Im Schatten des militärischen Erfolgs

Holger Banse

Im Schatten des militärischen Erfolgs

Kirchliche Kriegshilfe am Beispiel der Feldprediger bei der Division 'Edelweiß'

Inhalt

     1. Die italienische Besetzung Griechenlands
     2. Der 8. September 1943 und der Mord auf Kephallonia
     3. Die 1. Gebirgsjägerdivision, genannt: die Division 'Edelweiß'
     4. Die Feldgeistlichen der 1. Gebirgsjägerdivision
          4.1 Schulprofessor Georg Lipp
          4.2 Dekan Rudolf Schwarz
          Exkurs: Der einstige Feldprediger und spätere Militärbischof Hermann Kunst
     5. Die Kirchen und ihre Kriegshilfe
     6. Im Glanz des Wiederaufbaus
           6. 1. Die Siegermächte und die Kirchen
          6. 2. Die Kirchen und ihre unschuldige 'Schuld'
          6. 3. Die Kirchen und die verweigerte Entnazifizierung
          6. 4. Kirchliche Ent'schuld'ungs-Hilfen aus dem Ausland
     Benutzte Literatur:
     Anmerkungen:


'Eine schwere innere Belastung ihres Gewissens bedeutet für viele, auch (für die, Ergänzung des Verfassers) Offiziere, das Tötenmüssen von Frauen und Kindern bei den Unternehmen gegen die Banden. Darüber wurde dem Pfarrer gegenüber des öfteren geklagt. Der Gewissenskonflikt besteht für die Leute darin, dass sie einerseits keine Befehlsverweigerung begehen, andererseits aber sich auch keiner Übertretung des göttlichen Gebots schuldig machen wollen.' (1) 

Mit diesen Worten beschreibt der evangelische Pfarrer Rudolf Schwarz unter dem Punkt 'Erfahrungen allgemeiner Art' einen Ausschnitt seinen Tätigkeiten als Feldgeistlicher der Division 'Edelweiß' in der Zeit vom 21. Juni bis 30. September 1943 in Griechenland. Von seinem Gewissenskonflikt als Christ, als Pfarrer, als Seelsorger schreibt er nichts, als er von diesen Verbrechen erfährt, die 'seine' Soldaten begehen. Er hört von Morden an Frauen und Kindern, von Plünderungen und hört zu und denkt daran, wie er seine 'Leute' bei ihrem Kampf gegen die 'Bolschewisten' seelisch stützen und begleiten kann. Und erzählt mit Stolz von gut besuchten Gottesdiensten und großer Teilnahme beim Abendmahl. Der Stolz begleitet auch heute noch seine Erinnerung an die Zeit (2), die für ihn die wichtigste seines Lebens war. Und der Stolz begleitet auch die Identifikation mit seiner Truppe, der Gebirgsjägerdivision 'Edelweiß', deren Symbole die ein oder andere Wand seiner Wohnung schmücken. 
Gewissenskonflikt? Nein! Gehorsamer Dienst! Ja! Gehorsamer Dienst! Er, - so wie seine Kirche! Vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg. In steter Kontinuität der Tradition. Gehorsamer Dienst! Verkünden des Evangeliums, wenn auch nur eines Teils, den anderen lässt man einfach weg. Nicht kriegstauglich, würde man sagen. Aber immer, und ohne Zweifel, und ohne zu verzweifeln, in der Nachfolge des Herrn! 
Nur, welchem Herrn ist er, ist sie gefolgt nach Polen, nach Russland, nach Frankreich, nach Griechenland?

1. Die italienische Besetzung Griechenlands

Im Schatten des militärischen Erfolgs der deutschen Wehrmacht beim Überfall auf Frankreich entschloss sich Mussolini am 28. Oktober 1940, Griechenland anzugreifen und zu besetzten. Er verlegte die Division Acqui, die im Juni vergeblich versucht hatte, in Südfrankreich einzumarschieren, nach Albanien. Albanien war seit seiner Eroberung durch Italien im Jahre 1926 eine Art italienisches Protektorat (3), mit dem Italien seine Herrschaftsansprüche am Ostufer der Adria zu begründen suchte. 
Der nur zögerliche Angriff einzelner Verbände der Division Acqui, deren schlechte Ausrüstung, der einbrechende Winter und der erbitterte Widerstand der griechischen Truppen führten nicht nur zu großen Verlusten auf Seiten der Italiener, sondern fast auch zum militärischen Eklat. Am 3. Dezember durchbrachen griechische Truppen die italienischen Linien und drängten die Italiener auf albanisches Gebiet zurück. 
Um die italienische Katastrophe abzuwenden, intervenierte die deutsche Wehrmacht, die in einer Blitzaktion Jugoslawien einnahm und nun gemeinsam mit den Italienern zur Gegenoffensive startete. Sie überrannten die griechischen Truppen und zwangen die Griechen am 21. April 1941 zur Aufgabe. Die deutsch-italienischen Truppen besetzten die Inseln und das griechische Festland. Da Hitler große Teile der auf dem Balkan erfolgreichen Streitmacht für den bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion brauchte, belies er nur einen kleinen Teil der dort eingesetzten Streitkräfte in Griechenland. So übernahmen die Italiener die Hauptaufgabe in der militärischen Kontrolle und trugen dafür Sorge, dass Hitler-Deutschland die großen Erzvorkommen für seine Kriegsproduktion ausbeuten konnte. 
Die Zeit der italienischen Besetzung Griechenlands dauerte von April 1941 bis zum September 1943 und forderte ungefähr 100.000 Opfer unter der griechischen Zivilbevölkerung. 

"Ein Teil davon starb in den Konzentrationslagern (man spricht von ungefähr 200 italienischen Konzentrationslagern, die im italienischen Mutterland und in den besetzten jugoslawischen Gebieten unter Kontrolle des königlichen Heeres Jugoslawiens und der faschistischen Besatzungsverwaltung standen. Ergänzung des Verfassers nach Angaben in: Bruno Mantelli, S. 66) und Gefängnissen; ein anderer Teil fiel den Säuberungen und Repressalien zum Opfer, welche die Armee durchführte, um der Partisanenerhebung Herr zu werden; ein dritter Teil starb als Folge der schrecklichen Hungersnot, die durch die Misswirtschaft der italienischen Verwaltung in Griechenland verursacht und dann noch verschärft wurde durch die Entscheidung der Besatzungsmacht, sich der Hungersnot als Instrument zu bedienen, um den Widerstandswillen der Zivilbevölkerung zu brechen" (4).

2. Der 8. September 1943 und der Mord auf Kephallonia

Die Kritik an der Kriegsführung Mussolinis, die heranrückende antifaschistische Allianz und damit die bevorstehende Niederlage vor Augen und um noch größeres Unheil vom italienischen Volk abzuwenden, ließ König Vittorio Emanuele III. am 25. Juli 1943 den Duce verhaften und beauftragte Marschall Pietro Badoglio (5) mit der Bildung einer neuen Regierung. Diese begann am 3. August 1943 geheime Verhandlungen mit den angloamerikanischen Alliierten, die am 4. September zum Waffenstillstand mit Italien führten. Dieser wurde am 8. September von Badoglio über das Radio verkündet. Italien war aus der Koalition mit Nazideutschland ausgetreten. 
Damit war für die deutsche Wehrmacht der Fall eingetreten, der die Eroberung von Nord- und Mittelitalien durch deutsche Truppen, die Entwaffnung der italienischen Einheiten und deren Deportation nach Deutschland und ins Generalgouvernement Polen vorsah. Im Gegensatz zur italienischen Regierung und der Heeresleitung begegnete die deutsche Wehrmacht dieser neuen Konfrontation gut vorbereitet (6). In zwei Tagen eroberten sie große Teile Italiens und der von Italienern besetzten Gebiete. Die italienischen Militärs waren hilflos und verwirrt. 
Am 20. Juni 1943 hatte General Antonio Gandin auf Kephallonia das Kommando über die Division Acqui übernommen. Hier unterstanden ihm 525 Offiziere und 11.500 Mannschaftsdienstgrade. Gandin war ein enger Vertrauter Mussolinis und begleitete den Duce häufig bei dessen Treffen mit Hitler. Nachdem der Waffenstillstand Italiens mit den angloamerikanischen Alliierten bekannt wurde, versuchte der mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse dekorierte Gandin zunächst mit den deutschen Militärstellen über eine mögliche Kapitulation der italienischen Seite zu verhandeln. Aber eine Meuterei einiger Offiziere, die gegen eine Kapitulation waren, und eine Abstimmung unter den italienischen Soldaten, die sich zu 90 Prozent für den Kampf gegen die Deutschen aussprachen, beendete die Verhandlungen. Die kriegerische Auseinandersetzung der einstigen Bündnispartner begann. In den ersten drei Tage konnten sich die Italiener, dank ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit am Boden, den deutschen Angriffen gegenüber erwehren, die zum großen Teil durch die Luftwaffe erfolgten. Dann aber erhielten die deutschen Bodentruppen Verstärkung durch Einheiten der 1. Gebirgsjägerdivision. 
Der neuerliche 'Verrat' der Italiener und die zögerlichen Erfolge auf Kephallonia veranlassten Hitler, seinen ursprünglichen Befehl, wie mit italienischen Kriegsgefangenen umzugehen sei, zu verändern. Es sollten ab sofort auf Kephallonia keine italienischen Gefangenen mehr gemacht werden. Die deutsche Offensive begann am 21. September, und vernichtete sofort die italienischen Einheiten. Am 22. September, um 11 Uhr bot Gandin den Deutschen die Kapitulation an und hisste am Gebäude des Divisionskommandos die weiße Flagge. Alle das kriegerische Massaker Überlebenden, Offiziere, wie Mannschaftsdienstgrade wurden gefangen genommen. 
Wie der Befehl Hitlers ausgeführt wurde, sei an einem Beispiel (7) verdeutlicht: 

'Am Abend des 21. September zog sich Major Oskar Altarilla mit dem Rest des 2. Bataillons des 17. Regiments in das Städtchen Keramis zurück. Dort wurde er von deutschen Truppen eingekreist und war gezwungen, sich zu ergeben. Die Italiener wurden entwaffnet; zusammen mit anderen italienischen Gefangenen, die hinzugekommen waren, etwa neunhundert Mann. In einer langen Reihe mussten sie auf der Chaussee in das Städtchen Troianata marschieren. Dort wurden sie von deutschen Patrouillen umringt und auf freiem Feld zusammengetrieben. Plötzlich und vollkommen unerwartet wurde von allen Seiten das Feuer auf sie eröffnet. Nach kurzer Zeit verstummten die Angstrufe und Schmerzenschreie, und Stille breitete sich aus. Die meisten Männer lagen tot in einer Mulde. Dann rief ein deutscher Soldat auf italienisch: "Wer noch am Leben ist, mag aufstehen, er hat nichts zu befürchten, das Geschäft ist erledigt." Etwa fünf Überlebende standen blutend auf. Sie wurden von einer weiteren Salve niedergestreckt. Drei italienische Soldaten überlebten das Massaker.' 

