruiert in einem einleitenden Forschungsessay den roten Faden. Hartmut Rübner hat die wichtigsten Dokumente zusammengestellt.

 

Im letzten Abschnitt vergleichen die Verfasser das Ausmaß der von den Okkupanten im NS-beherrschten Europa angerichteten Zerstörungen mit den bis heute erbrachten Reparationsleistungen. Dabei kommen sie zum Ergebnis, dass sich die deutsche Raparationsschuld auf das 1,8-fache der deutschen Wirtschaftsleistung des Jahrs 2016 beläuft, von der bis Ende 2016 nur knapp ein Fünftel getilgt wurde. Jedoch erhielten die kleinen europäischen Länder – darunter auch Griechenland – noch nicht einmal ein Hundertstel der ihnen zustehenden Entschädigungsleistungen. Deshalb sollten diesen Ländern in einer abschließenden Reparationsakte an erster Stelle umfassende Entschädigungen zugesprochen werden.

 

 

Karl Heinz Roth and Hartmut Rübner

 

Reparation debts:A workbook on the indemnities of the German occupying power in Greece and Europe

 

The issue of reparations remains a controversial and explosive chapter in the history of Europe after World War II. Whereas the larger victorious powers received generous compensation in the years immediately after the war, the smaller European countries, as well as numerous victim groups, largely came away empty-handed. One of these countries is Greece, which to this day is calling for reparations to compensate for the plundering of its economy and for the victims of the massacres under the Nazi occupation.

 

To this day, the German elites have refused to pay reparations which take into account all victim groups and all the countries once occupied by Germany. In this workbook, the authors explore the context, the strategic options and the tactics behind the German elites’ approach towards compensation – an approach which culminated in the issue of reparations being removed from the de facto peace treaty of 1990 (the ‘Two Plus Four Treaty’). In his introductory research essay, Karl Heinz Roth traces the red thread of this approach. Hartmut Rübner has compiled the most significant documents which shed light on it.

 

In the concluding section of the book, the authors compare the extent of the damage caused by the occupiers in Nazi Europe with the reparations that have hitherto been awarded. In so doing, they arrive at the conclusion that Germany’s total reparation debts amount to 1.8 times that country’s entire GDP in 2016. But only around 20% of this sum has been repaid. By contrast, the small European countries – including Greece – have not received even 1% of the compensation to which they are entitled. In the first instance, these countries should thus be awarded with extensive compensation as part of a final reparations amendment to the Two Plus Four Treaty.