Globale Krise

  • Von der Globalen Krise zur Langen Stagnation
    (Karl Heinz Roth)

 

Im Jahr 2013 habe ich die Vorarbeiten zum zweiten Band meiner globalen Krisenanalyse fortgesetzt. Die laufende Materialsammlung – Zeitungsausschnitte der internationalen Presse, Working Papers und Serien der weltwirtschaftlichen Institutionen sowie Aufsatzkopien aus den weltwirtschaftlich orientierten Fachzeitschriften – wurde laufend aktualisiert und zu umfangreichen themenbezogenen Dossiers zusammengefasst. Auf dieser Grundlage wurde das Inhaltsverzeichnis laufend aktualisiert, und im Februar verfasste ich eine erste Einleitung, in der ich die auf die Krise von 2007/2008 gefolgte bisherige Entwicklung resümierte, die bisherige Hypothese einer bevorstehenden Langen Depression in Frage stellte und mich auf die wahrscheinlicher gewordene Perspektive einer mehrjährigen Stagnationsphase („Lange Stagnation“) festlegte. 

Bei diesen Vorarbeiten geriet der besondere Charakter der europäischen Austeritätspolitik immer stärker in den Fokus. Es wurde zunehmend deutlich, dass dieser auf die erste antizyklische Periode gefolgte restriktive Umschlag der Wirtschafts- und Finanzpolitik die Europäische Union und insbesondere die Euro-Zone zunehmend aus den globalen Erholungstendenzen herauslöst, in eine lang anhaltende Depression hineintreibt und dabei gleichzeitig die binneneuropäischen Ungleichgewichte so weit vertieft, dass der europäische Integrationsprozess zunehmend in Frage gestellt wird. Durch diese Erkenntnis wurden die im Vorjahr am Beispiel Griechenlands erarbeiteten Fragestellungen auf den gesamteuropäischen Zusammenhang ausgedehnt.

Ausgehend von dieser Einschätzung stellte ich im Frühjahr meine weltwirtschaftlichen Studien zurück und verfasste zusammen mit dem griechischen Sozialwissenschaftler Zissis Papadimitriou ein etwa 100-seitiges „Manifest für ein egalitäres Europa“, in dem die Analyse des vor allem durch die deutschen Herrschaftseliten erzwungenen europäischen „Sonderwegs“ mit alternativen Handlungsoptionen aus der Perspektive von unten verknüpft ist. Die Flugschrift erschien im Sommer, eine griechische Übersetzung folgte gegen Ende des Jahrs. Das Manuskript war zuvor im befreundeten Umfeld ausgiebig diskutiert und entsprechend überarbeitet worden. Es diente zusätzlich als Blaupause für einen Aufruf, der Anfang Juni in ein speziell dafür eingerichtetes multilinguales Internet-Portal gestellt wurde, wo er inzwischen in acht europäischen Sprachen präsent ist (www.egalitarian-europe.com). Die der Flugschrift und diesem Aufruf zugrunde liegenden Analysen wurden von Zissis Papadimitriou und mir erstmalig Ende April in einer öffentlichen Veranstaltung und in einem Seminar des Frankfurter Instituts für Sozialforschung vorgestellt; weitere, teilweise gut besuchte Veranstaltungen folgten.

Insgesamt blieb die Resonanz jedoch deutlich hinter unseren Erwartungen zurück. Unsere Initiative wurde zwar durchaus wahrgenommen, vermochte sich jedoch in den aktuellen Europa-Diskursen nicht durchzusetzen. In den vergangenen Monaten war vielmehr eine zunehmende „Besetzung“ des Themas durch neo-konservative und neo-faschistische Strömungen zu beobachten. Mit dieser Entwicklung setzte ich mich im Oktober anlässlich einer Veranstaltung der Ossietzky-Gesellschaft auseinander, der Vortrag wurde anschließend zu einem Überblicksaufsatz über den Neo-Faschismus in Europa erweitert. 

 

(Karl Heinz Roth)

Publikation

Karl Heinz Roth, Die globale Krise, Hamburg: VSA Verlag 2009
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Aktueller Schwerpunkt

Das Multiversum: Globale Proletarisierung - Gegenperspektiven (Karl Heinz Roth)
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