Dies war kein Einzelfall. Die massenweisen Erschießungen gingen auch in den nächsten Tagen weiter. General Gandin wurde am 24. September nach kurzem Prozess vor einem eilends nach Kephallonia eingeflogenen Standgericht erschossen. Am Vormittag des 25. September erschossen die Deutschen noch sechs verwundete Offiziere, die aus einem Feldspital geholt wurden. 
Was General Lanz, der Befehlshaber der Einheiten der 1. Gebirgsjägerdivision, am 26. September mit den Worten: 'Meine vollste Anerkennung und meinen herzlichsten Dank.' (8) ausdrückte, sah in Zahlen folgendermaßen aus: Zwischen dem 15. und dem 22. September sind in Folge von direkten Kriegshandlungen 65 Offiziere und 1200 Soldaten umgekommen. Die Deutschen meldeten 40 Verluste. Ungefähr 155 Offiziere und 4700 Unteroffiziere und Mannschaften wurden, dem Führerbefehl entsprechend, gefangen genommen und in den darauffolgenden Tagen erschossen. Vor und nach den Exekutionen wurden die Italiener systematisch ausgeraubt. Ihre deutschen Mörder stahlen ihnen Uhren, Füllfederhalter und andere persönliche Gegenstände.

3. Die 1. Gebirgsjägerdivision, genannt: die Division 'Edelweiß'

Im Sommer 1997 erschütterte ein Amateur-Video, das verschiedenen Fernsehkanälen zugespielt wurde, die deutsche Öffentlichkeit. Die ausgestrahlten Auszüge zeigten die Hinrichtung eines Mannes durch deutsche Soldaten. Rassistische Szenen, Szenen von Schändung und Plünderung (9), die das Video auch enthielt, wurden dem Fernsehzuschauer nicht zugemutet. Das Video war ein 'Scherz'. Spaßeshalber war es von Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 571 gedreht worden, das in Schneeberg im Erzgebirge beheimatet ist, einem Ableger der 1. Gebirgsjägerdivision. Aus Bayern stammen Vorgesetzte und Offiziere, Mitglieder des in Mittenwald beheimateten 'Kameradenkreis der Gebirgstruppe e. V.', die möglicherweise mitverantwortlich für das Video waren. 
Schon im Mai 1993 waren Gebirgsjäger (10) aufgefallen, weil sie sich mit Sieg-Heil-Rufen und dem Hitlergruß auf den Weg in ihre Kasernen nach Bad Reichenhall machten. Soldaten der gleichen Einheit hatten in einem Intercity nach München, Nazi-Parolen schreiend, auf einen behinderten Ausländer eingeschlagen und ihn schwer verletzt. 
In einem Vorwort zu der Veröffentlichung: 'Die deutsche Gebirgstruppe. 1938 bis 1945' (11) schreibt der ehemalige Kommandeur der alten 1. Gebirgs-Division und spätere kommandierende General des XXII. Gebirgskorps Lanz im Rückblick auf seine Truppe: 

"Gut ausgebildet, an Härte und Opfer gewöhnt, geht der Gebirgsjäger in den Krieg, der <das Edelweiß zum Schrecken der Feinde> werden lässt. Höchste Leistungen zeichnen seinen Weg: Lemberg, Oise-Aisne-Kanal, Narvik, Eismeer, Karelien, Metaxaslinie, Kreta, Uman, Kaukasus, Wolchow und Monte Cassino. Unauslöschlich bleiben diese Namen mit dem Edelweiß verbunden. Ist aber der Kampf vorbei, gewinnt der Gebirgsjäger durch seine gutherzige Art rasch die Zuneigung der feindlichen Bevölkerung. Hilfsbereit lindert er Leid und Not. So wird das Edelweiß zugleich zum Zeichen menschlicher Güte." 

Was sich in diesem Prolog wie ein romantischer Reiseführer durch Europa liest, möchte ich mit Hilfe einer der von Lanz erwähnten Stationen konkretisieren (12). 

Lemberg liegt im Zentrum Galiziens und ist die östlichste Stadt Mitteleuropas. Trafen sich hier verschiedenste Kulturen und Konfessionen in einer kreativen Symbiose, so zerfällt diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Polen und nach Unabhängigkeit strebende Ukrainer liefern sich in der Stadt erbitterte Kämpfe. Die Leidtragenden waren die Juden, sie galten als politisch verdächtig. 
Im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes wurde Lemberg im Herbst 1939 sowjetisch. Obwohl die Juden von den Sowjets verfolgt wurden, bezichtigten Polen und Ukrainer sie nun der sowjetischen Kollaboration. 
Am Morgen des 30. Juni 1941 besetzen Einheiten der 1. Gebirgsdivision unter General Lanz die Stadt. In den drei Gefängnissen finden sie 4000 von den Sowjets hingerichtete Gefangene. Unter dem Schutz der Truppen General Lanz' veranstaltete ein den deutschen angegliedertes und mit deutschen Uniformen ausgestattetes Bataillon von Ukrainern mit dem Namen 'Nachtigall' eine Hetzjagd auf die Juden der Stadt. Es kommt zu schlimmen Misshandlungen und Morden. Die Deutschen Truppen sichern die Gefängnisse und kontrollieren die Abläufe, während die Ukrainer die Juden zwingen, auf Knien zu den Leichen zu kriechen und sie zu waschen. Jüdische Frauen und Mädchen müssen sich vorher entkleiden. Als diese grausame Arbeit verrichtet war, stellen sich auf Befehl der Deutschen die ukrainischen Soldaten in zwei Längsreihen auf und treiben die Juden durch dieses Spalier. Sie schlagen und stechen mit Bajonetten auf sie ein. Viele der Juden werden getötet. Es folgen weitere Übergriffe auf Jüdinnen und Juden. Als die 1. Gebirgsjägerdivision am 2. Juli die Stadt in Richtung Osten verlässt, sind der öffentlichen Judenjagd im Schutze von General Lanz und seinen Gebirgsjägern 4000 Lemberger Juden zum Opfer gefallen. 
Die 1. Gebirgsjägerdivision war gefürchtet. Schon nach dem Polenfeldzug hatten sich ihre Generäle das Ritterkreuz 'verdient'. Stalin begegnete dieser Einheit mit großer Furcht. (13) 
Lanz kam nach dem Russlandfeldzug mit seinen Truppen über den Balkan nach Griechenland. Am 19. September 1943 traf er in Kephallonia ein, um mit Major von Hirschfeld den Angriffsplan gegen die italienische Division Acqui für den 21. September festzulegen. Damit war das Ende der Division Acqui besiegelt. 
Ich zitiere noch einmal aus dem Prolog des General Lanz zur Schrift 'Die Deutsche Gebirgstruppe': 

"Wie Heimatliebe und Gottvertrauen, ist ihnen die Freiheit ein heiliger Begriff, erwachsen aus dem Kampf mit der Natur, erprobt im Sturm der Geschichte. Also steht er vor uns: kraftvoll und hart, wortkarg und zäh, mit kantigem Gesicht, selbst ein Stück Fels – der Kämpfer der Berge."(14)

4. Die Feldgeistlichen der 1. Gebirgsjägerdivision

Am 9. April 1938 wurde aus verschiedenen Gebirgseinheiten die 1. Gebirgsjägerdivision aufgestellt. Der katholische Wehrmachtspfarrer Georg Lipp, der von Rosenheim die Einheiten der Gebirgsjäger betreute, und der evangelische Geistliche Rudolf Schwarz, der in Traunstein stationiert war und von hier aus Berchtesgaden, Rosenheim, Brannenburg und den Fliegerhorst Bad Aiblingen versorgte, wurden zu Wehrmachtspfarrern der Division 'Edelweiß'. 
Kurz vor Kriegsbeginn wurde Schwarz mit anderen evangelischen Wehrmachtspfarrern vom Wehrkreispfarrer zu einer Konferenz nach München eingeladen. Mit den Worten (15): 'Jetzt geht' s los!' wurden sie über den nahen Kriegsbeginn informiert. Darüber hinaus gab es keinerlei dienstliche Vorbereitungen. Die Pfarrer wussten weder, wie ihr Dienst während des Krieges aussehen sollte, noch wie und wo und wann sie Gottesdienst feiern sollten. Eine Kriegsagende und ein Feldgesangbuch gab es erst später. Schwarz besorgte sich in aller Eile ein Krankenabendmahlsgerät, um mit seinen Soldaten während des Krieges Abendmahl feiern zu können. 
Da die beiden Geistlichen nicht gleichzeitig alle Truppenteile besuchen konnten, teilten sie sich die Aufgaben auf und feierten ihre Gottesdienst 'ökumenisch', d. h. die Soldaten beider Konfessionen nahmen an ihnen teil. 
Bei den Gebirgsjägern handelte es sich um eine fast rein bayrische Truppe. Sie bestand zu über 80 Prozent aus katholischen und wenig evangelischen Christen. Auch bei Krankenbesuchen auf den Lazarettplätzen wurde kein Unterschied zwischen evangelischen oder katholischen Verwundeten gemacht. Wenn ein Pfarrer ins Lazarett kam, besuchte er alle, die einen Besuch brauchten, egal welcher Konfession der Verletzte angehörte. Ökumene war im Krieg unausweichlich, ja, notwendig und war zumindest bei der 'Edelweißdivision' normal. Die Kameradschaft war wichtiger als die Gräben zwischen den Kirchen. 
Für Lipp und Schwarz begann der Krieg mit dem Polenfeldzug. Der schnelle Vormarsch erlaubte keinen geregelten Dienst. Die Hauptaufgabe kam zunächst der Betreuung der Verwundeten zu. Nach Beendigung des Feldzugs, als sich die Division nach Brühl, in die Nähe von Köln, zurückgezogen hatte, feierten sie große Dankgottesdienste. Im Rheinland konnten sie auch wieder Kasernenstunden halten. Aber kaum begann ein neuer Feldzug, war selten Gelegenheit, einen Gottesdienste zu feiern, es sei denn Zeit und Wetterverhältnisse ließen es zu, oder die besondere Situation gebot es. So bat zum Beispiel General Lanz vor Beginn des Russlandfeldzugs um einen Gottesdienst für ausgesuchte Bataillone, die in den kommenden Tagen besonders 'schwere' Aufgaben zu bewältigen hatten. Es sollte ein Gottesdienst mit Generalabsolution sein. Der General wusste, was auf seine Soldaten zukommen würde. Vor Beginn der Schlacht sollten sie noch den seelsorgerlichen Dienst der Kirche in Anspruch nehmen dürfen. 
Je länger der Krieg dauerte, um so intensiver wurden die seelsorgerlichen Gespräche. Während der Polenfeldzug noch ohne nennenswerte Probleme verlief, verschlechterte sich die Moral während des Frankreichfeldzuges. Alkohol und Frauen führten zu einer 'moralischen Lockerung' der Soldaten, so dass sogar Gottesdienst ausfielen, weil kein Soldat erschien. 
Der lang andauernde Russlandfeldzug und Urlaubs- und Postsperren verursachten das ein oder andere Eheproblem. So kam es vor, dass Soldaten sich erschossen, als sie erfuhren, dass ihre Frauen zu Hause Beziehungen mit anderen Männern begonnen hatten. Schwarz widersetzte sich, wo möglich, dem Verbot, diese Selbstmörder zu beerdigen. Einmal, so erzählte er, begleitete er einen wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilten Soldaten unter Gebeten zu seiner Hinrichtungsstätte. Lipp hatte diesen Dienst öfter zu tun. 
Schwarz berichtet von einem besonders 'sensiblen' Soldaten. Nach einem Partisanenüberfall sollte er Frauen und Kinder erschießen, sobald sie die Kirche verlassen würden, in die sie eingesperrt waren. Auf die Rückfrage, was er denn als Seelsorger in diesem Falle gesagt hätte, meinte Schwarz, er hätte den Soldaten lediglich gefragt, was er denn gemacht hätte. Der Soldat hätte geantwortet, er hätte in die Luft geschossen. 
Wer waren nun diese beiden Männer, die sich schon vor dem Krieg für die Wehrmachtsseelsorge entschieden haben, einer Seelsorge, 
- die zwischen Bekenntnis zum Evangelium und Bekenntnis zur nationalsozialistischen Ideologie den Spagat probierte, 
- die ständig fürchten musste, auf Betreiben der Partei verboten zu werden, 
- deren Pfarrer Mitglieder der Bekennenden Kirche und gleichzeitig Mitglieder der NSDAP sein konnten, 
- ja, die teilweise sehr exponierte Pfarrer der Bekennenden Kirche an vorderster Front vor Übergriffen der Gestapo (16) glaubte schützen zu können, 
- die spätestens seit Mai 1942 dem 'siegreichen Ausgang des nationalsozialistischen Freiheitskampfes für die Zukunft der deutschen Volksgemeinschaft und jedes einzelnen Deutschen Rechnung zu tragen hatte.... und deren Pfarrer 'jegliche Behandlung von Fragen, die außerhalb des religiösen Gebietes liegen, verboten war` (17) 
- und die ihren Dienst unter ständiger Kontrolle und Überwachung durch Nationalsozialistische Führungsoffiziere (NSFO) zu machen hatte.

4.1 Schulprofessor Georg Lipp

Georg Lipp wurde am 15. April 1904 in Winden in Oberbayern als Sohn eines Bauern geboren. Am 29. Juni 1932 wurde er in Freising ordiniert, am 1. August 1938 Wehrmachtspfarrer in Rosenheim. Nach dem Krieg bewarb er sich um eine Pfarrstelle in Rosenheim. Jedoch schien es, dass dem Kardinal die 'liberale Lebenshaltung' Lipps, vielleicht auch seine 'ökumenische Weite (18)' nicht behagte. Darum verwehrte er Lipp eine Gemeindepfarrstelle. Lipp entscheidet sich für den Schuldienst, wird Katechetenkaplan in Rosenheim, ein halbes Jahr darauf Studienrat. Als Gymnasialprofessor ging er am 1. September 1969 in den Ruhestand. Von 1954 bis 1958 war er Mitglied des Bayrischen Landtags und Inhaber des Bundesverdienstkreuzes. Er starb am 19. März 1983 in Rosenheim an Leberzirrhose und wurde in Oberndorf bei Haag bestattet. 
Als am 10. Juni 1957 in der Nähe von Mittenwald das Ehrenmal der Gebirgsjägerdivisionen eingeweiht wurde, schrieb Georg Lipp in einem Geleitwort: 

"Manchmal packt mich bedrängend die Sehnsucht zu den einsamen Heldengräbern und Friedhöfen. Und warum? Weil ich die Männer, die darin ruhen, kannte, schätzte und – liebte. Und schätzen und lieben kann man nur das Große und Tapfere, Heilige und Heroische." (19) 

Lipp gehörte nach Auskunft eines ehemaligen Funkers der 1. Gebirgsjägerdivision zu denen, die darauf Wert legten, auch bei den Gefechten immer in vorderster Reihe zu sein. Jedes Jahr nahm er an den Treffen des Kameradenkreises auf dem Grünten teil, saß dort in alter Verbundenheit Seite an Seite mit General Lanz, der, wie er selbst, 1993 starb, tauschte Erinnerungen aus, war gesellig, trinkfest und aufgeschlossen für alles und alle, wie sich ein Priesterkollege (20) erinnerte. Lipp hatte zu Lanz ein besonderes Verhältnis. Als Lanz in Nürnberg als Kriegsverbrecher angeklagt war, hob Lipp in seiner Aussage für Lanz hervor, dass der General stets ein guter Katholik gewesen wäre. Im Jahre 1969 fragte ihn der 'Spiegel', ob er sich noch an die Vorgänge in Kephallonia erinnern könnte. Lipp meinte lediglich: 'Wissen Sie, das ist so lange her, da kann ich mich nicht mehr dran erinnern.' (21)

4.2 Dekan Rudolf Schwarz

Rudolf Schwarz wurde am 28. Mai 1910 in Nürnberg geboren. 1929 begann er sein Theologiestudium (22) in Erlangen und hörte dort Althaus, Sasse und Elert. Diese 'herausragenden' Professoren der Erlanger Theologischen Fakultät veröffentlichten 1934 den sogenannten 'Ansbacher Ratschlag' (23). In diesem kommen den 'natürlichen Ordnungen', wie 'Familie, Volk und Rasse' eine besondere Bedeutung zu. Weiterhin heißt es dort: 'In dieser Erkenntnis danken wir als glaubende Christen Gott dem Herrn, dass er unserem Volk in seiner Not den Führer als 'frommen und getreuen Oberherren' geschenkt hat und in der nationalsozialistischen Staatsordnung 'gut Regiment', ein Regiment mit 'Zucht und Ehre' bereiten will.` 
Nach zwei Semestern wechselt Schwarz nach Greifswald, weil ihm die Erlanger Fakultät zu konservativ erschien. Anschließend ging er mit anderen nach Marburg zu Rudolf Bultmann. Von dort zog es ihn nach Tübingen. 1933 macht er sein erstes Examen. Er kommt zurück nach Erlangen, wo er für 2 Semester die Leitung eines theologischen Studienhauses übernimmt. Hier wohnen Theologiestudenten aus dem ganzen Reichsgebiet und vereinen unter einem Dach alle theologischen Schattierungen, vom Barthianer bis zum SS-Mann. Schwarz hält Gottesdienste für Studenten der Bekennenden Kirche (BK), an denen sich die Erlanger Fakultät nicht beteiligt. Nur Althaus versucht noch zu vermitteln. Dass Schwarz mit der BK sympathisiert, war für ihn selbstverständlich, auch wenn er schon im Jahre 1930, unter dem Eindruck von brutalen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Rot Front (KPD) und des Reichsbanners (SPD), die er noch als Schüler in Nürnberg miterlebt hatte, in die NSDAP eingetreten war. Außerdem erhoffte er sich viel von Adolf Hitler, sagte Schwarz (24), denn die Arbeitslosigkeit war groß und nach dem 1. Weltkrieg sei moralisch viel kaputt gegangen. Später wollte er aus der Partei austreten. Aber da riet ihm seine Landeskirche ab, weil sie befürchtete, wenn Schwarz deshalb aus der Wehrmachtsseelsorge entlassen würde, diese wichtige Stelle nicht mehr mit einem der eigenen Leute besetzen zu können. 
Schwarz wird 1934 Vikar in Augsburg. Kurz vor seinem 2. Examen, das er 1936 ablegt, wird er in Augsburg mit der Standortseelsorge beauftragt. Hier in den Standorten beeindrucken ihn die große Anzahl Besucher, die in den Gottesdienst kommen. Der Kommandeur mit Familie, Offiziere mit ihren Familien und alle anderen Soldaten bis in die unteren Dienstgrade nehmen teil, so dass sich samstags bis zu 4000 Gottesdienstbesucher versammeln. Und als der Militärbischof den Fliegerhorst besucht, der zu Schwarz' Standort gehörte, und an einer seiner Kasernenstunden teilnimmt, ist dieser von Schwarz so begeistert, dass er ihn bei der bayrischen Kirchenleitung für die Laufbahn des Wehrmachtspfarrers vorschlägt und keine Ruhe gibt, bis Schwarz im Frühjahr 1939 seinen Dienst bei den Gebirgsjägern beginnt. 
Mit Beginn des Krieges versieht Schwarz seinen Dienst, so gut er kann. Improvisiert, organisiert, hält Gottesdienste, zu Weihnachten im Kaukasus bis zu 25 in den verschiedenen Truppenteilen, hilft, wo es etwas zu helfen gibt, und versucht, seinen Kameraden ein guter Seelsorger zu sein, betet und beerdigt, tröstet am Krankenbett und schreibt für die, die nicht mehr schreiben können, Karten und Briefe an die Angehörigen in die Heimat. Man nennt ihn scherzhaft den 'Fernaufklärer', weil er sich lieber 'fern' bei den kämpfenden Soldaten aufhält und weniger im Quartier des Divisionsstabs. Oft hat er Sehnsucht, einen Gottesdienst zu feiern (25). Und freut sich, wenn die wenigen, die er hält, gut besucht sind, dies besonders zu den Festtagen, vor besonderen Einsätzen oder als das Ende des Krieges bevorsteht. 
In seinen Predigten versucht er, das Evangelium in die Situation der Soldaten hinein zu verkünden. So fragt er in einer Weihnachtspredigt über Lukas 2, 1-14, die er 1941 im Osten hält: 

'Warum sind wir üben (meint: 'hier', Anm. des Verf.) in Russland, warum müssen wir Weihnachten in einem so elenden russischen Dorf feiern und können es nicht daheim tun? Weil wir unter dem Gebot und dem Befehl unseres Volkes stehen, stehen müssen und dieser Befehl greift hinein in unser eigenstes persönliches Leben und gestaltet es und stellt uns hierher... Als "ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging", da musste sich ein Mann und eine werdende Mutter aufmachen und von daheim weggehen. Und sie wäre gewiss auch lieber in diesen schweren Wochen daheim in ihrer Wohnung, wo alles fein säuberlich gerichtet war für die Ankunft des Kindes, geblieben als in die Fremde zu ziehen. Das Gebot des Kaisers stand über innen und gestaltete ihr Leben und griff in das Leben hinein, ehe es noch geboren war. Ist das nicht unsere Welt?' (26) 

Wie einfach es doch geht, mit Hilfe von biblischen Texten Argumente für letztlich alles zu finden. 

Die 'subjektive Lage unserer Gemeinde' beschreibt Schwarz in einem Referat, dass er am 27. Oktober 1943 (ich erinnere: das Massaker in Kephallonia geschah einen Monat zuvor) auf einer Kriegspfarrerkonferenz in Athen hält. Kurz zuvor hatte er an der Eroberung von Korfu teilgenommen, von der er meinte, sie sei ohne Kämpfe (27) erfolgt, denn schließlich hätte die Bombadierung durch die Luftwaffe sofort jeden Widerstand gebrochen. Schwarz schreibt also über die Situation seiner Soldaten, für die in den Gottesdiensten der richtige Predigttext auszusuchen sei: 

'Und vieles, was wir ob drinnen oder draußen, ob in der Heimat oder an der Front erleben, zielt doch darauf ab, den christlichen Glauben unglaubhaft zu machen. Ich denke an die Bombenangriffe, an unsere Brutalität in der Kriegsführung u. a.. Hier kann schon mancher in Gewissenskonflikte kommen.' (28) 

Schwarz und Lipp wurden von General Lanz (29) mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. 

Nach dem Krieg war Schwarz zunächst Aushilfspfarrer in Traunstein, wo er insbesondere die Lazarette zu betreuen hatte. Hier hätte er das Schlimmste des Krieges gesehen. Anfangs weigerte er sich, sich entnazifizieren zu lassen. Er meinte, das wäre bei ihm nicht notwendig. Schließlich willigte er doch ein. Er bat seinen Freund Lipp um ein entsprechendes Zeugnis. Ein Freund, ein Halbjude (30), den er von seiner Studienzeit her kannte, und Karl Steinbauer sagten für ihn aus. 'Nicht betroffen' hieß das Urteil der Spruchkammer über ihn. 
1947 wurde Schwarz Pfarrer in Bad Steben. 1963 wechselte er nach Pappenheim, wo er vom Bischof der Evangelischen Kirche von Bayern zum Dekan ernannt wurde. 1977 ging er in den Ruhestand. Bis Ende der 90iger Jahre kam er zu den Jubiläumskonfirmationen nach Bad Steben und feierte sie unter großer Beteiligung und Freude der Mitglieder seiner einstigen Gemeinde. Heute lebt er 92jährig in einem kleinen Ort in Franken. 
Schwarz gehört zum Kameradenkreis der 1. Gebirgsjägerdivision. Jedes Jahr 'pilgerte' er wie Hunderte andere, die einst zur 'Edelweiß' gehörten, auf den Grünten zum Kameradentreffen. Auch Schwarz fühlte sich 'gefordert', im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess für Lanz auszusagen. Er legte eine schriftliche Stellungnahme vor, in der er Lanz 'besondere Ritterlichkeit sogar dem abgefallenen Verbündeten gegenüber' (31) bescheinigte, was daran zu erkennen sei, dass er 'Lastwagen zur Beförderung italienischer marschkranker Soldaten und italienischen Offiziersgepäcks zur Verfügung' gestellt habe. 
Lanz wurde in Nürnberg verurteilt und saß für wenige Jahre im Gefängnis in Landsberg. Weil dort ein Schwager (32) von Schwarz Pfarrer war und die dort einsitzenden Kriegsverbrecher zu betreuen hatte, gelang es Schwarz und Lipp, Lanz in seiner Haft zu besuchen. Gerne hätten sie aus Solidarität und in freundschaftlicher Verbundenheit jeder einen Tag für Lanz im Gefängnis abgesessen. Aber das wurde ihnen nicht gestattet. 

Zur Einweihung des Ehrenmals in Mittenwald schrieb Schwarz 1957 in seinem Geleitwort: 

"Es sind nun bei unserem Ehrenmal zwei Gedanken, ein trostvoller und ein mahnender, eine gute Einheit geworden. Trostvoll das Kreuz als Zeichen für Gottes Treue, die zu allem, auch zur Selbstaufgabe bereit ist, nur zu einem nicht: sich zurückzuziehen von dieser irrenden und verworrenen, schuldigen und leidvollen Welt. Diese Treue Gottes allein und sein Opfer lässt das Opfer unserer lieben Kameraden, denen das Denkmal gesetzt ist, nicht sinnlos sein. Sie sind wie wir von Gott nicht abgeschrieben, sondern in seiner Treue aufgehoben. Mahnend die Pfeiler als Ruf an uns zur Treue. Nicht der Erfolg, .... machen zuletzt den Wert eines Menschenlebens aus, sondern das Treusein. Dazu ruft uns das Denkmal. 
Treusein im Gedenken an unsere Gefallenen, 
Treusein den Menschen, die uns die nächsten und liebsten sind, 
Treusein unserem Land und Volk bis zum Opfer des Lebens, 
Treusein im Alltag des Berufes. 
In solch nüchterner Treue liegt auch die Treue unserem Gott gegenüber. Solche Treue ist nicht möglich ohne Opfer..." (33) 

Über die Kriegsverbrechen, an denen die Division 'Edelweiß' beteiligt waren, ob die in Lemberg (34) oder in Kephallonia, wurde bei den Kameradentreffen nicht gesprochen. Die Treffen galten der positiven Erinnerung an Kameradschaft, an das 'Draufgängertum' der Truppe und vor allem der Geselligkeit. Selbstverständlich wurden sie mit einem Gottesdienst eröffnet, den Lipp und Schwarz gemeinsam feierten. 
Schwarz älteste Tochter wurde 1941 geboren, wenige Tage, nachdem seine Mutter gestorben war. Weil er wegen des Todes seiner Mutter Heimaturlaub bekam, konnte er seine Tochter nach ihrer Geburt ein paar Tage sehen. 18 Monate war er anschließend von seiner Frau und seiner Tochter getrennt. Und dann noch einmal weitere 15 Monate im letzten Kriegsteil. Zwischendurch wurde seine Frau von einer zweiten Tochter entbunden. 
Das waren Dinge, so Schwarz (35), 

'die damals schon belastend waren, ... das darf man vielleicht auch nicht übersehen, wenn man fragt, warum habt Ihr an dem und dem nicht so teilgenommen, hat Euch das nicht so bewegt. Denken Sie einmal an Kephallonia! Wir hatten ja auch unsere ganz persönlichen Sorgen, ich musste mich sehr um meine Frau sorgen, die hatte einen Kaiserschnitt, und das war damals noch keine einfache Sache.'

Exkurs: Der einstige Feldprediger und spätere Militärbischof Hermann Kunst

Auf dem Hindenburgplatz in Herford versammelten sich am 7. November 1935 die Rekruten zu ihrer Vereidigung. Der evangelische Standortpfarrer Hermann Kunst schwor sie mit folgenden Worten auf ihren Dienst ein: 

"Meine Kameraden, wenn ihr in dieser Stunde den Treueeid auf den Führer und Kanzler unsres Volkes, den obersten Kriegsherrn, Adolf Hitler, leistet, tretet ihr damit ein in den Kreis der Männer, die bereit sind, mit Leib und Leben einzustehen für die Ehre und Freiheit, Sicherheit und Kraft des Reiches. Ihr fällt in dieser Stunde eine Lebensentscheidung. Ihr seid bis an euer Lebensende keine Privatpersonen, sondern eine dem Führer des Volkes verschworene Kampfgemeinschaft. Keine Überlegung, kein Reiferwerden entbindet euch von eurem Eid. Das sage ich euch nicht als irgendeine Meinung, das sage ich euch als ein berufener Diener am Wort." (36) 

Hermann Kunst, Mitglied der BK. So notiert sein Lebenslauf, den die Pressestelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf Anfrage zusendet. 
Kunst wurde am 21. 1. 1907 in Ottersberg geboren, besuchte in Bocholt das humanistische Gymnasium und begann nach abgeschlossener Banklehre das Studium der evangelischen Theologie in Marburg, setzte es in Berlin und Münster fort. Nach dem 2. theologischen Examen wurde er 1932 Pastor der evangelisch-lutherisch Mariengemeinde in Herford. 1939 wurde er Kriegspfarrer und folgte den deutschen Truppen nach Polen und Frankreich. 1940 wurde er zum Superintendenten des Kirchenkreises Herford gewählt, ein Jahr später mit der Vertretung des Präses Koch in der Leitung der Kirche von Westfalen beauftragt. Von 1943 bis Kriegsende war er in Russland. Kunst wurde das Eiserne Kreuz verliehen. 1945 wurde er Mitglied der Leitung der Evangelischen Kirche in Westfalen. Von 1949 bis 1977 war er der Bevollmächtigte der EKD am Sitz der Bundesrepublik, von 1955 bis 1972 war er evangelischer Militärbischof, damals ein Nebenamt. Universitäten in Münster, Pennsylvania, Paris, Bukarest und Boston verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. 
Am 8. August 1985, dem Tag, an dem sich die Stadt Augsburg des Religionsfriedens von 1650 zwischen katholischen und protestantischen Christen erinnert, wurde Kunst der Friedenspreis der Stadt Augsburg zugesprochen, der in jenem Jahr zum ersten Mal verliehen wurde. Am 13. Oktober nahm der erste Militärbischof Deutschlands den Preis entgegen, fast auf den Tag genau 50 Jahren, nach dem er die Rekruten auf dem Hindenburgplatz in Herford auf Adolf Hitler eingeschworen hatte.

5. Die Kirchen und ihre Kriegshilfe

Die Kriegspfarrer hatten die Aufgabe, ihren Dienst zu tun. Und das taten sie. Dienst an Soldaten christlichen Bekenntnisses. Die Frage, wo sie ihren Dienst taten, stellte sich für sie im allgemeinen lediglich als ein organisatorisches Problem. Die Frage, für wen sie ihren Dienst taten, beantworteten sie im Blick auf ihr Bekenntnis. 
Auch nach dem Krieg wurden die Fragen, in welcher Wehrmacht sie dienten, und welche Ziele diese verfolgte, und welche Mittel ihr zum Erreichen der Ziele Recht waren, nicht gestellt. Sie, die Kriegpfarrer stellten sie nicht, und auch die Kirchen, die sie für diesen Dienst entliehen hatten, stellten sie nicht, nicht für sich und nicht für sie; 
fragten auch nicht, ob sich die Pfarrer vielleicht selbst schuldig gemacht haben 
- im gehorsamen Mitwissen, 
- in sich selbst Schweigen verordnender Anwesenheit bei Kriegsverbrechen, 
- deren Erinnerung daran sofort dem Vergessen, dem Verdrängen anheim gegeben wurde oder werden sollte. 
Die Kirchen konnten es auch nicht. Sie hatten sich diese Möglichkeit selbst genommen, waren sie doch selbst willige Helfer und hofften, mit der Hilfe Adolf Hitlers und seiner Heere den bösen Feind aus dem Osten und damit vielleicht gleichzeitig das Gespenst der Aufklärung und des Modernismus entgültig besiegen zu können. So stabilisierten sie nicht nur das NS-Regime, sondern auch seine Aktionen, ob die kriegerischen oder die Vernichtungen. 

Im (38) Jahre 1935 schrieb der spätere katholische Feldgeneralvikar der Deutschen Wehrmacht Georg Werthmann in seinem Büchlein 'Wir wollen dienen'(39), dass im ersten Weltkrieg die Feldseelsorge 'vorbildliches im Dienste von Volk und Vaterland' geleistet habe. 

'Ohne diese Pflege des religiösen Geistes wäre die Disziplin des Heeres kaum so lange und so straff zu halten gewesen. Religiöse Haltung trieb zur Pflichterfüllung bis zum Opfertode...' 

Was über Jahrzehnte hinweg Jugendliche, wie Erwachsene, egal welchen Bekenntnisses, prägte, was sie in politischer Propaganda oder im Gottesdienst, in der Schule oder in den Gruppenstunden kirchlicher Jugendarbeit hörten, ließ nicht den geringsten Zweifel daran zu, dass die nationalsozialistische Ideologie die einzige wahre und dazu auch noch die einzig richtige war. So schreibt der Erzbischof von Freiburg im Breisgau Conrad Gröber 1937 in einem 'Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen' mit einer Empfehlung an das Gesamtepiskopat: 

'In der gegenwärtigen Schicksalsstunde unserer Nation stellen sich die Leiter der Kirche in besonderer Treue an die Seite der Männer des Staates, entschlossen zur Abwehr des gemeinsamen Feindes. Indem sie für das Christentum und den echten Gottesglauben im deutschen Volk kämpfen, stützen sie auf ihre Weise am wirksamsten den Wall, den in unserem Vaterland der Führer gegen den Bolschewismus aufgeworfen hat.'(40) 

Der Kriegsausbruch am 1. September 1939 traf somit die Christen in Deutschland weder unerwartet, noch unvorbereitet. Für die Bischöfe stand fest, 'dass man in diesem Krieg seine Pflicht tun musste' (41). Die Fragen, ob dieser Krieg gerecht wäre, ob die Teilnahme an diesem Krieg erlaubt oder verboten sei, diese Fragen stellten sie nicht, - sind Fragen, die wohl erst Jahrzehnte nach den Kriegen zu stellen erlaubt sind, vielleicht auch heute noch nicht einmal. Die Loyalität der Kirchen und ihr Patriotismus sollte jeden Verdacht von Unzuverlässigkeit vermeiden, ja, stellte ihrer Meinung nach die Kirche endlich an die Stelle im Staat, die ihr schon seit langem hat zukommen müssen. 
Mit dem Reichskonkordat von 1933 waren nicht nur die grundsätzlichen Fragen zur Militärseelsorge geregelt. Es enthielt sogar, wenn auch in einem geheim gehaltenen Anhang, die Vereinbarungen für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und damit auch die Vorsorge für den Kriegsfall (42). 
Für Erzbischof Gröber war es 'eine zugleich deutsche und katholische Selbstverständlichkeit, für die Heeresseelsorge nur die bestqualifizierten Geistlichen freizugeben.'(43) Auf diesem Hintergrund konnte das Oberkommando des Heeres am 21. August 1939 in einem Merkblatt die Feldseelsorge als 'wichtigstes Mittel zur Stärkung der Schlagkraft des Heeres'(44) beschreiben. 
Nicht mehr nur als Loyalität, sondern als Sinngebung musste und muss es verstanden werden, wenn 1942 die Feldgeneralvikare im Oberkommando des Heeres mit Verweis auf das Opfer Gottes den Einsatz des Lebens eines jeden Soldaten forderten und dies als sein Opfer christlich-religiös überhöhten.(45) Soldatentod war Opfertod. Opfertod war Heldentod. 
Insgesamt versahen im Zweiten Weltkrieg 650 hauptamtliche katholische Feldseelsorger (46) und 428 evangelische Pfarrer (47) ihren Dienst. Dazu kamen etwa 20.000 Priester, Priesteramtskandidaten und Ordensleute und eine der Relation entsprechende Anzahl evangelischer Pfarrer als Sanitätssoldaten. Über Priester, die wegen ihres Widerstandes ins KZ eingeliefert wurden, soll der päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo gesagt haben, dass sie 'Märtyrer ihrer eigenen Dummheit' seien (48). 
Wir wissen auch von sieben namentlich bekannten katholischen Kriegsdienstverweigerern. Sie wurden in KZs ermordet, ohne die Unterstützung oder Ermutigung ihrer Kirche erfahren zu haben.

6. Im Glanz des Wiederaufbaus

6. 1. Die Siegermächte und die Kirchen

Trotz der innerkirchlichen Auseinandersetzungen zwischen Regimetreuen, Neutralen und Oppositionellen überstanden die Kirchen als Einzige der großen Institutionen den Krieg und das NS-Regime fast unbeschadet. Und weil die Kirchen den Besatzungsmächten relativ unbelastet erschienen, wurden sie für die Besatzungsmächte (49) nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands mehr oder weniger die alleinigen Ansprechpartner. (50) So fragten sie die Kirchen nach vertrauensvollen, unbelasteten Personen, die in Staat, Ländern, Kommunen und Verbänden Verantwortung übernehmen könnten, um den Wiederaufbau Deutschlands zu organisieren. Der hierfür in Frage kommende Personenkreis war sehr klein. Um diese Schaltstellen politischer Macht und gesellschaftlicher Einflussnahme nicht Menschen liberal-bürgerlicher, sozialdemokratischer oder überhaupt demokratisch gesinnter Kreise zu überlassen, ja, um weiterhin auf konservativen Einfluss setzen zu können, scheuten sich die Kirchen nicht, vor allem Nationalsozialisten zu benennen (51). Einziges Kriterium für die Kirchen war, dass sie treu zur Kirche gestanden haben und stehen. Wenn die Militärregierungen von sich aus auf Mitglieder der SPD oder der Gewerkschaften zurückgreifen wollte, löste das eine Welle kirchlicher Empörung hervor. So äußerte sich der frühere evangelische Landesbischof von Württemberg und ab 1945 Vorsitzender des Rates der EKD Theophil Wurm, in einem Protestschreiben, 'die "Verfolgung Unschuldiger" (damit gemeint waren Nationalsozialisten, Anmerkung des Verf.) und die "Heranziehung ungeeigneter, ja amoralistischer und krimineller Elemente zur Übernahme größerer oder kleiner Verantwortung" riefe im deutschen Volk "Verstimmung, Depression und Verärgerung" hervor' (52). Es war derselbe Wurm, der im Jahre 1937 öffentlich verkündet hatte, dass seine Württembergische Kirche 'judenreiner sei als irgendeine andere' (53). Bemerkungen, wie die aus dem Jahre 1945, und spätere Äußerungen Wurms zum Nationalsozialismus veranlassten im Juni 1946 ausländische Kirchenvertreter zu der Meinung, die evangelische Kirche sei zum Zufluchtsort für ehemalige Nationalsozialisten geworden. (54)

6. 2. Die Kirchen und ihre unschuldige 'Schuld'

Anders als die Besatzungsmächte glaubten, waren die Kirchen keineswegs unbelastet aus der NS-Zeit hervorgegangen. Schon während der Weimarer Republik orientierten sich 70 bis 80 Prozent der Pfarrer in ihrer konservativ-nationalen Einstellung an antidemokratischen Rechtsparteien, wie der DNVP (Deutsche Nationale Volkspartei) (55). Und es waren vor allem die evangelischen Wähler, die der NSDAP zu ihrem Aufstieg verhalfen. 
Als bekannt wurde, dass zur zweiten Ratssitzung der EKD in Stuttgart am 18. und 19. Oktober 1945 eine Delegation aus der Ökumene teilnehmen würde, rangen sich die versammelten Mitglieder teils mit großem Widerwillen ein Schuldbekenntnis ab, das nur sehr halbherzig die Mitschuld der deutschen Kirche am Krieg formulierte. In diesem 'Stuttgarter Schuldbekenntnis', wie übrigens auch in der Erklärung der Fuldaer Bischofskonferenz vom 21. August 1945, wurde mit keinem Wort die Shoah erwähnt, mit keinem Wort das Verbrechen an Andersdenkenden, an Behinderten, Homosexuellen, an Sinti und Roma. Es war ein Wort, mit dem sich die EKD den Eintritt in den Ökumenischen Rat der Kirchen erkaufte und somit auch außerhalb Deutschlands salonfähig wurde. Als kircheninternes Papier sollte es nicht, und die Verfasser wussten warum, an die deutsche Öffentlichkeit geraten. Dies konnte jedoch nicht verhindert werden. Als der Inhalt der Stuttgarter Erklärung in den Gemeinden bekannt wurde, reagierte man dort mit Unverständnis, Empörung, ja, erbitterter Ablehnung. Viele Gemeindemitglieder drohten mit Kirchenaustritt. Sogar aus Kreisen der BK fand die Buße der Kirche nur geringes Verständnis. (56) Auch das aus der Feder eines kleinen Reformflügels in der EKD entstandene sogenannte 'Darmstädter Wort' aus dem Herbst 1947, in dem Defizite und Fehlentwicklungen der Kirche während des NS-Regimes benannt wurden, bezeichnete die große Masse der Kirchenführer als eine theologische Entgleisung und als eine schwere Zumutung. Die Unbußfertigkeit der Kirche schien keine Grenze zu kennen.

6. 3. Die Kirchen und die verweigerte Entnazifizierung

Schon im Mai 1945 begann die Kirche mit ihrer Kritik an der von den Besatzungsmächten kaum begonnenen Entnazifizierung, auch wenn sie sich dieser in den ersten Nachkriegmonaten nicht entziehen konnte. Im Juni 1945 schrieb der Mainzer Bischof Stohr an Pius XII., 'dass "radikale Beseitigung aller Nazis" eine "Sinnlosigkeit" darstelle, an der die ganze Verwaltung zusammenbrechen müsse und nur der Kommunismus Freude haben könne...' (57). In der Angst durch die Entfernung von hohen NS-Funktionären die konservativen Machtbastionen im öffentlichen Dienst zu verlieren und sie den 'Bolschewisten' überlassen zu müssen, kam es schon während des Entstehens der NS-Diktatur, dann aber auch nach dem Krieg zu einer breiten ökumenischen Übereinstimmung, zumindest in diesem Punkt. 
Auch ein mit dem 5. März 1946 in Kraft tretendes sogenanntes 'Befreiungsgesetz' (58), das alle Personen aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen wollte, 

"die die nationalsozialistische Gewaltherrschaft aktiv unterstützt oder sich durch Verstöße gegen die Grundsätze der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit oder durch eigensüchtige Ausnutzung der dadurch geschaffenen Zustände verantwortlich gemacht haben", 

fand heftigste Kritik der Kirchen. 

Am 26. April 1946 unterschrieb Bischof Wurm für die EKD eine Eingabe, in der erklärt wurde, dass dieses Gesetz neue Schuld und neues Unrecht bewirke: 

'Unsere Bedenken richten sich gegen die Grundauffassung des ganzen Gesetzes. Das Gesetz steht nicht in allen Stücken im Einklang mit dem natürlichen Rechtsempfinden. Es beachtet nicht alle elementaren Rechtsgrundsätze, die die Rechtsordnung von Kulturstaaten kennzeichnen und die ihre letzte Bindung an Gottes Gebot nicht verleugnen...' (59). 

Welche Doppelzüngigkeit und welcher Opportunismus wird in den Verlautbarungen der Kirche deutlich. Wenige Jahre zuvor schwieg die Kirche zum Rechtsbruch unmenschlichster Art, hat weitgehend schweigend mitangeschaut, ja mitgemacht als vor ihren Kirchentüren millionenfach elementarste Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, spricht nun aber von natürlichem Rechtsempfinden, Rechtsordnungen von Kulturstaaten, von Bindung an Gottes Gebot. 
Im Verlauf der Stellungnahme der EKD lehnte Wurm eine mögliche Entnazifizierung von Seiten der Obrigkeit in der Kirche ab. Wurm beanspruchte eine Sonderstellung für die Kirche, denn schließlich stünde es der Obrigkeit nicht zu, darüber zu entscheiden, wer in der Kirche ein geistliches Amt ausüben dürfe und wer nicht. (60) Die Kirche schützte auch belastete Pfarrer vor jeglicher Möglichkeit einer Entnazifierung. Die Krönung der Nichtbereitschaft kritischer Reflektion über die Nazigeschichte und über die eigene kirchliche Verstrickung setzte Martin Niemöller mit einer Abkündigung, die er am 1. Februar 1948 von allen Kanzeln der hessischen Kirche verlesen ließ, in der er den Pfarrern schlichtweg verbot, bei der Entnazifizierung der Gesellschaft mitzuwirken. Sie sei nicht der Weg zur Versöhnung, sondern Mittel der Vergeltung (61) und ein 'politisches Machwerk', um die deutsche Intelligenz zu beseitigen. (62) Damit fiel Niemöller den Stimmen ins Wort, die aus den Gemeinden heraus die neue Kirchenleitung in Hessen und Nassau und vor allem deren eben erst gewählten Präsidenten Martin Niemöller wegen seiner 'allzu bußfertigen' Haltung seit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis kritisierten. Der, der nach Meinung vieler in Stuttgart die Nation verraten hatte, konnte sich nun des ungeteilten Beifalls aller sicher sein. 
So organisierte vor allem die evangelische Kirche das allgemeine Aufbegehren gegen die politische Säuberung und wurde ihr Anführer (63). Die eigentlichen Täter waren für die Kirchen jene Personen, die in den Verwaltungen die Entnazifizierung durchzuführen hatten. Die Kirche gewann die Sympathien derer, die mehr oder weniger stark in das Regime des NS-Staates verwoben und an dessen Krieg und deren Verbrechen beteiligt waren, und erklärte sie im Zweifelsfall selbst zu Opfern. Der eigentlichen Opfer, ob der 6 Millionen ermordeten Juden, der zig-tausendfach hingerichteten oder vernichteten Oppositionellen, Behinderten, Homosexuellen, Sinti oder Roma gedachte sie damals an keiner Stelle. Dazu mussten noch Jahrzehnte ins Land gehen. Während der Naziherrschaft selbst 'williger Mitvollstrecker', ja, sogar Sinngeber für Mord und Soldatentod, wurde sie im Nachkriegsdeutschland gehorsamer Helfer beim Wiederaufbau Deutschlands Adenauer'scher Prägung, gewann die Zustimmung vor allem der rechten bürgerlichen Parteien, die die Regierung bildeten, und konnten sich somit deren Schutzes und Wohlwollens sicher wähnen. Schutz und Wollwollen auch deshalb, weil viele ehemalige NSDAP-Mitglieder inzwischen wieder in Aufgaben der Bundesministerien eingetreten waren und hier Verantwortung übernommen hatten. Vor allem das Auswärtige Amt profilierte sich in der Fortführung der 'Berliner Tradition'. (64) 
Aber es war nicht nur die fehlende Selbstkritik, die die Kirche bei so manchem fernen Beobachter in Misskredit brachte, es war nicht nur die Verweigerung der Entnazifizierung, es war auch die bewusst vollzogene Anknüpfung und Fortführung der Tradition, die mancherorts, nur nicht beim eigenen Kirchenvolk, Unverständnis hervorrief. Denn wenn man sich zum Beispiel die sofort nach dem Ende des Krieges neu zusammengesetzte Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland anschaut, so finden wir in ihr eine Koalition von Vertretern der Deutschen Christen, der Bekenntnisgemeinden und derer, die sich dem NS-Regime gegenüber neutral verhalten hatten. Was in Düsseldorf beispielgebend schon direkt nach dem Kriege vollzogen wurde, fand dann in Bonn Ende 1966 auf Regierungsebene seine politische Fortsetzung als Kurt Georg Kiesinger, während des NS-Regimes stellvertretender Leiter der Rundfunkpolitischen Abteilung und also solcher 'Mitwisser' der Shoah, Bundeskanzler wurde und in der Großen Koalition zwischen CDU und SPD Willy Brandt, der während des 3. Reichs nach Norwegen, dann nach Schweden emigrierte und von dort am Widerstand gegen Hitler teilnahm, Vizekanzler und Außenminister wurde(65). In der Rheinischen Kirchenleitung sollte damit 1945 , wie es hieß, die Rechtskontinuität bewahrt bleiben (66). Außerdem würde eine Vorherrschaft der Bekennenden Kirche in der Kirchenleitung 'bei der kirchenpolitischen Mentalität vieler rheinischer Pfarrer bzw. Gemeinden'(67) zu Missverständnissen führen. 
Was mit 'Mentalität' und 'Missverständnissen' gemeint war, soll an einigen Zahlenbeispielen deutlich werden: in der Hessischen und Württembergischen Kirche galten etwa ein Drittel aller aktiven Pfarrer als 'belastet'. In der Bayrischen Kirche ein Viertel, in Bremen waren 51 von 55 Pfarrern betroffen. (68) Eine Entnazifizierung hätte also die pfarramtliche Versorgung der Gemeinden erheblich in Frage gestellt. Dazu aber kam die Angst, die konservativen, traditionellen Kreise zu verlieren und den aufklärerischen, modernen, demokratischen, ja liberalen und linken Gedanken und ihren Vertretern mehr Raum geben zu müssen. 
Dieses Argument war Mitte der 30iger Jahre schon Motivation für die uneingeschränkte Solidarität vieler Kirchenmänner mit dem Hitlerstaat und seinem Krieg, dies wurde nun wieder Anlass, von einer Entnazifizierung in der Kirche abzusehen.

6. 4. Kirchliche Ent'schuld'ungs-Hilfen aus dem Ausland

In all diesen Fragen erhielten die Kirchen in Deutschland große Argumentationshilfe aus dem Ausland. Als erster nahm Papst Pius XII. in einem Hirtenwort (69) vom 9. Mai 1945 Stellung, in dem er sich gegen das Negativbild wandte, dass viele Menschen in der Welt von den Deutschen hätten und bat die Opfer des Krieges, die im Allgemeinen nicht der christlichen Religion angehörten, den Deutschen in christlicher Nächstenliebe zu begegnen. Sein Hirtenwort vom 24. April 1945 hatte zuvor die katholischen Christen insgesamt von jeglicher Verantwortung für den Krieg freigesprochen. In seinem Wort zum Weihnachtsfest 1946 erklärte der Papst die Aufklärung und ihre Philosophie als Hauptursache für das Zustandekommen von Nationalsozialismus und Kommunismus. NS-Deutschland wurde so auf die gleiche moralische Stufe gestellt wie die Sowjetunion. Ein Unterschied zwischen Angreifern und Angegriffenen, zwischen Tätern und Opfern fand nicht mehr statt. Und da die Aufklärung, die nun zur Katastrophe in Europa geführt hätte, vor allem auf dem Boden der späteren westlichen Siegermächte gediehen wäre, hätten diese nun kein Recht, den Deutschen zu sagen, was richtig wäre und was falsch. Und im Blick auf schuldig gewordene Katholiken reichte die Rückkehr zur Kirche. Reue und Buße würden mit der Vergebung der Sünden belohnt. 
Vor allem aus England erhielten die evangelischen Kirchen Schützenhilfe. Die anglikanische Kirche (70) bat die englischen Besatzungstruppen, die deutschen Kirchenvertreter aus den Maßnahmen der Entnazifizierung zu entlassen. Der anglikanische Bischof von Chichester Georg K. A. Bell, zu dem Dietrich Bonhoeffer bis zu seiner Verhaftung engste freundschaftliche Kontakte pflegte, vertrat schon 1943 die These, dass die Deutschen (71) als erste Opfer des Nationalsozialismus geworden seien, dass der Versailler Vertrag dem NS-Regime den Weg bereitet hätte und verglich die alliierte Kriegsführung aus der Luft mit den Konzentrationslagern der Deutschen. Wen konnte es darum wundern, dass Bischof Wurm die alliierten Internierungslager für deutsche Kriegsgefangene in aller Öffentlichkeit ebenfalls mit den Konzentrationslagern verglich? (72) Wie Papst Pius XII. fordert Bell in seinem 'Brief an meine Freunde in der Evangelische Kirche in Deutschland' (73) die Opfer der deutschen Verbrechen zu christlicher Nächstenliebe und Vergebung, benennt sie aber nicht mit Namen. Er erwähnt die Deportationen durch Deutsche, ohne sie als die Deportation von Juden zu bezeichnen und vergleicht sie mit der Nachkriegs-Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Das Leiden der Deutschen Bevölkerung rückte er an die Stelle des unzähligen Leidens der NS-Opfer. 
Im Mai 1949 setzte sich Bell nicht nur für die Freilassung von Kriegsverbrechern ein (73), sondern empfahl die Einstellung aller noch im Gang befindlicher Kriegsverbrecherprozesse. 

So sonnte sich die Kirche im Nachkriegsdeutschland bald im Glanz des Wiederaufbaus. Sie wusste sich durch bedeutende Stimmen aus der Ökumene gerechtfertigt in ihrer Verweigerung, über die Mitschuld an der Machtergreifung und am Erstarken des NS-Regimes, über ihre Verstrickung in das nationalsozialistische System und seinen Verbrechen und Kriegen nachzudenken, ja, es wurde ihr konzediert, sich als Erste in die Reihe der Opfer eingliedern zu dürfen. Wenn alle nur noch Opfer waren, wer waren dann die Täter? 
Dank ökumenischer Solidarität wusste sich die Kirche bestärkt in der Weigerung, an Entnazifizierungsmaßnahmen teilzunehmen, ja, sie im eigenen Hause zu dulden. 
Und so konnte sie schnell ihrer Rolle als staatstragendes und staatsstützendes Instrument in der Regierung Konrad Adenauers gerecht werden. Bußfertigkeit wäre ihr als 'Sühnestolz' ausgelegt worden. Stolz ja, aber 'Sühnestolz' konnte man in der Trümmerlandschaft ringsumher nicht gebrauchen. Und lange bevor über die Wiederbewaffnung Deutschlands öffentlich diskutiert wurde, waren die Verträge über die Militärseelsorge für beide Kirchen (74) schon unter Dach und Fach. 
Nur, - als Kirche, die in die NS-Diktatur verstrickt war und nach dem Krieg im Grunde jegliche Mitschuld und Mitverantwortung von sich wies, - und wenn sie das tat, dann nur als Lippenbekenntnis und Mittel zum Zweck internationaler Anerkennung -, hatte sie ihre Glaubwürdigkeit als moralisch-ethische Instanz verloren. Wie konnte sie mit dieser Last ihrem seelsorgerliche Amt gerecht werden, wenn Menschen zu ihr kommen wollten, die sich wegen ihrer Taten während der NS-Zeit vor Gott und den Menschen versündigt hatten? Konnte ein Blinder einen Blinden führen? (Matthäus 15, 14) 
Wem hätte der um Vergebung Ersuchende gegenüber gestanden, 
- zumal, wenn nur zu augenscheinlich war, dass die Kirche ihre stark konservative Positionierung und Tradition in ungebrochener Kontinuität fortführte, 
- zumal, wenn deutlich wurde, dass ein Bischof, der Mitte der 30er Jahre damit hausieren ging, dass seine Kirche 'judenfreier sei als andere'(75) oder ein ganz normaler Pfarrer, der 1935 auf einem westfälischen Marktplatz (76) Rekruten bis an ihr Lebensende auf Adolf Hitler einschwor, die höchsten Ämter evangelisch-kirchlicher Hierarchie erklimmen konnten, 
- zumal, wenn die Kirche sich als vermeintliches Opfer in 'christlicher Nächstenliebe' für die Täter einsetzte, ja, sie sogar schützte, dabei aber die Millionen und Abermillionen wirklichen Opfer des Regimes nicht eines einzigen Wortes für würdig erachtete? 
Ob dieses neuerliche Verschweigen, dass noch über Jahrzehnte anhalten sollte, wohl daran gelegen hat, weil diese Menschen, ob Juden, Kommunisten, Gewerkschafter, Oppositionelle, Sinti und Roma, Personen waren, denen sie seit Jahrhunderten selbst klammheimlich das Siegel 'persona non grata' auf die Stirn gedrückt hatte und deren Vernichtung sie nicht sonderlich erschüttert, sondern vielleicht sogar billigend in Kauf genommen hatte?

Benutzte Literatur:

Artikel: Hannes Heer, Blutige Ouvertüre, in: Die Zeit, 26 /2001 
Artikel: Immer wieder die Gebirgstruppe! in: Antifaschistische Nachrichten, 23 / 1997 
Brief vom 16. 3. 2002 von Pfr. Hermann Six an den Verfasser 
Die Gebirgstruppe, Heft Nr. 2-4, München, 1957 
Gedanken über unser Predigen. Referat auf der Kriegspfarrerkonferenz in Athen am 27. Oktober 1943 gehalten von Div.Pfarrer der 1. Geb.Div. Rudolf Schwarz. 
Gesprächsaufzeichnungen des Gesprächs zwischen Dekan i. R. Rudolf Schwarz und dem Verfasser vom 26. 3. 2002 
Heer, Hannes, Neumann, Klaus, Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, Frankfurt am Main, 1999 
Kaltenegger, Roland, Die Deutsche Gebirgstruppe 1938-1945, München 1989 
Mantelli, Bruno, Die Italiener auf dem Balkan 1941-1943, in: Europäische Sozialgeschichte, Festschrift für Wolfgang Schieder, hrsg. v. Christoph Dipper u. a.. Berlin 2000 
Materialien und Informationen zur Zeit, 3 / 1982 
Missalla, Für Gott, Führer und Vaterland, München 1999 
Predigt von Rudolf Schwarz über Lukas 2, 1- 14 gehalten Weihnachten 1941 im Osten 
Schieder, Wolfgang, Die römische Wehrwölfin, in: Süddeutsche Zeitung, 7. Januar 2002. 
Schöllgen, Ansgar, Britische Einflüsse auf die öffentliche deutsche Nachkriegsdiskussion der Schuldfrage, in: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Kaufmann (Hrsg.), Öffentlichkeit der Moderne. Die Moderne in der Öffentlichkeit. Das Rheinland 1945-1949, Essen 
Schübel, Albrecht, 300 Jahre Evangelische Militärseelsorge, München 1964 
Steinkühler, Manfred, Der deutsch-französische Vertrag von 1963, Berlin 2002 
Tätigkeitsbericht des Evangelischen Divisionspfarrers Rudolf Schwarz vom 15. Oktober 1943, Militärarchiv Freiburg. 
Vollnhals, Clemens, Evangelische Kirche und Entnazifizierung 1945 – 1949, München 1989 
Von Norden, Günter, Der schwierige Neubeginn, Bovenden, 1996

Anmerkungen:

(1) Tätigkeitsbericht des Evangelischen Divisionspfarrers Rudolf Schwarz vom 15. Oktober 1943, Militärarchiv Freiburg.

(2) Siehe Gesprächsaufzeichnungen des Gesprächs zwischen dem Verfasser und Dekan i. R. (in Ruhe) Rudolf Schwarz vom 26. 3. 2002 (im folgenden zitiert als 'Schwarz)

(3) Vgl. Bruno Mantelli, Die Italiener auf dem Balkan 1941–1943, in: Europäische Sozialgeschichte, Festschrift für Wolfgang Schieder, hrsg. v. Christoph Dipper u. a., Berlin 2000, S. 58.

(4) Vgl. ebenda, S. 57.

(5) Der Journalist und Historiker Angelo Del Boca wies nach, dass unter dem Befehl Badoglios 1935/36 die faschistischen Truppen massiv Giftgas gegen die Zivilbevölkerung in Abessinien einsetzen. vgl. Wolfgang Schieder, Die römische Wehrwölfin, in: Süddeutsche Zeitung, 7. Januar 2002.

(6) Vgl. auch im Folgenden Hannes Heer und Klaus Neumann, Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, Frankfurt am Main, 1999, S. 192f

(7) vgl. ebenda, S. 201.

(8) Zitiert nach ebenda, S. 203

(9) vgl. auch im Folgenden: Immer wieder die Gebirgstruppe! Antifaschistische Nachrichten, 23 / 1997.

(10) Vgl. ebenda.

(11) Vgl. Roland Kaltenegger, Die deutsche Gebirgstruppe 1938-1945, München 1989, S. 23f.

(12) vgl. im Folgenden: Hannes Heer, Blutige Ouvertüre, in: Die Zeit, 26/2001

(13) so vgl. Schwarz, S. 8.

(14) vgl. Die Deutsche Gebirgstruppe, a. a. O., S. 23.

(15) So und auch im folgenden Schwarz, S. 1ff.

(16) Albrecht Schübel, 300 Jahre Evangelische Soldatenseelsorge, München, 1964, S. 120.

(17) Siehe ebenda, S. 100.

(18) So Schwarz, Gespräch, S. 10

(19) Vgl. Die Gebirgstruppe, München, Heft Nr. 2-4, Jahrgang 1957, S. 187

(20) vgl. Brief vom 16. 3. 2002 von Pfr. Hermann Six an den Verfasser.

(21) Zitiert nach Schwarz, Gespräch, S. 15.

(22) Vgl. auch im Folgenden Schwarz, Gespräch, S. 1ff.

(23) vgl. Clemens Vollnhals, Evangelische Kirche und Entnazifizierung 1945–1949, München, 1989, S. 170f.

(24) vgl. Schwarz, S. 3.

(25) Schübel, S. 161ff.

(26) Weihnachtspredigt von Rudolf Schwarz über Lukas 2, 1-14 gehalten Weihnachten 1941 im Osten, dem Verfasser in Kopie überlassen.

(27) Vgl. Schwarz, S. 13. Der Angriff der deutschen Truppen erfolgte am 24. September 1943 um 0.00 Uhr. Am Mittag des 25. September war der Widerstand der Italiener gebrochen. 10000 Italiener wurden gefangen genommen. 600 waren gefallen, vgl. Die Deutsche Gebirgstruppe 1938 – 1945, a. a. O. S. 420ff.

(28) Vgl. Gedanken über unser Predigen. Referat auf der Kriegspfarrerkonferenz in Athen am 27. Oktober 1943, gehalten von Div.Pfarrer der 1. Geb.Div. Rudolf Schwarz, dem Verfasser in Kopie überlassen, S. 3

(29) vgl. Schübel, S. 312.

(30) Vgl. Schwarz, S. 9. Schwarz benutzt hier eine Terminologie aus der Nürnberger Rassegesetzgebung vom 15. September 1935

(31) vgl. im Folgenden: Antwortschreiben von Rudolf Schwarz an den Spiegel vom 27. 10. 1969, dem Verfasser in Kopie überlassen.

(32) Vgl. Schwarz, S. 11.

(33) ebenda, S. 191.

(34) Auf Lemberg angesprochen erinnert sich Schwarz an `Leichen, die haufenweise übereinander lagen. Das waren Juden, aber auch Polen, Juden waren es auf alle Fälle..., aber von den Polen umgebracht oder von den Russen. Es war das Grausamste, was man erlebt hat. Das war ein Pogrom. Wie wir dahin gekommen sind, war das alles schon geschehen, das war nicht unsere Truppe, das haben die untereinander gemacht.` vgl. Schwarz, S. 15.

(35) Vgl. Schwarz, S. 15f.

(36) Vgl. Materialien und Informationen zur Zeit, 3/1982

(37) Was ich im Folgenden zur kirchlichen Kriegshilfe von Seiten der römisch-katholischen Kirche sage, gilt über weite Teile in gleicher Weise für die Kriegshilfe der evangelische Kirche in Deutschland. Es gibt nur einen, aber doch wesentlichen Unterschied: während sich katholische Christen letztendlich allein der Autorität des Papstes und der Bischöfe unterstellt fühlten, dienten evangelische Christen und ihre Kirchenführer, mit Ausnahme der Mitglieder der Bekennenden Kirche, gehorsam ihrem Führer Adolf Hitler. Im nachfolgenden Kapitel 6 lege ich den Schwerpunkt der Betrachtung der 'ökumenischen Ausgewogenheit' willen stärker auf die Position der evangelischen Kirche.

(38) zitiert nach Heinrich Missalla, Für Gott, Führer und Vaterland, München 1999, S. 187 f.

(39) zitiert nach Missalla, ebenda, S. 32.

(40) Ebenda, S. 35.

(41) Vgl. ebenda, S. 42f.

(42) Ebenda, S. 44.

(43) Ebenda, S. 44.

(44) Vgl. ebenda, S. 51.

(45) Vgl. ebenda, S. 44

(46) vgl. Schübel, a. a. O. S. 140.

(47) vgl. ebenda, S. 199

(48) Das Nachkriegsdeutschland war in vier Besatzungszonen (russische, amerikanische, englische, französische) aufgeteilt. Jede Besatzungsmacht organisierte den Wiederaufbau, die Entnazifizierung in ihrer Zone auf andere Weise. Auch deren Einbeziehung der Kirchen war jeweils verschieden. Dies verdiente eine differenzierte Betrachtung, die ich angesichts des Raumes und angesichts des von mir gestellten Themas hier nicht leisten kann. Die von mir folgende Darstellung jedoch gibt in ihrer mosaikartigen Darstellung meines Erachtens grundlegende Linien der Problematik wieder.

(49) vgl. Ansgar Schöllgen, Britische Einflüsse auf die öffentliche deutsche Nachkriegsdiskussion der Schuldfrage, in: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Kaufmann (Hrsg.), Öffentlichkeit der Moderne. Die Moderne in der Öffentlichkeit. Das Rheinland 1945-1949, Essen, S. 31.

(50) Vgl. Vollnhals, S. 10.

(51) Zitiert nach ebenda, S. 53

(52) vgl. Schöllgen, S. 40.

(53) vgl. Vollnhals, S. 85

(54) vgl. ebenda, S. 12

(55) vgl. ebenda, S. 37

(56) vgl. ebenda, S. 52

(57) vgl. ebenda, S. 62. Dieses 'Befreiungsgesetz' galt für Bayern, Baden-Württemberg, Großhessen und Bremen.

(58) Zitiert nach: ebenda, S. 72..vgl. auch im Folgenden, S. 73.

(59) Vgl. ebenda, S. 73.

(60) Vgl. ebenda, S. 104.

(61) Vgl. Schöllgen, S. 40.

(62) vgl. Vollnhals, S. 117.

(63) Vgl. Manfred Steinkühler, Der deutsch-französische Vertrag von 1963, S. 67

(64) ebenda, S. 127. Das Ausland (so zum Beispiel de Gaulle) reagierte auf die Kanzlerschaft von Kiesinger nicht mit Unbehaben, im Gegenteil, war das 'gemeinsame Interesse an der Abwehr der kommunistischen Bedrohung förderlicher' (ebenda, S. 136) als alle aus der Vergangenheit Unverständnis, ja Abscheu erregenden Naziaktivitäten.

(65) Vgl. Günter von Norden, Der schwierige Neubeginn, Bovenden, 1996, S. 12.

(66) Vgl. ebenda, S. 17.

(67) Vgl. Vollnhals, S. 284f.

(68) vgl. auch im Folgenden, Schöllgen, S. 31f.

(69) vgl. ebenda, S. 33.

(70) Vgl. ebenda, S. 33.

(71) Vgl. Vollnhals. S. 100.

(72) Vgl. Schöllgen, S. 36.

(73) Vgl. ebenda, S. 38, Bell trat für die Freilassung von den Generalfeldmarschällen von Rundstetd und Manstein ein.

(74) Vgl. Misalla, S. 190.

(75) Vgl. Anmerkung 29.

(76) Vgl. Anmerkung 14.